Gut für den Senat, schlecht für den Standort Wedding

Neues und altes Rathaus Wedding

Der Senat hat entschieden. Und es sprechen sicher gute Gründe dafür, das Jobcenter in das demnächst leerstehende Hochhaus am Rathaus Wedding einziehen zu lassen, wie an dieser Stelle bereits berichtet. Die vom Bund finanzierte Agentur für Arbeit kann es sich – ganz im Gegensatz zum zweiten Interessenten, der landeseigenen Beuth-Hochschule, – leisten, eine Beteiligung von vier Millionen Euro an den Sanierungskosten für den maroden Turm beizusteuern. Doch für den Stadtraum rund um das Rathaus ist es eine fatale Entscheidung, meinen nicht nur die Bezirkspolitiker. Die das Sanierungsgebiet Müllerstraße betreuende Stadtplanerin Susanne Jahn nennt es klipp und klar ein falsches Signal. Immerhin bemühen sich viele Beteiligte seit Jahren um eine Belebung des Gebiets rund um den Leopoldplatz. Auch Mitglieder der Stadtteilvertretung Müllerstraße fühlen sich durch diese Entscheidung in ihren bisherigen Bemühungen zur Stärkung des Ortsteils übergangen: „Die angestoßene Entwicklung der Müllerstraße kann nachhaltig geschädigt werden“, schreibt ein Mitglied in einem Flugblatt, das bei einer öffentlichen Sitzung verteilt wurde.

Es geht aber nicht nur darum, dass das Straßenbild anders aussieht, wenn statt Studenten eher die Kunden des Jobcenters den Rathausvorplatz bevölkern. Für die mit akuter Raumnot kämpfende Beuth-Hochschule steht jetzt nämlich der ganze Traditionsstandort im Wedding in Frage. Ohne Erweiterungsperspektive muss sie sich wohl auf einen Komplettumzug einstellen. Dafür böte sich an, den ab Juni leerstehenden Flughafen Tegel in die engere Wahl zu ziehen, quasi als Kompensation für den Bedeutungsverlust des Bezirks Reinickendorf.

Es wird auf diese Art zwar keinen dauerhaften Leerstand des Rathaus-Hochhauses geben. Die Idee eines Bildungsbandes, das sich die Planer für das Aktive Zentrum Müllerstraße an dieser Stelle erdacht haben, ist aber nun in mehrfacher Hinsicht in Gefahr.

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