Wird dieser Sommer der erste, an dem die Natur am sieben Hektar großen Plötzensee, weitgehend von Menschen abgeschirmt, zur Ruhe kommt? Das lässt jedenfalls die Pressemitteilung des Bezirksamts vermuten. Denn die Renaturierungsmaßnahmen sind abgeschlossen. Der Uferschutz betrifft jetzt auch ein „Schlupfloch“ für Wildbadende an der FKK-Wiese am nordwestlichen Uferweg. Da stellen sich manche Weddinger die Frage: Wie menschenfeindlich ist der Naturschutz?


Die Nordspitze des Sees war Schwerpunkt der Renaturierung. Dort wurden rund 350 Kubikmeter Faulschlamm entfernt und neue Röhrichtflächen angelegt. Auch gibt es jetzt schwimmende Röhricht-Inseln, um Kleinbiotope zu schaffen und den Wellenschlag zu reduzieren. Damit sich auch Amphibien ansiedeln, entstand ein etwa 140 Quadratmeter großes Kleingewässer. Auf Böschungen und ehemaligen Baustellenflächen wurde regionales Saatgut ausgebracht, um die Vegetation ökologisch aufzuwerten. Während der Bauarbeiten wurde zudem mehrfach Weltkriegsmunition gefunden, die beseitigt werden musste.


So sieht es an der renaturierten Nordspitze aus – und so wirkt der 1,65 Meter hohe Zaun
Zum Schutz der Uferbereiche wurden Zäune erneuert oder erhöht sowie Mit einer neuen Bojenkette wird der unerlaubte Bootsverkehr unterbunden. Und, für alle Besucher:innen des Uferwegs gut erkennbar: Der Zaun wurde durchgängig auf 1,65 Meter erhöht. Damit soll das Wildbaden erschwert werden. Sportliche Wildbadende können diesen Zaun vielleicht überwinden, für viele andere wurde eine letzte Lücke jedoch auch geschlossen: der schmale Seezugang an der Wiese am Nordwestrand, kurz außerhalb des Freibadgeländes.


Das stimmt unseren Leser Alex aus dem Sprengelkiez traurig. „Für mich geht damit ein Stück typisch Berliner Kultur verloren. Auf der Liegewiese neben dieser Lücke lagen Nackte und Menschen in Badekleidung friedlich nebeneinander“, sagt unser Leser. Was das mit dem Naturschutz zu tun hat, kann er nicht verstehen: „Warum soll ein über 200 Meter breites Strandbad okay sein, aber eine zwei Meter breite Lücke im Zaun stellt ein Umweltproblem dar?“ Die Liegewiese ohne Bademöglichkeit ist für ihn in diesem Sommer kaum vorstellbar.


An den Kosten dürfte das jedenfalls kaum scheitern, glaubt Alex. Die rechte Seite des ehemaligen Zugangs war schon lange mit einem hohen Zaun begrenzt, der bis ins Wasser ragt. „Wenn man nun auch die linke Seite des Zugangs mit einem hohen Zaun begrenzen würde, dann könnte niemand trockenen Fußes in die geschützten Uferbereiche eindringen. Der komplette renaturierte Bereich würde so weiterhin geschützt bleiben.“ – Und gleichzeitig wäre ein besseres Miteinander von Mensch und Natur gegeben – statt wie jetzt Naturschutz ohne die Menschen mitzudenken.



