Von Kiez zu Kiez, de quartier à quartier

Partnerstädte des WeddingAntoine ist jung, studiert, arbeitslos. Anton ist jung, studiert, hat einen Job. Was ist anders? Das Land. 24% Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich, 7% in Deutschland. Was passiert, wenn Antoine und Anton sich treffen? „Von Kiez zu Kiez” vergleicht Themen in zwei EU-Städten, um eine EU-Öffentlichkeit auf Nachbarschaftsebene zu schaffen. Insgesamt werden sechs Themen gegenübergestellt. Das Projekt nutzt bestehende Städtepartnerschaften und dauert 18 Monate. So wird die Jugendarbeitslosigkeit im Wedding mit der im französischen Tourcoing verglichen. Tourcoing liegt in der Region mit der höchsten Quote der Jugendarbeitslosigkeit Frankreichs. Dagegen beträgt sie in der Partnerstadt Berlin-Wedding nur 10%. Damit das Projekt eine Förderung erhalten kann, sollten so viele Stimmen wie möglich auf der Website der Robert-Bosch-Stiftung abgegeben werden.

Ein Interview mit dem Projektleiter Adrian Garcia-Landau für „Treffpunkt Europa“

Wie kam es zu der Idee für das Projekt?

Ich mache seit Oktober 2013 eine monatliche Radio-Sendung im EU-Parlament, Europhonica, gemeinsam mit Radio Campus aus Frankreich. Bei den ersten Sendungen habe ich ein Thema in Frankreich und Deutschland angeguckt anhand von sehr lokalen Beispielen, z.B. direkte Demokratie: Welche Instrumente gibt es in beiden Ländern? Parlamentarismus: Wieviel Einfluss hat das europäische Parlament im Vergleich zum Bundestag und der Assemblée Nationale? Mit dieser klaren Fragestellung erfuhr man sehr viel über beide Länder und lernte von den verschiedenen Modellen.

Warum sind die sechs Themenfelder Jugendarbeitslosigkeit, Unionsbürgerschaft, Asylpolitik, Ausbildung & Mobilität, Minderheiten und digitale Wirtschaft/Datenschutz besonders relevant für das Projekt?
Ursprünglich wollten wir 12 Themen behandeln, pro Bezirk Berlins ein Thema, das hätte aber drei Jahre gedauert. Also haben wir uns für sechs entschlossen. Die Projektentwickler haben die Themen ausgesucht, die ihnen am meisten am Herzen lagen. Alle Themen sind aber in meinen Augen relevant: bei Jugendarbeitslosigkeit entsteht in gewissen Ländern Europas eine verlorene Generation, in anderen läuft alles wie geschmiert. Die digitale Wirtschaft und die Konsequenz für Datenschutz sehen die Einen als unausweichliche und bedrohliche Entwicklung, die Anderen als Chance und entwickeln wasserdichte Schutzmechanismen, ohne die wirtschaftliche Entwicklung zu bremsen. Studenten profitieren mühelos von Europa dank Erasmus, aber gilt das auch für Azubis? Vielleicht können die Einen von der Situation der Anderen lernen, um sie zu verbessern.

Mit den Radiosendungen und Fokusgruppen wollt ihr eine „neue europäische Öffentlichkeit“ ansprechen, wie der Projektbeschreibung zu entnehmen ist. Was ist darunter zu verstehen und was zeichnet diese „neue“ Öffentlichkeit aus?
Neu daran ist die Ebene. Wir wollen eine europäische Öffentlichkeit schaffen, aber auf Nachbarschaftsebene entstehen soll. Die EU ist ein Top-Down-Projekt. Es ist ein Projekt von Eliten, was an und für sich ok ist, solange die Elite eine sinnvolles Ziel hat. Nur wird dadurch die demokratische Legitimation vieler EU-Institutionen oft in Frage gestellt, bis auf die vom Parlament. Bürger können den Eindruck bekommen, dass sie nicht gefragt werden, wohin die Reise geht.
Laut Eurobarometer, die Umfrage zur EU die zweimal jährlich durchgeführt wird, versteht eine Mehrheit der EU-Bürger die Union nicht wirklich, fühlt sich schlecht informiert, nicht mitgenommen. Die EU wirkt fern, dabei bestimmt sie maßgeblich unseren Alltag, besonders auf lokaler Ebene, aber hinter den Kulissen.
„Von Kiez zu Kiez“ zeigt eine Alternative zum Desinteresse und soll Bürgern das Rüstzeug geben, sich für sich zu engagieren und ihnen zeigen, wie sie das auf lokaler, nationaler und EU-Ebene machen können. In einem Wort, sie sollen sich Fragen: Was kann ich tun, damit die Politik was für mich macht.

Wie wird das Projekt finanziert?
Bis jetzt noch gar nicht. Es soll aber durch den Fonds „Europa für Bürger* Innen“ finanziert werden. Wir haben den Antrag Anfang März eingereicht, die Antwort erwarten wir Ende Juni.
Die Robert Bosch Stiftung hat uns vorgeschlagen, für das Thema Jugendarbeitslosigkeit um eine Zusatzfinanzierung anzususchen. Mit dem Extra-Geld können wir das Thema nicht nur in Deutschland und Frankreich behandeln, sondern auch in Belgien und Österreich, mit den Radios Panik aus Brüssel und Orange aus Wien. Somit gibt es eine kulturelle Dimension, die über die Strukturen einzelner Länder hinausgeht.
Um den Zuschlag zu kriegen, brauchen wir Unterstützung, da die Bosch-Stiftung die Projekte zur Online-Wahl gestellt hat. Wenn Euch das Projekt gefällt, dann wählt dafür hier: http://www.auf-gehts-mitmachen.eu/abstimmung.html

Wie können Interessierte mitmachen?
Wir freuen uns wenn Medien jeglicher Art mitmachen. Bisher machen 11 Medien mit: Café Babel, Radio Campus Frankreich, Radio Panik (Brüssel), Radio Orange (Wien), Radio Talos und Civil Radio (beide Budapest), Radio FM100 und TV100 (Thessaloniki), KLFM (Split, HR), Radio & TV RTVA (Amstelveen, NL), Tudeng.tv (Tallinn, EE).
Medienpartner kriegen vollen Zugang zu allen Inhalten und Kontakten, die im Laufe des Projektes entstehen.

Links: Mehr zu dem Projekt findet Ihr auf der Webseite: https://vonkiezzukiez.wordpress.com oder auf Facebook: https://www.facebook.com/Von-Kiez-zu-Kiez-988353831249149/

Projektleitung Adrian Garcia-Landa, [email protected], +49 152 1470 7085 Leslie Fornero, [email protected]
Kiez.FM e.V. – Medienprojekte für den Kiez: http://www.kiez.fm/


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