Die nächste 5-Jahres-Legislatur steht am 20. September nicht nur für das Berliner Landes- und Bezirksparlamente an, sondern auch für die 12 Seniorenvertretungen (SV) Berlins. Jeder Bezirk wählt etwa 17 Delegierte für die bezirkliche SV vor Ort. Die Wahl der Seniorendelegierten findet allerdings mit einer Verzögerung von bis zu sechs Monaten nach dem 20. September statt.
Die bisher letzte Wahl fand im Jahr 2022 unter Bedingungen der Coronazeit statt, und leider fielen damals die öffentlichen Vorstellungsrunden der Kandidaten aus.
Nunmehr müssen in weniger als fünf Monaten die Bewerbungen zu den Kandidaturen schriftlich eingereicht worden sein.
Dieser Beitrag soll einen ersten übersichtlichen Einblick zu Kandidatur und Wahl geben, eine Herausforderung für die Gestaltung des Lebens für ältere Menschen in unserer Stadt.

v.l.n.r./obere Reihe: Dr. Heinz Willnat, Charlotte Hahn, Margarete Gramlich, Elisabeth Graff, Friederike Alcoberro, Mustafa Fahim, Gerhard Hagemeier, Sibylla Dittrich, Herbert Probst, v.l.n.r./untere Reihe: Madeleine Voigt, Ursula Schade, Reinhard Rebhan, Ursel Wenzel, Dr. Doris Schawaller, Anita Hedemann, Debasish Bhaduri. Die Mitglieder der SVM, Sedanur Karaca und Wolfram Wickert sind nicht auf dem Foto. Quelle: berlin.de
Für die Jahre 2027 bis 2032 werden wieder Delegierte für die bezirklichen Seniorenvertetungen gesucht. Da geht es um große Aufgaben für die älteren Bewohnerinnen und Bewohner in unserer Stadt wie u.a. (wir berichteten über etliche dieer Themen) die Versorgung mit Pflegepersonal, die Vertrauenspersonen in den Senioren-Wohngemeinschaften und das WTG, Angebote der Information für Betagte ab 70 Jahren wie Hausbesuche durch den Malteserhilfsdienst, um die Fragen der Mobilität und die Gestaltung von barrierefreien Wegen und Zugängen und um Seniorenbegegnungsstätten mit den vielen Freizeitangeboten und Informationsvorträgen.
Die Wahlen zu den Seniorenvertretungen über Vorschlagslisten finden dann in einer berlinweit einheitlichen Wahlwoche Anfang bis Mitte März 2027 statt. Die Briefwahl wird ermöglicht werden, und es wird Wahllokale geben, die an fünf Orten im Bezirk Mitte die Wahlteilnahme vor Ort ermöglichen. Zur Wahl zugelassen sind alle Personen ab 60 Jahren mit Hauptwohnsitz im jeweiligen Berliner Bezirk und unabhängig von der Staatsangehörigkeit.
Diesmal werden auch neue Kandidatinnen und Kandidaten für Mitte – bis zu 17 Delegierte je SV sollen es wieder sein – gesucht, denn es geht um die guten Lösungen für die Anliegen der Seniorinnen und Senioren auch in Wedding und Gesundbrunnen. Bereits jetzt sind etliche der Delegierten aus unserem Stadtteil, als da wären H. Probst, U. Schade, A. Hegemann, G. Hagemeier, S. Dittrich.
Berlin war Mitte der 2000er Jahre Vorreiter in Sachen Seniorenmitwirkung, und hat als erstes Bundesland ein solches Landesgesetz erlassen. Es geht um die Mitwirkung, Mitsprache und Mitgestaltung durch diese Ehrenämter für Ältere.
Nach dem seit 2006 geltenden Berliner Seniorenmitwirkungsgesetz (BSenG), das ehrenamtlich, unabhängig und parteipolitisch neutral angelegt ist und sich für Seniorenbelange einsetzt, ist auch ein Gutteil Selbstbestimmung der Generation 60plus ermöglicht.
So gibt es vor allem Arbeitsgruppen zu den Themen Wohnen und das Wohnteilhabegesetz (WTG), Pflege und Betreuung, Mobilität und sozialpolitische Belange. Es gilt, den Seniorenbelangen eine starke und authentische Stimme zu geben, durch Sammlung von Anliegen, Bündelung von Forderungen und Weiterleitung der Anliegen und das Einbringen von altersgerechten Anliegen in Planung und Prozesse der Entscheidungsfindung
In der Zeit vom 4. September bis zum 2. Oktober werden die Bewerbungen schriftlich im Bezirksamt Berlin-Mitte entgegengenommen.
