Das Handarbeiten ist noch lange nicht out. Es ist sogar aktueller denn je, denn mittlerweile kann man fast jedes Produkt und jedes Accessoire „von der Stange“ haben, ob neu, gebraucht oder aufgemotzt. Was umso mehr richtig Freude bringt, ist ein selbstgemachtes Stück Stoff für Zuhause, als persönliches Geschenk für jemanden (oder für einen selbst), vielleicht sogar als Rettung einer schwierigen Kleiderkombi.
Daher besuchen wir heute Lacey’s Handarbeitsgruppe in Lemy’s Cafe, eine Gruppe von vorwiegend Weddingerinnen, die nun schon lange zusammen strickt und häkelt, ja, sogar stickt und dekoriert.
Als wir im Herbst 2025 über das noch frische aufgemachte Lemy’s Cafe berichteten, war auch Lacey bald zur Stelle und verlegte ihre nun schon langjährige Handarbeitsgruppe dorthin, denn zuvor wanderte sie schon die Müllerstraße von Ort zu Ort hinauf.
Vor vier Jahren war auch ich schon einmal im Old Style, dem früheren Simit Evi, dabei. Wir saßen unter Sonnenschirmen auf dem Platz. Zwischendurch befand sich der Handarbeitskreis auch im Repair Café im Sprengelkiez, danach im Paul-Gerhardt-Stift, wo man einen Raum einmal wöchentlich nutzen konnte, aber die Schlüsselübergaben waren am Ende zu umständllich. Nun bietet sich Lemy’s Cafe an, direkt am U-Bahnhof Rehberge und mit großen Tischen und bequemen Ledersesseln.
Ich sitze im Cafe und schaue durch die großen Schaufensterscheiben auf die Müllerstraße, und nach und nach treffen die Strickfrauen ein. So lerne ich eine nach der anderen kennen, und wir plaudern über Handarbeiten, denn auch ich habe etliche Erfahrungen mit DIY.



Endlich kommt auch Lacey hinzu und wir erkennen uns wieder. Sie erzählt, dass ihr eine Gruppe, eine regelmäßige Verabredung wichtig ist, denn es sei sehr schön, eine Gemeinsamkeit zu haben. Die Arbeiten wachsen mit der Zeit. und etwa so stellt Lacey die Termine der Gruppe regelmäßig auf nebenan.de vor:
🎨 Wir sind normalerweise 3-8 freundliche Leute, die alle an unseren eigenen Stick-, Strick-, Flick-, Zeichen-, Up-Cycling- oder Häkelprojekt arbeiten. Es ist natürlich auch super für den Skills- und Wissensaustausch! ☺️🪡🧵
Nach und nach liegen die Handarbeiten auf dem Tisch, vorwiegend wird gestrickt, aber auch andere Techniken sind willkommen. Barbara, Anthea, Simone und Johanna bestellen ein delikates Karottensüppchen, das allseits gelobt wird. Dabei kommen wir ins Erzählen, wir reden über dies und das und jenes. Auch geht’s um die Häkelblümchen der „Omas for Future„, die gerade für einen großflächigen Teppich für eine Aktion am 10. Mai am Brandenbrger Tor gestaltet werden.
Ich bringe ein, dass ich das gute Buch von Ebba Drolshagen so sehr schätzen gelernt habe, denn sie stellt sehr umfassend alles dar, was man zur Strickkunst über die Jahrhunderte, ja Jahrtausende nur wissen kann. Stricken war lange Zeit ein saurer Broterwerb für ganze Familien und Dörfer, als sogar die Nächte durch selbst von Kindern gestickt wurde, um kleine Beträge dazuzuverdienen.
Ich schaue mich um und sehe eine grüne Socke, die aus viele kleinen Knäueln aus aufgerippeltem Wollgarn erarbeitet wird, ich sehe eine superflauschige melierte Wolle, die auf der Rundstricknadel entsteht und ich sehe postkartengroße Karten, auf die Schriftzüge gestickt werden.
Lacey selber hat ein Prachtstück mitgebracht. Es ist bis auf den Kordelzug, der über den Maschenfängern und Markiernadeln noch anzufertigen ist, fast abgeschlossen. Bildschön ist dabei ein Blockstreifenmuster entstanden, das durch das Verzwirnen von verschiedenen Farben entstand.
Es sind nur Luftmaschen! Aus dem Luftmaschenmuster, das wie ein Zusammenspiel von vielen Blütenformen wirkt, ist ein luftiger Sportbeutel entstanden, in dem man verschwitze Sportkleider transportieren kann, ohne diesen Turnhallengeruch, der normalerweise so ätzend lange im Material verbleibt. Das nenne ich mal eine gelungene Kreation. Auf etsy wäre das eher „unbezahlbar“, lieber gestalten wir selbst und nutzen die lieben Gespräche der Runde, ist ein Motto.
Ja, die Gespräche! Die Frauen, die sich schon lange kennen, sitzen oft von 17 oder 18 Uhr bis 21 Uhr beisammen und verplauschen den Nachmittag und Abend, während die Handarbeit an den Händen wächst.
Simone sagt mir, sie spende vielleicht die grünen Socken; „Grüne Socke“ ist ein stehender Begriff für die Aktion Eierstockkrebs, die von der Firma Gründl geführt wird. Diese Firma spendet ihrerseits, wenn man grüne Sockenwolle kauft. „Der Erlös fließt zu 100 Prozent an den Verein für Gynäkologische Krebserkrankungen Deutschland e.V.“. Frauenpower, eben auch mal in Grün statt in Lila: das nützt!

