„UNIKAT“: Handgefertigte Einzelstücke und neues Leben für alte Taschen

C.Hildebrandt (links) und K.Fuchs-Fischer (Foto: Unikat)
C.Hildebrandt (links) und K.Fuchs-Fischer (Foto: Unikat)

Zu Constance S. Hildebrandt und Katrin Fuchs-Fischer kann man kommen, wenn man eine Idee für die ideale Tasche im Kopf hat. Diese beiden Frauen verstehen ihr selten gewordenes Handwerk, denn sie haben es noch zu DDR-Zeiten beim Betrieb „Berliner Lederwaren“ gelernt. „Wir entwerfen die dafür erforderlichen 40 bis 50 Einzelteile und konstruieren das Einzelstück bis zur letzten Naht“, erklärt Katrin Fuchs-Fischer. Sie hat Täschnerin gelernt und später ein Ingenieurstudium absolviert. Auch Constance S. Hildebrandt ist Diplom-Ingenieurin für Lederverarbeitung – sie ist in der Lage, mit Materialien wie Krokodil-, Schlangenleder, Straußenbeinen, Hühnerfüßen oder Aalhäuten umzugehen. Die alles entscheidende Schnittkonstruktion ist das A und O, und nur so lässt sich auch die ausgefallenste Tasche realisieren: „Wir haben für einen Medizinstudenten schon einmal eine Tasche in Form einer Leber mit abnehmbarer Gallenblase hergestellt“, erinnert sich Constance S. Hildebrandt, die sich über kompliziert wirkende Aufträge sichtlich freut: „Da kommt der Ehrgeiz heraus“, sagt sie. „Andere Taschenmanufakturen schicken ihre Kunden zu uns, weil nur wir nahezu alles umsetzen können.“

Fachwissen trifft Maschinen

Die Hebeschere
Die Hebeschere

Dafür besitzen die beiden Taschenexpertinnen nicht nur das Know-How, sondern auch die erforderlichen Maschinen. Im Kellerraum ihrer Werkstatt haben sie eine beeindruckende Sammlung zusammengetragen: eine Handhebeschere, eine Schärf- und natürlich auch eine Nähmaschine. Nicht nur für kreative Privatkunden, die eine möglichst individuelle Tasche in Auftrag geben, ist die UNIKAT-Manufaktur eine ideale Anlaufstelle, sondern auch für Modeschöpfer wie Michael Michalsky, für den die beiden Diplom-Ingenieurinnen Prototypen gefertigt haben: „“Wir bringen es für den Kunden auf den Punkt, dass es nachher genauso aussieht wie bei den großen Firmen – da können wir mithalten“, sagt Constance Hildebrandt nicht ohne Stolz.

Taschen, die einem ans Herz gewachsen sind

Die "Dali-Tasche mit Künstler-Signatur
Die „Dali-Tasche mit Künstler-Signatur

Der Laden befand sich zunächst in der Auguststraße in Berlin-Mitte, aber der Standort hat sich als ungeeignet erwiesen, als die beiden Lederexpertinnen ihr zweites Standbein aufbauten – die Reparatur von alten Taschen und Koffern. „Gerade haben wir eine Tasche zugesandt bekommen, die Salvador Dali entworfen hat „, erklärt Constance S.Hildebrandt. Dieses Einzelstück aus den 60er Jahren trägt grafische Elemente des spanischen Künstlers ebenso wie seine Signatur. „Die Restaurierungen sind zeitaufwändig“, erklärt Hildebrandt. „Allein die Suche nach dem richtigen Pflegemittel ist schwierig. Einmal mussten wir für einen Koffer sogar ein Netz aus gewachstem Garn selbst knüpfen.“

Das lieb gewordene alte Tragebehältnis nicht einfach durch ein neues zu ersetzen liegt im Trend. „Interessanterweise schicken uns gerade Männer ihre Taschen ein“, erzählt Katrin Fuchs-Fischer. „Sie sagen, das Stück ist mit mir durch die ganze Welt gereist und mir ans Herz gewachsen.“ Männer sind, so glauben die beiden Taschenherstellerinnen, der Mode nicht im gleichen Maße wie Frauen unterworfen. Doch für Kunden beiderlei Geschlechts gilt: wer mit seiner alten Tasche etwas verbindet, ist auch bereit, für die Reparatur mehr zu bezahlen als den ursprünglichen Anschaffungspreis. Diese Kunden kommen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.

Ein Raum mit Atmosphäre

Der großzügige Arbeits- und Verkaufsraum
Der großzügige Arbeits- und Verkaufsraum

Der schöne Laden in einem Backsteineckhaus aus den 1920ern Jahren hat Constance Hildebrandt und Katrin Fuchs-Fischer auf Anhieb überzeugt: „Wir haben uns in die Architektur sofort verliebt“, sagen die beiden Expertinnen. Hier können sie im Keller ungestört an den Maschinen arbeiten, während das Erdgeschoss als Raum für Kundenkontakte dient. Eine Galerie bietet Rückzugsmöglichkeiten für die Büroarbeit und die Bearbeitung der Bestellungen. Dank fester Öffnungszeiten können die Kunden ihre alten Taschen bringen und die reparierten Stücke wieder abholen. Beide Ladeninhaberinnen wohnen nicht im Wedding, aber Constance Hildebrandt sagt: „Für diesen schönen Raum am Schillerpark nehme ich gerne einen 30 Kilometer langen Arbeitsweg in Kauf.“

Eine eigene Kollektion hat die UNIKAT Manufaktur nicht. Ein Schaufenster sucht der Passant daher vergebens. Ihren Ruf verdanken Constance S.Hildebrandt und Katrin Fuchs-Fischer vielmehr den perfekt ausgeführten Reparaturen und der Fertigung höchst individueller Einzelstücke. Und so ist jedes Behältnis, um das sie sich kümmern, tatsächlich – ein Unikat!

UNIKAT manufaktur

unikat-taschenmanufaktur,de

taschenreparatur.de

Dubliner Str. 7, 13349 Berlin, U-Bahnhof Rehberge

Öffnungszeiten: Mo,Di,Mi,Fr 10-18 Uhr, Do 12-20 Uhr, nach Vereinbarung

Tel.: 030 978 94 504

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