Gründe für die Stattbad-Schließung

Stattbad FassadeAufgrund einer Mängelanzeige und Veranstaltungsankündigungen im Internet fiel dem Bezirksamt Mitte auf, dass das Stattbad Wedding entgegen der 2012 erteilten Baugenehmigung genutzt wird. Daher wurden die Nutzer aufgefordert, den Zutritt zum Gebäude zu verhindern. Doch wer ist nun eigentlich schuld an der Schließung des Stattbades? Eine unkreative Verwaltung – oder gar Menschen, die dem Stattbad etwas Böses wollen?

Der Eigentümer Arne Piepgras machte sich mit dem Einfädeln des Kaufes des Dragonerareals in Kreuzberg und dem späteren Rückzug auch woanders keine Freunde. Wie so oft in Berlin hat der Eigentümer das Gebäude sicher mit einer guten Absicht gekauft. Schnell dürfte er gemerkt haben, dass das Bauwerk Kosten erzeugt. Erst recht, als die Gespräche mit den Behörden begannen, als Auflagen für Fluchtwege und Brandschutz erteilt wurden. Denn es waren ja eben die Kosten, die den Bezirk und das Land veranlassten, das Haus zu verkaufen. Das Rotaprint-Gelände und die Uferhallen sind ebenfalls Beispiele, wo sich bald herausstellte, dass die eigene Finanzdecke nicht immer ausreicht. Auf der Suche nach Unterstützung wendet man sich dann schnell an den Bezirk, das Land oder den Bund.

Und Fördermöglichkeiten gibt es viele. Sie heißen wirtschaftsdienliche Maßnahmen, Quartiersmanagement, Programm der Aktiven Zentren und Arbeitsmarktförderung. Das Stattbad nutzte gleich mehrere. Die interessanteste Finanzierungsidee war vielleicht der Plan, die vom ehemaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit gewünschte Kunsthalle in der ehemaligen Schwimmhalle unterzubringen.

Events oder Sicherheit

Stattbad Klassik (C) Juliane OrsenneDie einfachste Möglichkeit, Geld in die Kasse zu bekommen, waren und sind Events und Partys. Ist hier nun die Verwaltung die Spaßbremse? Wir leben in der Hauptstadt im Geiste immer noch in der Zeit des „Wilden Ostens“, einer Zeit, in der man tun und lassen konnte, was man wollte. In der Kreativwirtschaft wünscht man sich das „bewusste Wegsehen“. Das wird in Berlin durchaus weiter praktiziert. Denn die Hauptstadt steht für Kreativität. Vorausgesetzt, man stört niemanden und ignoriert die Regeln nicht grundsätzlich. Darauf spielte das Bezirksamt mit dem Verweis auf das Internet auch an. Denn es handelte sich nicht um gelegentliche im Stattbad durchgeführte Partys, sondern um einen berlinweit beworbenen regelmäßigen Veranstaltungsbetrieb.

Stattbad PartyWer die beiden Bars und Tanzflächen im Keller, die verwinkelten Gänge, die schmalen Türen in den Hof und in den Foyers kennt,  kann sich durchaus Sorgen über den Brandschutz machen. Wie hätten die Öffentlichkeit und die Presse reagiert, wenn tatsächlich einmal etwas passiert und Panik ausgebrochen wäre? Dem Baustadtrat und der Verwaltung blieb also nichts anderes übrig, als den Veranstaltungsort bis auf Weiteres zu schließen.

Das Stattbad spricht indessen davon, attackiert worden zu sein. Die Wortwahl ist heftig. Vielleicht haben sich einfach nur ein ehemaliger Mitarbeiter oder ein Gast, der sich mit Veranstaltungsorganisation auskennt, Sorgen gemacht. Könnte es sein, dass jemand, der nicht einfach wegsah und Verantwortung übernehmen wollte, die Behörden informiert hat? Erstaunlich ist am Ende nicht, dass das Haus geschlossen worden ist, erstaunlich ist es, dass es jetzt erst passierte.

