Wer am Wochenende einfach mal raus will, ohne lange Anreise, kann sich aufs Rad schwingen und nach Norden rollen – am besten entlang des Pankewegs oder direkt vom S-Bahn Berlin-Bahnhof Buch aus. Von hier führt der Weg schnell raus aus dem dichten Stadtgefüge. Es dauert nicht lange, bis sich die Landschaft öffnet: breite Wege, Felder, Baumgruppen – und eine Ruhe, die man in Berlin so selten findet. Die Beschilderung Richtung Gorinsee weist dabei zuverlässig den Weg.


Die Rieselfelder selbst wirken heute wie eine Mischung aus Parklandschaft und halbwilder Natur. Das Gebiet um Hobrechtsfelde war ursprünglich von Wäldern, Feldern und feuchten Niederungen geprägt, bevor ab dem späten 19. Jahrhundert Berliner Abwasser auf Rieselfeldern verrieselt wurde – zunächst auch als Dünger genutzt. Mit steigenden Abwassermengen und wachsender Industrialisierung reicherte sich jedoch immer mehr Schadstoff im Boden an, sodass eine landwirtschaftliche Nutzung schließlich unmöglich wurde. Die belasteten Flächen wandelten sich später, auch durch Eingriffe der Berliner Forsten, zu einer heutigen Erholungslandschaft.


Wo früher also Berliner Abwässer verrieselt wurden, hat sich eine offene Weidelandschaft entwickelt, die gezielt gepflegt, aber nicht „aufgeräumt“ ist. Gräser, Kräuter und vereinzelte Feuchtflächen bieten Lebensraum für viele Vogelarten; am Himmel ziehen Greifvögel ihre Kreise, am Boden raschelt es im hohen Gras. Dazwischen treten oft überraschend grasende Galloway-Rinder oder Konik-Wildpferde ins Blickfeld, die hier zur Landschaftspflege eingesetzt werden. Die Wege sind breit und gut fahrbar, aber nie langweilig – immer wieder öffnen sich neue Blickachsen über die weiten Flächen.


Zwischen diesen Naturbildern taucht plötzlich etwas Unerwartetes auf: Kunst. Große Steine, bearbeitete Findlinge, Holzskulpturen oder abstrakte Installationen stehen scheinbar zufällig am Wegesrand oder mitten im Feld. Sie wirken nicht inszeniert, eher wie Fundstücke in der Landschaft. Mal monumental, mal fast versteckt – und oft erst auf den zweiten Blick als Kunst erkennbar. Seit 2001 wurden im Rahmen des Projekts „Steine ohne Grenzen“ über 100 Kunstwerke aufgestellt. Gerade dieses Nebeneinander von Natur und künstlerischen Eingriffen gibt der Tour eine eigene Dynamik: Man fährt, schaut, entdeckt.
Ein lohnender Abstecher führt zum Gut Hobrechtsfelde. Der alte Kornspeicher ist schon von Weitem zu erkennen und erzählt heute als Ausstellungsort die Geschichte der Rieselfelder – von der technischen Nutzung bis zur Renaturierung. Rund um den Hof lässt sich gut pausieren, bevor es wieder hinaus in die Weite geht.


Danach folgt man wieder der Beschilderung Richtung Norden. Die Wege werden stellenweise schattiger, der Wald rückt näher, die Landschaft verändert sich langsam. Es ist ein Übergang vom Offenen ins Dichtere – vom Feld in den Waldsaum des Barnim. Kurz vor der Siedlung Gorinsee an einer Schautafel passiert man den nördlichsten Punkt Berlins.


Und dann liegt er plötzlich da: der Gorinsee. Eingebettet in Wald, mit klarem Wasser und einfachen Badestellen, wirkt er wie der natürliche Schlusspunkt der Tour. Wer mag, bleibt hier, geht ins Wasser oder setzt sich einfach ans Ufer.
Die Strecke lebt weniger von einzelnen Highlights als vom Zusammenspiel: die Geschichte der Rieselfelder, die weite Landschaft, die Tiere, die überraschende Kunst – und das Gefühl, mit jedem Kilometer ein Stück weiter aus der Stadt herauszufahren, ohne sie wirklich zu verlassen.




Hier ein Hinweis für Fans alter Industriekultur
In dieser Landschaft gab es einst ein dichtes Netz von Feldbahnen .Reste davon lassen sich auch heute noch finden,unter dem Stichwort: Hobrechtsfelde. Feldbahn lassen sich darüber interessante Beiträge lesen
Viel Spaß
Toller Tipp, Wolfgang. Danke!!