Weddingmelder-Wochenschau #35/17

Schulranzen
Wer­den nach den Feri­en wie­der gebraucht: Schul­ran­zen. Foto: And­rei Schnell

So, lie­be Wed­din­ger Eltern, bei Euch über­schat­tet gera­de der Schul­start alles. Aber so dun­kel ist nun auch wie­der nicht gewor­den, dass sich nicht ein bis­s­che Mut zusam­men neh­men lie­ße, um dem klei­nen Gold­schatz in die­sem Jahr nicht ein paar Frei­hei­ten ein­zu­räu­men. Schließ­lich soll das Kind ja ein­mal erwach­sen wer­den. (Das führ­ten zumin­dest frü­her die Eltern mit ihren Kin­dern im Schil­de.) Also: Am Nach­mit­tag den Frech­dachs nicht zum Gei­gen­kurs, son­dern auf den Hof zu den tür­ki­schen Kids vom Bolz­platz jagen. Die Göre nicht beim Sprach­kurs par­ken, son­dern ein­fach mal schau­en, wo sie von sich aus abhän­gen will. Und bevor jemand nicht von allein dar­auf kommt: ja, Erst­kläss­ler schaf­fen schon ein paar Ecken des Schul­wegs allein und müs­sen nicht per Hub­schrau­ber vors Schul­tor gelie­fert wer­den. Irgend­wo sonst noch Licht am Ende des Tun­nels? Mal sehen, was hier in der Wed­ding­mel­der-Wochen­schau steht:

Darüber redet der Wedding

Auto
Jugend­li­cher fährt Klein­wa­gen? Foto: And­rei Schnell

Ach nö, und schon stößt man beim Blät­tern durch die Zei­tun­gen auf die Nach­richt, auf die Heli­ko­pter-Eltern nur gewar­tet haben: “Poli­zei stoppt 16-Jäh­ri­gen im Renault Twin­go”, schreibt die Ber­li­ner Mor­gen­post (teilt aber nicht mit, war­um der Ben­gel nicht einen Mer­ce­des oder einen BMW aus­wähl­te). Er sei durch “unsi­che­re Fahr­wei­se” auf­ge­fal­len. Ist damit gemeint, er sei exakt 50 gefah­ren, habe kei­nen Rad­fah­rer geschnit­ten und auch nicht in zwei­ter Rei­he geparkt? Dann bestün­de also doch noch Hoff­nung für ihn?

Nur noch wenig Hoff­nung besteht für die Kum­pels, deren Woh­nun­gen nun durch­sucht wur­den. “Nach Schie­ße­rei im Wed­ding: Meh­re­re Raz­zi­en in Ber­lin”, weiß die Ber­li­ner Mor­gen­post. Hof­fent­lich hat das LKA (Lan­des­kri­mi­nal­amt) sich auf eige­ne Recher­chen ver­las­sen und nicht auf Daten vom BKA (Bun­des­kri­mi­nal­amt), um die rich­ti­ge Woh­nung in der Gro­nin­ger Stra­ße auszumachen.

Muss man alle Hoff­nung fah­ren las­sen, weil zu befürch­ten steht, dass Schu­len dem­nächst die Pau­sen abschaf­fen? Oder den Che­mie­un­ter­richt? Denn dort pas­sie­ren die meis­ten Unfäl­le an Schu­len. Aber  zum Glück nicht im Wed­ding, son­dern bloß in Mar­zahn-Hel­lers­dorf. Das hat die Unfall­kas­se Ber­lin ausgerechnet.

Das hier ist dann aber doch ein hoff­nungs­lo­ser Fall. Die Kol­le­gen von der B.Z. waren im Wed­ding. War­um nur? Gab es einen Streit unter Nach­barn, der zu Mord und Tot­schlag umge­dich­tet wer­den muss­te? Nein, die Repor­ter hat­ten nur Hun­ger und gin­gen zum “Got­ham Bur­ger: Ver­pass­te Chan­ce im Wed­ding”. Hat Ihnen dort aber nicht geschmeckt, die “Schuh­soh­le”. Viel­leicht hät­ten sie Bur­ger bestel­len sollen?

Termine

Na schön, wie der Blick in die Zei­tun­gen zeig­te, war nicht viel los in die­ser Woche. Doch was kommt auf die Wed­din­ger zu?

Jogger
Lau­fen hilft beim Den­ken. Foto: Domi­ni­que Hensel

Zwei Tage Wed­ding! Also streng genom­men ist ja 365 Tage Wed­ding. Zumin­dest für Wed­din­ger. Aber der 9. und der 10. Sep­tem­ber gehö­ren dem “2 Tage Wedding”-Festival mit “Aus­stel­lun­gen, offe­ne Ate­liers, Kon­zer­te, Per­for­man­ces, Work­shops, Lesun­gen, Thea­ter­auf­füh­run­gen und vie­lem mehr”. Was das “vie­le mehr” ist, das steht im Pro­gramm 2 Tage Wedding.

Ja, frü­her war alles bes­ser. Ein Satz, des­sen Wahr­heit man immer bes­ser ver­steht, je älter man wird. Das ist unge­fähr dann der Fall, wenn man auch Denk­mal­ta­ge plötz­lich inter­es­sant fin­det. Am 9. und 10. Sep­tem­ber wird’s also his­to­risch. Die Wie­sen­bur­ger öff­nen ihre alte Hüt­te, das Amts­ge­richt sei­nen “Gerech­tigs­keits­tem­pel” und die Genos­sen von der PA58 machen Pro­gramm. Unter ande­rem ist ein Vor­trag von Foto­samm­ler Ralf Schmie­de­cke zu hören.

Wer mal so rich­tig ren­nen will, ohne dabei Leu­te zu behin­dern, die gera­de die Bun­des­kanz­le­rin wäh­len wol­len (wie es beim Ber­lin Mara­thon gesche­hen wird), dem sei der “Lauf durch den Volks­park Reh­ber­ge” am 9. Sep­tem­ber emp­foh­len. Lau­fen soll ja den Kopf frei machen, viel­leicht kommt ja den 50 Pro­zent unent­schlos­se­nen Wäh­lern unter den Läu­fern an die­sem Tag end­lich die Ein­ge­bung, wen sie wäh­len wollen.

Schub­sen und geschubst wer­den ist nicht nur das Mot­to unter Gebraucht­wa­ren­händ­lern. Auch im sozia­len Bereich geht es nicht immer freund­lich und zuge­wandt zu. Die Him­mel­beet­ler sol­len zwar nicht kom­plett ein­pa­cken, aber doch ihre mobi­le Bee­te und umzie­hen – bit­te­schön. Doch wohin? Das wird bei einem öffent­li­chen Flä­chen­tref­fen am 5. Sep­tem­ber um 19.30 Uhr dis­ku­tiert. (Hier schnell lesen, wer vor­her noch ein paar Hin­ter­grund­in­fos zum Umzug des Him­mel­beets braucht).

Frei­wil­li­ge vor! Am 8. und am 9. Sep­tem­ber ist Ber­li­ner Frei­wil­li­gen­tag. Ganz zwang­los wird zum Bei­spiel am Frei­tag von 14 bis 17 Uhr die Stet­ti­ner Stra­ße geputzt.

Goog­le, Face­book und Co sam­meln Daten. So vie­le, dass von Big Data gespro­chen wird. Bei die­sen Unter­neh­men wird die Fra­ge, ist das Kunst oder kann das weg, regel­mä­ßig beant­wor­tet mit: Das spei­chern wir. Jetzt schlägt Kunst­ver­ein art­burst zurück mit der Aus­stel­lung “Thank you for sharing” im Pro­jekt­raum OKK in der Prin­zen­al­lee. Jeden Sonn­tag mit “inter­ak­ti­ven Rahmenprogramm”.

Und zum Schluss: Wehe, es lässt sich ein Wed­din­ger auf der IFA erwi­schen, wie er sich dort einen ultra­dün­nen Fern­se­her anschaut, der wie ein Bild an der Wand aus­sieht und selbst­stän­dig Fern­seh­bier bestel­len kann.

Das stand im Weddingweiser

Anna-Lindh-Grundschule. Foto: Andrei Schnell
Anna-Lindh-Grund­schu­le, Gui­ne­a­stra­ße 17, 13351 Berlin.

22 Grund­schu­len hat der Wed­ding­wei­ser im Kiez gezählt und foto­gra­fiert. Ger­ne mal mor­gen in unse­ren Bei­trag schauen.

Bei dem Wort “Klein­gar­ten­an­la­ge” den­ken die einen an Gar­ten­zwer­ge und die ande­ren Öko­spie­ßer. Doch wer denkt an Men­schen, die ganz­jäh­rig im Mini­haus woh­nen? An einen “Ver­ein klei­ner Grund­ei­gen­tü­mer”?

Da ver­zwei­felt nicht nur der Kunst­re­dak­teu­er. Da will man die Leu­ten das Gute, Schö­ne und Gro­ße näher­brin­gen, aber Auf­re­ger­the­men blei­ben eben doch die Klas­si­ker: Zum Bei­spiel Kacke. Wer sei­nen Senf noch nicht dazu­ge­ge­ben hat, hier gehts zur Dis­kus­si­on um Hun­de­dreck, die auf der Face­book-Pinn­wand hochkam.

So, fer­tig für die­se Woche. Jetzt ein klei­nes Cafe­tier – par­don, eine Tas­se Kaf­fee aus der Cafe­tie­re – im Cof­fee Star trinken.

Schau an

neu­lich beim Wald­spa­zier­gang plötz­lich Wed­din­ger Schü­ler beim Ler­nen getroffen:

Schüler im Forst
Wed­din­ger Schü­ler ler­nen manch­mal im Forst. Foto: And­rei Schnell

Text und Fotos: And­rei Schnell, Foto 3 und 4: Domi­ni­que Hensel

Andrei Schnell

Man hat mir versichert, es gäbe keine Vorschrift zu gendern und ich sei in dieser Frage frei, nicht wahr? Mein Hintergrund ist ostdeutsch, das beruht auf Erlebnissen. Politik sehe ich mir an wie den Sport. Wenn ich ein Buch lese, möchte ich es gleich besprechen. Ich mag Geschichten und Geschichte. Mister Gum möchte ich noch erwähnen.

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