Oder sind wir am Ende nicht alle schuld? Wir wünschen uns überall maximale Sicherheit. Wir möchten nicht, dass unsere Kleider nach dem Besuch einer Bar nach Qualm stinken. Eine nächtliche Geräuschkulisse aus Kneipen und Clubs auf der Straße wird von vielen als störend empfunden. Eine Gesellschaft, die die Gesundheit als ein hohes Gut ansieht, darf sich über entsprechende Verordnungen nicht wundern.

11 comments

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  5. friedrich

    äh, ist es nicht einfach die schuld des veranstalters, der die brandschutzordnung nicht befolgt hat und damit für spaß und profit bewusst menschenleben gefährdet hat? die brandschutzregeln für veranstaltungen haben einen grund, eine wissenschaftliche grundlage und scheinen angesichts der wenigen dramatischen vorfälle recht wirksam.
    der veranstalter verdient geld damit, die leute in ihrer reaktions-, orientierungs- und urteilsfähigkeit einzuschränken – der verkauf von alkohol ist ein wichtiger finanzieller faktor in der kalkulation eines abends (man geht allgmn vom finanziellen gegenwert von 2-3 bier pro gast aus). vielleicht solltenwa alle mal ganz froh sein, dass da mit die janzen druffies noch nüscht passiert is?
    ich habe schon nen paar unverantwortliche parties (unkommerziell!) gemacht und werde es nie wieder tun. nix passiert, aber die verantwortung für verletzte oder tote aus fahrlässigkeit oder gier leg ich mir nicht auf lebenszeit auf die schultern.
    hoffentlich werden daraus konsequenzen gezogen und der/ die veranstalter riskiert nie wieder die gesundheit seiner gäste.
    friede, freude, partyeierkuchen – allet nur in eurer seifenblase, sagen emma, graf k., peter pepp und das weiße pony…

  6. H

    „Oder sind wir am Ende nicht alle schuld? Wir wünschen uns überall maximale Sicherheit. Wir möchten nicht, dass unsere Kleider nach dem Besuch einer Bar nach Qualm stinken. Eine nächtliche Geräuschkulisse aus Kneipen und Clubs auf der Straße wird von vielen als störend empfunden. Eine Gesellschaft, die die Gesundheit als ein hohes Gut ansieht, darf sich über entsprechende Verordnungen nicht wundern.“

    Sobald irgendwo mal was passiert, werden sofort der reflexartig-empörten Bevölkerung schnelle Regelungen präsentiert. Die empörte Bevölkerung ist dann meistens ruhig und merkt nicht wie sie sich die Zwangsjacke selbst enger schnürrt. Es wird dann höchsten über das Bürokratie-Monster BRD gemeckert.

    Freiheit stell ich mir anders vor, und muss mir selbst an die Nase greifen…
    Freiheit bedeutet Risiko.

    • friedrich

      sicherheitsregeln als standard, um gefahren kalkulierbar zu machen. die gibts schon lange und wurden nich
      speziell für den weddinger hipsterschuppen aussm hut gezaubert. da gabs auch schon ne weile keine wilden
      verschärfungen. aber rauchmelder, ausreichend große notausgänge und ne flammgehemmte deko sind schon
      nen problem, ne?
      risiko gibbs immer, aber in nem überfüllten raum mit besoffenen und druffies über zwangsjacken und bürokratie-
      „monster“(huibuh! angst! gruselig! huhu) bei der brandschutzordnung zu fantasieren hat schon ne weltfremde komponente.

      P.S. jaja, die eudssr macht uns alle fertig und verchippt uns zu eidechsenmenschen…mit CHEMTRAILS!

  7. Moritz Berger

    Nachsatz:

    Man könnte auch auf den Gedanken kommen, dass die “ Brandschutz-Lobby “ ein Interesse am Stattbad hat,

  8. Moritz Berger

    Brandschutz ist zunehmend eine schwierige Angelegenheit, wie ich es aus HH kenne.

    Und war nicht Brandschutz und ist immer noch ein Thema beim Flughafen??

    Aber vielleicht hat die “ Konkurrenz “ anderer Veranstaltungsorte auf diesen Mißstand hingewiesen

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: