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Klimaanpassung durch Entsiegelung:
Warum im Wedding ein bisschen Asphalt verschwindet

7. Juli 2026

„Bei der Hitzewelle der letzten Tage habe ich wieder einmal gemerkt, dass der Vorplatz des Bahnhofs Gesundbrunnen für heiße Tage sehr ungeeignet ist. Natürlich ist bei den darunter verlaufenden Bahngleisen eine Bepflanzung mit wurzelnden Bäumen kompliziert, aber wahrscheinlich gäbe es Möglichkeiten der Begrünung durch Büsche, Schatten-spendende Vordächer und Rasen“, schreibt unser Leser Christian. Und er hat recht: Wenn die Hitze über dem Wedding flimmert, der Asphalt glüht und selbst die Straßenbäume erschöpft wirken, wird plötzlich sichtbar, wie hart die Stadt für Lebewesen sein kann. Und wenn es mal regnet, rauscht der Niederschlag durch Gullys direkt in die Kanalisation, statt im Boden zu versickern und den Bäumen zur Verfügung zu stehen. Genau dort setzt nun ein neues Projekt des Bezirks an.

So sah es vorher aus
Asphalt weg – statt dessen Erde und Versickerungsfläche

Besonders sichtbar wird das Entsiegelungsprojekt derzeit in der Togostraße zwischen Otawistraße und Manga-Bell-Platz. Dort wurden im Zuge des Umbaus zur Fahrradstraße versiegelte Flächen eines alten, holprigen und kaum benutzbaren Radwegs zurückgebaut. Statt grauem Asphalt liegt dort nun offene Erde. Neue „Grüne Gullys“ sind bereits eingebaut – auch wenn die Begrünung anfangs noch fehlte.

Die Idee dahinter ist simpel, aber wirkungsvoll: Regenwasser soll künftig nicht mehr möglichst schnell in die Kanalisation verschwinden, sondern vor Ort bleiben. Die neuen Versickerungsflächen speichern Wasser im Boden und geben es langsam wieder an die Umgebung ab. Straßenbäume profitieren davon ebenso wie Pflanzen und Tiere im Kiez. Gleichzeitig helfen solche Flächen dabei, die Umgebungstemperatur an heißen Tagen etwas zu senken.

Dass sich schon jetzt etwas verändert, merkt man auch an kleinen Gesten aus der Nachbarschaft. Vor der Togostraße 44F hat eine Anwohnerin kurzerhand Sommerblumen in den neuen Streifen gepflanzt. Der neue Blick auf die Straße freue sie, erzählt sie. Wo vorher trostlose Asphaltflächen dominierten, entsteht plötzlich etwas, das nach Stadtgrün aussieht.

Auch am Nordufer kann man die Entsiegelung beobachten

Das Bezirksamt Mitte spricht von einem neuen Entsiegelungsprojekt zur Klimaanpassung im öffentlichen Raum. Insgesamt sollen rund 2.000 Quadratmeter versiegelte Flächen wieder an den natürlichen Wasserkreislauf angeschlossen werden. Herzstück sind etwa 50 sogenannte Grüne Gullys, über die künftig rund 1.250 Quadratmeter Boden das Regenwasser aufnehmen und speichern können. Weitere etwa 750 Quadratmeter werden zusätzlich entsiegelt – etwa durch größere Baumscheiben oder entsiegelte Randstreifen im Straßenraum.

Neben der Togostraße gehören auch das Nordufer und die Adolfstraße zu den ersten Standorten. Weitere Maßnahmen im Bezirk sollen folgen. Der Förderzeitraum läuft bis Juli 2027.

Entwickelt wurde das Projekt gemeinsam vom Straßen- und Grünflächenamt, dem Klimaschutz- und Klimaanpassungsmanagement sowie dem Umwelt- und Naturschutzamt des Bezirks. Finanziert wird es über das Bundesumweltministerium.

Die Togostraße zeigt: Klimaanpassung passiert nicht irgendwann in ferner Zukunft – sondern beginnt direkt vor der eigenen Haustür.

Joachim Faust

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

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