Lacey beim Entheddern ihrer Knäuel für das Sportnetz – Foto Renate Straetling
Wir sprechen über Knäuelwickler und über alles, was schief gehen kann, über komplette Material-Packs, die teuer sind, man aber auch die Anleitung anstelle des ganzen Sets kaufen kann.
Simone hat ein weiteres Projekt in Planung: Sie möchte sich gern einen Badezimmerteppich in Jeansfarben gestalten. Ich mahne die Rutschfestigkeit solcher Läufer an. Ach, das geht schon mit Gitternetzen, aber woher die langen Streifen für die Jeansstoff-Quadrate nehmen? Wir sammeln Ratschläge und Ideen dazu.
Lacey erzählt, dass sie in all den Jahren nach Corona nur an einem einzigen Tag wegen Krankheit nicht dabei war. Sie schwärmt davon, in Cafés zu sein, die sozialen Kontakte zu genießen und sich jedes Mal mit den Worten „Bis nächste Woche!“ verabschieden zu können.
Ja, genau! Ich sehe schon, dass ich selber mein Häkelschal-Projekt am kommenden Dienstag ab 17:30 Uhr mitbringen muss, denn das wächst viel zu langsam, wenn es nur alleine beim Fernsehen gewerkelt wird.
Handarbeitsgruppe, dienstags, ab 17.30 Uhr, Lemy’s Café, Müllerstr. 70b
Links:
https://www.gruendl.com/blog/aktion-gruene-socke
Ebba Drolshagen: „Zwei rechts zwei links“, Suhrkamp 2027, ISBN 978-3518468142
Lemy`s Cafe https://weddingweiser.de/lemys-cafe-alles-mit-liebe/


ich finde die Fotos echt toll!
Heute versucht n bissl Faden zum Nähen zu kaufen. Ist mir nicht gelungen. Seit Karstadt und Müller weg sind gehe ich öfter in Drogerien, aber auch da habe ich sowas nicht gefunden. Ne Idee.
Man bekommt bei Woolworth, Tedi und kik etliche kleine Näh-, Bastel und Strickzubehöre.
Im übrigen kann man für die Menge an Kreativbedarfen aller Art temu.com empfehlen,
da es alle diese (oft sehr kleinen) Produkte sehr günstig gibt, die man auch
en gros online bestellen kann