Vermüllter Müllplatz. Foto: Annette Santo
Ver­müll­ter Müll­platz. Foto: Anet­te Santo

Mei­nung. Wed­ding, Gesund­brun­nen und Moa­bit sind die dre­ckigs­ten Ecken in Ber­lin. Nir­gend­wo liegt mehr Sperr­müll, flie­gen alte Müll­tü­ten durch die Stra­ße, liegt an vie­len Ecken Zeug her­um. Als die Senats­in­nen­ver­wal­tung vor einem Monat die dazu­ge­hö­ri­gen Zah­len ver­öf­fent­lich­te, war das hier im Wed­ding sicher kei­ne Über­ra­schung. Trotz­dem muss­ten wir uns zunächst ein wenig sam­meln. Der Wed­ding ist schmut­zig, so ist es und was soll man dazu auch noch sagen, außer: Macht mal sauber!

Die Fakten

Sperrmüll - einfach auf die Straße gestellt. Foto: Hensel
Sperr­müll – ein­fach auf die Stra­ße gestellt. Foto: Hensel

Inzwi­schen ken­nen vie­le die mobi­le App des Ord­nungs­am­tes und das dazu gehö­ri­ge Online-For­mu­lar zum Mel­den von Dreck­ecken. Bei­des gibt es seit 2015. Wäh­rend das Ange­bot im ers­ten Jahr noch recht unbe­kannt war, wur­de es 2016 bereits stark genutzt. In ganz Ber­lin gab es im ver­gan­ge­nen Jahr 27.000 Mel­dun­gen. Aus dem Bezirk Mit­te kamen mit 12.775 Mel­dun­gen die meis­ten Hin­wei­se aus der Bevöl­ke­rung. Schaut man sich die Kar­te mit den beson­ders belas­te­ten Orten im Stadt­teil an, sieht man, wo es beson­ders schlimm ist: in der Mül­ler­stra­ße, in der Dront­hei­mer Stra­ße, in der Prin­zen­al­lee, in der See­stra­ße. Neben den gro­ßen Stra­ßen sind auch klei­ne Kiez­stra­ßen beson­ders belas­tet: im Sol­di­ner Kiez, im Spren­gel­kiez, im Afri­ka­ni­schen Viertel.

Der Ärger und die Kümmerer

Post auf der Weddingweiser Pinnwand
Post auf der Wed­ding­wei­ser Pinnwand

Der Müll regt vie­le Wed­din­ger auf. Immer wie­der pos­ten wüten­de Leser Müll­fo­tos auf der Wed­ding­wei­ser Pinn­wand. Lese­rin Anet­te San­to schrieb in einem Post im April: „Ich bin wütend und frus­triert! Seit 13 Jah­ren woh­ne ich in der sel­ben Woh­nung, in mei­nem Kiez Wed­ding. In den letz­ten 3–4 Jah­ren hat sich etwas ver­än­dert, vor dem Haus. Mitt­ler­wei­le bekom­me ich die Kri­se beim Gang zu den Müll­ei­mern. Rat­ten und Co füh­len sich bei uns wie zu Hau­se! Auf einer Müll­de­po­nie sieht es auf­ge­räum­ter aus! — wütend“. Auch Wed­ding­wei­ser-Lese­rin Ceci­lia Stick­ler ärgert sich seit vie­len Jah­ren über den Müll vor ihrer Haus­tür, dem Vineta­platz im Brun­nen­vier­tel. Vie­le Jah­re lang sam­melt sie dort schon den Müll auf, den ande­re ein­fach fal­len las­sen. Dafür hat sie zusam­men mit ande­ren Küm­me­rern im ver­gan­ge­nen Jahr den Umwelt­preis Mit­te ver­lie­hen bekom­men. Seit eini­ger Zeit nutzt sie auch rege die Ord­nungs­amt-App. „Das funk­tio­niert ganz pri­ma“, sagt Ceci­lia Stickler.

Was tun gegen den Müll?

