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Angebot für alte Menschen ab 70:
Wenn die Lotsinnen einen Hausbesuch machen

25. März 2026
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Kleine Brücken im Alter zur Orientierung im Alltag, für die großen Fragen und Lösungen und auch in Krisenlagen: Die Hausbesuche der Malteser erfüllen eine besonders hilfreiche Aufgabe, denn sie geben für die Älteren nach eigenen und individuellen Wünschen eine Orientierung zur Selbsthilfe.

Dazu sind seit kurzem zwei tatkräftige Frauen im Wedding unterwegs und geben praktische Auskünfte zur Weiterorientierung in Wohnortnähe. Das Projekt Berliner Hausbesuche (BHB) ist ein Gemeinschaftsprojekt der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, der Bezirksämter und des Malteser Hilfsdienstes.

Elisabeth Trouwborst (l.) und Julia Siegmund vom BHB des Malteser Hilfsdienst (März 2026) Foto: Julia Siegmund

Die Bezirksstadträte Keller und Spallek verkündeten in einer Pressemeldung Anfang Juli 2024 den Start der Berliner Hausbesuche in Berlin-Mitte. Wie ging es dann für Sie als Mitarbeiterinnen los?

Zu uns: Elisabeth Trouwborst ist seit Mai 2025 aktiv und Julia Siegmund seit Juni 2025. Wir haben zunächst damit begonnen, uns bekannt zu machen, sind also vor allem in diejenigen Organisationen und zu denjenigen Netzwerkknoten wie die Runden Tische Senioren und die Stadtteilkoordinationen gegangen, mit denen wir kooperieren und die ähnlich gelagerte Aufgaben anbieten. Wir können nun auf 280 Partnerorganisationen zurückgreifen!

Nach gut einem Jahr Tätigkeit können wir sagen: wir sind bekannt!

Welche Voraussetzungen haben Sie für diese Tätigkeiten mitgebracht?

In jedem Bezirk gibt es zwei LotsInnen. Hier in Mitte sind es Elisabeth und Julia. Elisabeth war als Physiotherapeutin tätig und hat Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen studiert. Julia war Verhandlerin für Pflege und Verträge bei der Pflegekasse und hat Gesundheits- und Sozialmanagement studiert.

Woher kommt diese Projektidee?

Die Konzeption wurde im Jahr 2020 entwickelt und von April 2021 bis Juli 2022 erfolgte die Modellphase. Sie orientiert sich an internationalen Ansätzen präventiver Hausbesuche (wie z.B. In Dänemark). Zu Hamburg: dort ist es nicht direkt „Pflicht“, aber man bekommt automatisch zum 80. Geburtstag eine Einladung zum Gespräch mit Termin. Der Berliner Senat legt seinen Fokus in der Konzeption  bewusst auf Freiwilligkeit, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe im Alter.

Die Zielgruppe beginnt bei einem Lebensalter ab 70 Jahren. Diese werden z. B. brieflich angeschrieben, um den Hausbesuch anzubieten.

Nach dem Erstkontakt kann ein Hausbesuch oder ein Treffen an einem neutralen Ort erfolgen. Wir ermitteln die persönlich benannten Bedarfe und recherchieren, was für die Person am günstigsten und interessantesten ist.

Wichtige Themen sind die Freizeitangebote im Kiez, Fragen zum Wohnen, digitale Nutzungen, Alltagsunterstützungen und Gessundheit und Pflege. Ein solcher Kontakt erfolgt in der Regel nur einmal und soll die wesentlichen Hinweise und barrierefreie kieznahe Angebote nutzbar und aufsuchbar machen.

Die Top-7-Themen bisher in 2026 bei uns waren Pflege mit fast 58% und Gesundheit mit 56% der Besprechungen vor Ort; die Themen Freizeit, Haushaltshilfen und Mobilität werden zwischen 43% bis 33% angefragt. Weitere Gesprächsinhalte sind Einsamkeit (28%) und die wirtschaftliche Situation (26%).

Diese Fragen sind oft eingebettet in akute Krisen, dringende Unterstützungsbedarfe und reichen bis hin zu neuen Orientierungen durch unsere Informationen.

Bei Sprachbarrieren oder Hör- bzw. Sehschwierigkeiten können wir zur Unterstützung weitervermitteln an helfende Dienste.

Wir als Lotsinnen dokumentieren zudem, und sofern wir keine unterzeichnete Datenschutzerklärung von den Besuchten erhalten, stellen anonymisierte Daten in unsere Tabellen ein.

Wie kommen Sie an die über 70-Jährigen?

Wir haben einmal die briefliche Gratulation des Bezirksamtes, die an alle 70-Jährigen versendet wird; dort weist man auf uns hin. Weiterhin finden wir Interessierte über die Öffentlichkeitsarbeit und über die Netzwerke, mit denen wir uns – wie eingangs dargestellt – zu Beginn unserer Tätigkeit vertraut machten, denn wir können uns über die Menschen mit Informationsbedarf gegenseitig in Kenntnis setzen und unterstützend handeln.