„Alle Berliner Bezirksämter rufen sechs Monate vor den Wahlen zu den Vorschlagslisten öffentlich durch Aushang in den Dienstgebäuden des Bezirksamtes und insbesondere in den im Bezirk gelegenen Seniorenheimen, Seniorenwohnhäusern und Seniorenfreizeiteinrichtungen dazu auf, Berufungsvorschläge einzureichen.
Der Berufungsvorschlag muss den Vor- und Zunamen, das Geburtsdatum und die Anschrift des Hauptwohnsitzes der oder des Vorgeschlagenen enthalten.
Die Vorschläge sind schriftlich und im verschlossenen Umschlag innerhalb eines Monats nach Aushang (Posteingang) an das für die Vorgeschlagene oder den Vorgeschlagenen zuständige Bezirksamt zu richten. Wichtig ist, auf dem Umschlag das Stichwort „Berufungsvorschlag Seniorenvertretung – VERSCHLOSSEN“ zu vermerken. Die Berufungsvorschläge können nur berücksichtigt werden, wenn sie formgerecht und innerhalb der Frist eingereicht wurden. Das Bezirksamt sammelt die innerhalb der Frist eingegangenen Vorschläge und übergibt sie der Wahlkommission.“
Quelle: https://www.berlin.de/sen/soziales/besondere-lebenssituationen/seniorinnen-und-senioren/seniorenmitwirkung/wahlverfahren/
Die Seniorenvertretung Mitte hat ein Büro im Rathaus Tiergarten (nahe U Turmstraße), und dort im Balkonsaal findet auch regelmäßig einmal im Monat ein Plenum statt, manche der Sitzungen ist auch öffentlich.
Wer diese Aufgabe gern übernehmen möchte, kann diesen einmonatigen Zeitraum bis zum Bewerbungsbeginn 4. September, gut und ausgiebig nutzen, um sich persönlich genauer zu informieren und sich schlau zu machen über Interessen, Aufgaben und Wahlverfahren.
Gestalten Sie ihre eigene Zukunft und die ihrer älteren Mitmenschen und das gute Leben im Alter und beim Altern all derjenigen, die nach uns dazukommen werden, mit!
Haben Sie besondere Expertise? Haben Sie Ideen für eine bessere Zukunft?
Machen auch Sie mit!_____________________________
Hinweise und Links
FAQ Seniorenvertreterwahl
Video
Gremien der Seniorenvertretungen
Der Gesetzestext BSenG
AG Öffentlichkeitsarbeit der SV Mitte


Sehr geehrter Herr Holzmann
Sie sprechen Erfahrungen an, die Anfangsschwierigkeiten der SVs, aber leider auch die anhaltenden strukturellen Barrieren der Wahlmodalitäten wie diese bis heute bestehen.
Etwas stiefmütterlich wird die Wahl der Seniorenvertretungen (SV) in allen 12 Bezirken außer !!-halb der AGH- und BVV-Wahl praktiziert, obwohl diese 5-Jahres-Legislaturen gekoppelt sind.
Allgemein wird von Seiten der Seniorenvertretungen und der weiteren Gremien wie LSV und LSBB angefragt, die Seniorenwahl mit den anderen Berlinwahlen, die eine Verbundwahl sind, stattfinden sollte, da dies die Wahlbeteiligung für die SVs stark steigern müsste.
Zu dem besonderen Wahlverfahren für die Seniorenvertretungen schreibe ich im Herbst 2026 nochmals.
Vor der Fusion der drei Bezirke zum Großbezirk Mitte war ich unter anderem beruflich für eine der damaligen Seniorenvertretungen zuständig. Bewirkt wurde mangels Inaktivität und fehlender Sachkenntnis nichts. Bühne für den Vorsitzenden, um sich wichtig zu tun. Noch zur Wahl, die ich seinerzeit zu organisieren hatte. Wahlbeteiligung = Null. Im Ergebnis wählte man sich wechselseitig selbst, eine Farce, alles auf Kosten der Steuerzahler. Die Autorin, gut in Theorie, sollte sich mal um die Umsetzung der Tätigkeit der Seniorenvertretungen in Praxi bemühen. Kann ja sein, es hat sich zwischenzeitlich einiges verändert, was ich mir schwerlich vorstellen kann.