Ob das nun eine kul­tu­rel­le Fra­ge ist oder damit zu tun hat, dass man im Wed­ding wegen der über­wie­gend noch nied­ri­gen Mie­ten öfter umzieht oder gern umde­ko­riert – der Müll ist da, das ist ein Fakt. Fakt ist, dass wir alle zu viel weg­wer­fen. Wer sich ertappt fühlt, kann gern bei den ambi­tio­nier­ten Wed­din­ger Pro­jek­ten nach­fra­gen, wie er das ändern kann. Das Baum­haus in der Gericht­sta­ße küm­mert sich zum Bei­spiel expli­zit um die Fra­ge der Müllvermeidung.

Cecilia Stickler beim Müllsammeln am Vinetaplatz. Foto: D. Hensel
Ceci­lia Stick­ler beim Müll­sam­meln am Vineta­platz. Foto: D. Hensel

Wir moder­nen Men­schen gehö­ren fast alle zum Pro­blem. Da soll­te es selbst­ver­ständ­lich sein, sei­ne eige­nen Gewohn­hei­ten zu über­prü­fen und auch ande­re freund­lich hin­zu­wei­sen, wenn das nötig ist. Und falls nichts mehr hilft, ist das Smart­pho­ne heut­zu­ta­ge schnell bei der Hand – Foto gemacht, Dreck­ecke gemel­det, gut gemacht.

Die eige­ne Ver­ant­wor­tung wahr­zu­neh­men, Müll zu mel­den und zu ver­mei­den, wird das Pro­blem aber nicht lösen. Auch das, was wir Dienst­leis­tung nen­nen, muss immer wie­der ange­passt wer­den. Und wenn im Wed­ding ein Müll­schwer­punkt ist, muss hier auch die Stadt­rei­ni­gung öfter kom­men. Jüngst ist in die­sem Zusam­men­hang auch wie­der die Idee in die öffent­li­che Dis­kus­si­on ein­ge­bracht wor­den, den Sperr­müll wie in den 70er Jah­ren wie­der kos­ten­los durch die Stadt­rei­ni­gung abho­len zu las­sen. Aus Wed­din­ger Sicht wäre das ein wich­ti­ger Schritt.

PS: Wer hier gleich kom­men­tie­ren will, dass der Müll eine gute Bas­ti­on gegen die Gen­tri­fi­zie­rung sei, der sehe bit­te davon ab. Kei­ner im Wed­ding will, dass unse­re Kin­der auf den Spiel­plät­zen neben den Rat­ten spie­len müs­sen und kei­ner will in einem ver­müll­ten Stadt­teil leben!

Weiterlesen

3 Comments

  1. Wir sind gera­de aus Fried­richs­hain in den Kiez gezo­gen – lei­der sah es da (Peters­bur­ger Platz) auch nicht bes­ser aus und in unse­rem Haus dort, sind die Müll­ber­ge auch kon­ti­nu­ier­lich gewach­sen. Lei­der Wed­ding-spe­zi­fi­sches Problem.

  2. Schaut Euch doch mal die Face­book-Grup­pe „Sperr­mül­ler“ an. Die gibt es seit Seprtem­ber 2016. Dort kann man ganz ein­fach Mit­glied wer­den und dann dazu bei­tra­gen, dass das The­ma „Ver­mül­lung des Wed­ding“ wei­ter Öffent­lich­keit hat. Das „Hor­ror­al­bum 1“ mit Sperr­müll­funden bis 14.6.2017 umfasst jetzt 1.012 Fotos. Es wur­de jetzt ein neu­es Gesamt­al­bum eröff­net, das lei­der auch wie­der schnel­ler als erhofft stark anwach­sen dürfte.

  3. „Kei­ner im Wed­ding will, dass unse­re Kin­der auf den Spiel­plät­zen neben den Rat­ten spie­len müs­sen und kei­ner will in einem ver­müll­ten Stadt­teil leben!“
    Die­ser stei­len The­se kann man ange­sichts der Müll­ber­ge wohl kaum zustim­men. Oder denkt hier einer, die Mit­bür­ger aus Zehlen­dorf oder Neu­kölln kämen extra mit ihrem Scheiß hierher??

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.