Wir dürfen die Älteren nicht „durch Kaltaquise“ ansprechen, d h. wir sind auf aktive Rückfragen angewiesen und vereinbaren dann Wunschtermine.

So werden wir bald an einigen BSR-Kieztagen teilnehmen, um dort mit Interessierten ins Gespräch zu kommen.

Wie groß ist der Personenkreis im Wedding, den Sie ansprechen möchtetn

Im Prognoseraum Wedding Parkviertel und Wedding Zentrum liegt die Anzahl an Personen über 65 Jahre bei 13.855.

Diese kleine Tabelle gibt noch detaillierter Aufschluss über „die Kieze“, die in der amtlichen Statistik Prognoseräume genannt werden.

Quelle: BA Mitte von Berlin, QPK 3;Amt für Statistik Berlin-Brandenburg – Stand: 31.12.2024

Wie und mit wem sind Sie vernetzt?

Wir geben viele der Anfragen an Organisationen und Vereine weiter. Ob die Caritas, der HVD für die Mobilitätshilfe in Mitte oder Lebendige Nachbarschaft (LeNa) und noch viele weitere, es gibt für viele Wünsche ein Angebot, und dies ist möglich aufgrund der erfolgreichen Entwicklung der Seniorenarbeit in Berlin-Mitte.

Oft sind es (noch) die kleinen Unterstützungen, die benötigt werden. Wie kommt man zum Alltagshelfer?

Es gibt das hilfreiche Kompetenzzentrum Pflegeunterstützung (KPU). Dort werden auch freie Helfer gemeldet. Man kann auf dieser Webseite auch Hilfen anbieten und auch Ehrenämter begründen. –

Auch die Pflegestützpunkte (PSP) und die Beratungsstelle für Menschen mit Behinderungen, Krebs- und chronischen Erkrankungen sind uns wichtig, da diese viele der Beratungen übernehmen und auch die Alltagshelfenden organisieren. 

Wie umfangreich ist Ihre Tätigkeit?

Wir haben berlinweit 4700 Hausbesuche und Informationsangebote dieser Art im Jahr 2025 gegeben.

Wie können Sie den Informationsbedarfen bei persönlichem Kontakt nachhelfen?

Ja, das ist mittleweile eher einfach, da wir schon recht viel Fingerspitzengefühl für so manche Lebenslage haben. Beispielsweise trafen wir auf eine alte Dame, die in ihrem Wohnzimmer recht viel Radzubehör und aufgebockte Räder in Reparatur hatte. Nun hat sie ihr Angebot ins Olof-Palme-Stadtteilzentrum verlegt und schraubt mit Begeisterung zusammen mit Interessierten, die bei ihr vorbeischauen.


Elisabeth Trouwborst (re.) und Julia Siegmund vom BHB des Malteser Hilfsdienst in Berlin-Mitte (März 2026) – Foto Renate Straetling

Was benötigt die Ausführung dieser Angebote? Wo ist Ihr Standbein?

Viele der Angebote leiten wir an die aktiven Projekte wie FAMEV oder Unionshilfswerk und die schon genannten weiter. Aber viele Aufgaben werden von Ehrenamtlichen getragen, und dazu sollte es noch mehr Engagement geben.

Schließlich bewegen wir uns bei Hausbesuchen oft in der Bandbreite von indifferenten Informationsbedarfen bis akute Krisen, in denen sich Besuchte befinden können.

So ist Ihre Tätigkeit ein großer Schritt für bessere Informiertheit und einen größeren Lebensradius im städtischen Angebot.

Ja, wir freuen uns, wenn wir jedem besuchten Menschen über 70 Jahre mehr Lebensqualität bringen und wiederbringen können.

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Links

Malteser Hilfsdienst – Berliner Hausbesuche

Telefon 030 348 003 – 244 Mail: [email protected]

Malteser Hausbesuche (in allen Berliner Bezirken)

Pflegeunterstützung

Für Ehrenamtsinteressierte

Angebote zur Unterstüzung im Alltag (AUA)

Silbernetz e. V.

Das Infotelefon für Alltagsprobleme ist montags bis freitags von 9–16 Uhr und samstags von 9–13 Uhr unter 030 / 544 533 0 533 erreichbar.

Renate Straetling

Renate Straetling

Jg 1955, aufgewachsen in Hessen; ab 1973 Studium an der FU Berlin, Sozialforschung, Projekte und Publikationen.
Selfpublisherin seit 2011 bei epubli.com, u.a. Kinder_SciFi
www.renatestraetling.wordpress.com
Im Wedding seit 2007.
Mein Wedding-Motto:
Unser Wedding: ein großes lebendiges Wimmelbild ernsthafter Menschen!

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