Passend dazu bieten wir demnächt eine Diskussionsveranstaltung im Kiezhaus an
„Agnes erklärt Schwimmen im Plötzensee“
am 29.05.26 um 18h im Kiezhaus Agnes Reinhold, Afrikanische Straße 74
Schwimmen verboten, geduldet oder notwendig? Aktuell drohen über 200€ Bußgelder für Schwimmen in den geschützten Uferzonen – bleibt nur noch das private Strandbad für 10€/Tag. Gemeinsam mit Dennis Godbersen, Jurist und Wirtschaftswissenschaftler sowie Gründer der Initiative Free Swimming Plötzensee, sprechen wir über Bußgelder, Sicherheit und das Recht auf freien Zugang zum Wasser. Dabei schauen wir auch auf die Rolle des Naturschutzes und diskutieren, welche sinnvollen Forderungen und Aktionen möglich sind.
„Agnes erklärt“ ist ein Format im Kiezhaus, in dem wir Einblicke in alltägliche Probleme geben und gemeinsam über Lösungen nachdenken und diskutieren. Mehr Infos auf kiezhaus.org oder auf Instagram über @kiezhaus und @free.swimming.ploetzensee
Wir freuen uns darauf mit Ihnen allen / euch allen in die Diskussion zu kommen 🙂
@blog
"Menschenfeindlich"? Da werden ja die ganz großen Hammer rausgeholt. Aber solch ein Framing sagt auch etwas über die Autoren aus. Schade
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Schade, dass jetzt das Strandbad endgültig das Monopol über den Plötzensee haben soll.
Wer sich das Eintrittsgeld für das Freibad nicht leisten kann, sollte sich fragen, was er im Leben falsch gemacht hat.
Tach Richard Holzmann
man o man …. ganz ehrlich, da machen Sie es sich aber ziemlich einfach . Das Leben ist doch etwas komplizierter als man(n) denkt…. zwischen schwarz-weiß gibt es jede Menge Grautöne.
Also gehen Sie mal in sich für 5 Minuten bei einem guten grünen Tee und überdenken das ganze noch mal….
sag schon mal netten Vatertag
Muss man denn alles freigeben? Vielleicht auch noch zum Grillen, weil ja nicht alle einen Garten haben.
Berlin braucht Stellen, an denen man Ruhe findet. Die Natur ebenso.
Zum Artikel:
Gerne lese ich, dass die Veränderungen am Plötzensee kommuniziert werden und dadurch potentiell einfach weniger Wildbadegäste auftauchen.
Damit meine ich nicht die Menschen, die sich einen Platz auf der FKK-Wiese gesucht haben und dort baden gegangen sind oder die Menschen, die am ehemaligen Rosengarten über das Steinufer baden gehen.
Ich meine die Zaungäste, die in Teilen mit komplexem Hausstand anreisen, mit Kinderwägen und improvisierten Feuerstellen, mit Hängematten, Bierkisten und jeder Menge Müll am See einen Platz gesucht haben, an den Böschungen alles niedergetrampelt haben und ihren Müll dort auch liegen lassen.
Es sind nie pauschal alle Menschen, die ein Problem verursachen, aber es sind einige Gäste, die sich daneben benommen haben, auf Bäume klettern oder diese anderweitig beschädigen. Menschen, die Schwäne angreifen und deren Nester oder Brut absichtlich zerstören.
Und da wir es als Zivilgesellschaft nicht schaffen uns gegenseitig zu reglementieren und einen solch wertvollen Ort so erhalten zu können, muss dann halt irgendwann eine Behörde einschreiten, VOR der See und die Natur unwiederbringlich geschädigt wird.
Dass die Fischerpinte wegfällt ist sehr traurig.
Ich denke da hätte man eine andere, nachhaltige Lösung finden müssen! Und wenn es nur ein non-profit-Café mit Imbissbetrieb geworden wäre, von einem kirchlichen Träger oder so.
Getränke kauft man dann wohl lieber weiter schwarz und ohne Steuerabgabe bei den fahrenden Händlern am See.
@Kurz und potentiell kommende Kommentare:
Ich habe mich auch über die Kampfbegriffe im Artikel gewundert. Menschenfeindlichkeit ist schon ein sehr großes Wort. Ihr Problem mit den „Bürokraten“ stößt mir aber ebenso sauer auf. Unnötig ihre pauschale Abneigung gegenüber dem Bezirksamt hier mit einfließen zu lassen, denn wer auch nur ab und an am See war, hat das Chaos gesehen und konnte sich denken, dass sich da etwas ändern muss.
Hervorragender Kommentar. Danke und Daumen hoch.
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen! Danke für die klaren Worte!
Allerdings fürchte ich, dass die von ihnen angesprochenen Verursacher der fortwährenden Umweltzerstörung auch jetzt noch Wege finden werden, wie sie ihr schändliches Treiben am Seeufer weiterführen können!
Die Bierkisten, die Grillausrüstung und die Bassboxen sind schon gerichtet!
Hier wird wieder mit Begriffen um sich geworfen („Menschenfeindlichkeit“, „Willkür“) und der ökologische Zustand des Plötzensees ignoriert (stattdessen wird nur von hervorragender Wasserqualität geschrieben) — wow.
Jetzt fehlt nur noch das Grünen-Bashing, aber das geschieht hier indirekt ja auch. Da das zuständige Bezirksamt in Verantwortung von Herrn Schriner liegt.
Ich bin Herrn Schriner und seinem BA sehr dankbar, dass der Plötzensee ökologisch aufgewertet wird und damit hoffentlich noch vielen weiteren Generationen als intaktes Naherholungsgebiet erhalten bleibt. Vor dem Hintergrund immer heißer werdender Sommer (Klimawandel) benötigt diese Stadt, besonders die dichte Innenstadt, ökologisch intakte und resiliente Grünflächen und Gewässer.
Herr Schriner, machen Sie weiter so! Hoffentlich auch nach der kommenden BVV-Wahl!
Das soll(te) auch eine Antwort auf @Kurz sein.
Nicht der Naturschutz ist menschenfeindlich, sondern die Bürokraten des Bezirksamts, die sich komplett verrannt haben und alleine nicht mehr aus ihrer Sackgasse herauskommen.
Mir ist nach wie vor kein Naturschutz-fachliches Konzept für den Plötzensee bekannt. Das Bezirksamt handelt auf Grundlage von Willkür und seiner gescheiterten Strandbad-Privatisierung. Es sollte sich als erstes für seine fachwidrigen, perfiden Schwan-Warnschilder entschuldigen!
Von Anbeginn an war es möglich, die natürlichen Lebensgrundlagen und die menschliche Nutzung durch Naturliebhaber am Plötzensee miteinander zu vereinbaren. Das sagt schon sein Name, und weil das möglich war, hat er bis heute diese hervorragende Wasserqualität.
Die „natürlichen Lebensgrundlagen und die menschliche Nutzung“ führten nur solange ein verträgliches Miteinander, solange der Plötzensee nicht zum Ausflugsziel für halb Berlin wurde und die Nutzer nicht – dem gegenwärtigen Zeitgeist folgend – rücksichtslos ihre eigenen Interessen in Form vom Party und Besäufnissen in den Vordergrund stellten.
Obwohl ich mich sonst auch gerne am Grünen-Bashing beteilige – hier wurden endlich einmal die richtigen Zeichen gesetzt! Wenn jetzt noch der Verfolgungsdruck durch die Ämter steigt, kann das nur zum Nutzen der Natur sein! Und das wäre gut so!!