GESCHLOSSEN: „Arirang“: Kulinarischer Kopfsprung nach Nordkorea

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Im Wedding gibt es mehrere koreanische Restaurants. Das „Arirang“ ist von allen das unauffälligste. Ein Hinweis darauf, dass das, was hinter abgeklebten Scheiben zubereitet wird, besonders nah an koreanischen Ernährungsgewohnheiten ist? Unser Autor wagt den Versuch…

Freitag nacht, 23.30 Uhr. Ich schlendere die Seestraße entlang, auf dem Rückweg von einem Freund. Hier, zwischen Alhambra-Kino und Autobahn, ist es ruhig um diese Zeit. Aus einem Laden kommt ein Mann mit einem Putzeimer in der Hand und einer Kippe im Mund. Closing Time. „Asiatisch“, denke ich, als ich im Schummerlicht der Straßenlampe sein Gesicht sehe. Mein Blick geht nach oben, zum Schild über dem Geschäft mit den abgeklebten Scheiben. Unverständliche Schriftzeichen, daneben steht Arirang. „Chinesisch ist es nicht, japanisch, glaube ich auch nicht“, mutmaße ich. Jetzt entdecke ich die Kindl-Lampen, die Speisekarte neben der Tür. Bestimmt ein Lieferservice. Auf dem Bürgersteig stehen ein paar Plastikstühle an wackligen Tischen mit grell-bunten Wachstischdecke und den Aschenbechern sehen sie aus, als seien sie der Aufenthaltsbereich für die Fahrer.  In Wirklichkeit sind sie die Außenbestuhlung eines nordkoreanischen Restaurants. Der leicht bizarre, ungeschönte Auftritt setzt sich auf dem Menü fort. Frittiertes Hühnerfleisch mit Ketchup, Schweinebauch, marinierter Tintenfisch, Strandschnecke mit Rindermagen. Keine leichte Kost für mitteleuropäische Gaumen. Echt. Echt!

Das sind „nur“ die Vorspeisen…

Arirang-Koreanisch-1Am Samstag bin ich zur Mittagszeit wieder da. Zwei Männer sitzen rauchend an den Wackeltischen wie neutrale Beobachter einer Welt, mit der sie nur wenig zu tun haben. Meine Hand-zum-Mund-Geste, gepaart mit dem fragenden Blick, bewirkt ein sich verstärkendes Nicken. Denn geht einer der beiden nach drinnen und erscheint mit einer gelben Speisekarte wieder. Dass die Gerichte in drei Sprachen – koreanisch inklusive Vertonung im lateinischen Alphabet, chinesisch und deutsch – benannt und leidlich erklärt sind, öffnet die Tür zu dieser unbekannten kulinarischen Welt höchstens einen Spalt breit. Auch die paar Fotos auf der Rückseite sind keine große Hilfe. Entlang der Preisskala, die bei den Menüs schnell die 20-Euro-Marke reißt, hangele ich mich entlang wenig riskanter Kombinationen: Nudeln, Suppe, wenig scharf… Ich pendele mich ein bei Teigtaschen gefüllt, das Dutzend für 6 Euro, und Nudeleintopf. Dazu ein Weizentee als dezent mutiger Getränkeausflug auf kulinarisches Neuland. Draufzeig-Bestellung. Eigentlich zwei Vorspeisen.

Die Bandbreite neuer Geschmackserlebnisse

Zehn Minuten später kommt in schneller Folge ein Teller mit koreanischen Ravioli – im Kreis gruppiert um ein Schälchen Sojasoße, eine Schale Reis, ein mächtiger Suppenpott voll mit Einlage und dazu ein großer Salatteller mit Gurken, Sojasprossen, frittierten Kartoffeln und Kohl. „Aber den Salat und den Reis habe ich doch gar nicht bestellt!“, bedeute ich dem Kellner. Er lächelt schief und sagt knapp: „Dazu!“ Ich sitze vor einem Berg voller Essen. Ein Schluck Tee, dann Kopfsprung in neue Geschmackswelten. Meine Freischwimmerlehren: Gurke schmeckt mit Chili nicht mehr nach Nix und mildert gleichzeitig Schärfe. Sojasprossen roh muss man nicht mögen und sauer eingelegten Weißkohl nicht zum Alltagssnack erwählen. Genau dafür bieten sich aber die Teigtaschen an – ob mit oder ohne Sojasoße. Der prall gefüllte Suppentopf mit faserigem Rindfleisch und Glasnudeln passt zum Winter wie Wollsocken und Kaminfeuer. Die ideale Anti-Winterdepressions-Ernährung. Bleibt auszuprobieren, wie die Welt koreanischer Hausmannskost hinter der undurchsichtigen Schaufensterscheibe schmeckt.

Autor: Marcus Bauer

Seestr. 106 (nahe Togostr.),

Tel. 45021248, täglich 12 – 23 Uhr

12 comments

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  3. Erik

    Oh nein keine Geheimtipps verraten…
    Das ist ein koreanisches bbq Restaurant, deswegen unbedingt die großen Grillplatten für über 20 mit freunden bestellen. Auch geil und eher leicht ist das koreanische Bistro im Sprengelkiez. Kimchi essen 🙂

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