Tauschring Wedding: Für sechs Leos Jonglieren lernen

Christina (li.) und Heike haben einen Tauschring für den Wedding ins Leben gerufen. Foto: Hensel
Christina (li.) und Heike haben einen Tauschring für den Wedding ins Leben gerufen. Foto: Hensel

Den Großeinkauf oder den neuen Schrank können sich Weddinger für sechs Leos in der Stunde von Christina nach Hause fahren lassen. Für die gleiche Anzahl Leos kann man bei ihr auch Jonglieren lernen, von Lukas den Rechner fit machen lassen, bei Tobias singen lernen oder von Lara die Kinder betreuen lassen. Der Leo, das ist die Währung des Tauschrings Wedding. Die Tauschplattform ist eine lokale Zeitbörse für den Stadtteil. Christina Stehr und Heike Hübinger organisieren das neue nachbarschaftliche Netzwerk.

Im Frühling vor einem Jahr ist Heike Hübinger ein Buch über einen Tauschring in die Hände gefallen. Sie hat es gelesen und gedacht: „Das ist eine coole Idee. Das mache ich auch!“ Sie war begeistert von dem Gedanken, in der Nachbarschaft Fähigkeiten auszutauschen und von den Talenten der Nachbarn zu profitieren – ohne dass Geld fließt. Sie schaute bei einigen der 15 Tauschringe in Berlin vorbei, suchte bei den Weddingwandlern, einem Nachhaltigkeitsnetzwerk, nach Mitstreitern und traf Christina Stehr. Beide wohnen in der Nähe des Leopoldplatzes und wurden sich schnell einig: im Wedding soll eine eigener Tauschring entstehen.

Wintertauschparty im Baumhaus. Foto: Tauschring
Wintertauschparty im Baumhaus. Foto: Tauschring

Nach ersten Findungsrunden in Christina oder Heikes Küche gab es Ende letzten Jahres ein erstes öffentliches Treffen. Im Februar fand schließlich die Wintertauschparty im Baumhaus Wedding statt. Dabei ging es darum, die Idee bekannt zu machen. 30 Weddinger kamen, erfuhren von der kostenlosen Tauschplattform Cyclos, die über die Website des Tauschrings erreichbar ist und vom Marktplatz, auf dem jeder seine Angebote machen kann: Fahrrad reparieren, Katzen-Urlaubsbetreuung, Unitexte vorlesen, Doppelkopf lehren und vieles mehr. „Es war eine schöne Stimmung und wir haben viel positive Rückmeldung bekommen“, schwärmt Christina von der Party.

Die beiden Initiatorinnen hoffen nun, dass sich ein lebendiges Netzwerk entwickelt. „Wir wünschen uns ein aktives Netzwerk, das viele Leute anzieht und in dem gern und viel getauscht wird. Tauschen hat einen großen Mehrwert, man braucht nicht immer Geld“, erklärt Christina. Die Studentin tauscht schon lange, ist unter anderem Mitglied in einem Brotback-Kollektiv, Landschaftsgärtnerin Heike unterstützt neben dem Tauschring auch den Leihladen Leila im Prenzlauer Berg. Beide nutzen auch den Dingeschrank im Tassenkuchen in der Malplaquetstraße, über den Gegenstände ver- und ausgeliehen werden können.

Es darf getauscht werden! Hier noch auf der Pinnwand, inzwischen auch online. Foto: Tauschring
Es darf getauscht werden! Hier noch auf der Pinnwand, inzwischen auch online. Foto: Tauschring

Inzwischen ist bei ihrem eigenen Projekt ein Anfang gemacht. Es sind 16 Mitglieder beim Tauschring Wedding angemeldet, es gibt 20 Anzeigen auf dem Marktplatz. Jedes Mitglied kann Fähigkeiten oder Dienstleistungen anbieten oder in Anspruch nehmen. Die Verrechnung erfolgt über die Internetplattform, in Leos. „Uns geht es ums Tauschen, aber auch ums Kennen lernen“, erklärt Heike. Ungeliebte Tätigkeiten abgeben, voneinander lernen, Menschen aus der Umgebung kennen lernen – das sind Vorteile für die Mitglieder.

„Zwei Mal im Jahr wollen wir eine größere Veranstaltung machen wie die Wintertauschparty“, sagt Heike. Ein Mal im Monat findet ein Kennenlern- und Netzwerktreffen statt, bei dem Interessierte auch Mitglied werden können. Das nächste ist am 19. März um 19.30 Uhr im Café Cralle, Hochstädter Straße 10a.

 www.tauschring-wedding.de

Text: Dominique Hensel

One comment

  1. Pingback: Wir und der Weddingweiser | Tauschring Wedding

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: