Vom Suchen und Finden der Häuser in Berlin

Tür eines Mies van der Rohe-Hauses in der Afrikanischen StraßeWer nach Berlin zieht oder zu Besuch kommt, sollte sich besser vorab informieren, wo in etwa das Ziel liegt. Die Hausnummer ist nämlich nicht immer ein Anhaltspunkt.

Von Hufeisen und Zickzack

Der Grund für die Verwirrung ist: Die meisten Straßen in der Berliner Innenstadt sind nach dem Hufeisen-Prinzip nummeriert. Das heißt: Hier steigen die Hausnummern beginnend auf der einen Straßenseite an – bis zum Straßenende. Dann wird auf der anderen Seite einfach weitergezählt, wieder bis zum Ausgangspunkt. Gegenüber der Hausnummer 1 liegt also die höchste Hausnummer der Straße. Für Mathe-Fetischisten sei nur angemerkt, dass auf diese Weise die Quersumme der Hausnummern (quer über die Straße addiert) stets die gleiche bleibt². Den amerikanischen Autor Mark Twain irritierte diese Zählweise nach einem Besuch Berlins im Jahr 1892 derart, dass er schrieb: „Bei den Hausnummern herrscht ein Chaos wie vor der Erschaffung der Welt. Unmöglich kann die weise Berliner Stadtregierung Derartiges geschaffen haben. Zuerst denkt man, dies sei die Tat eines Blödsinnigen; allein, so mannigfaltige Arten, Verwirrung und Unheil anzurichten, wäre ein Blödsinniger nicht imstande, sich auszudenken“¹. Nun ja: gebilligt wurde diese auf die französische Revolution zurückgehende Nummerierung durch König Friedrich Wilhelm III. im Jahr 1799: „Seine Königliche Majestät von Preußen sind mit dem General-Direktorio darin einverstanden, daß es zur leichteren Auffindung der Häuser in gereichen wird, wenn selbige nicht mit einer fortlaufenden Nummer durch alle Straßen der Stadt bezeichnet, sondern in jeder Straße besonders nummerirt werden, und die Nummer-bleche selbst einen blauen Grund mit goldenen Zahlen erhalten“. Ein großartiges System, solange die Stadt nicht wächst. Doch das ließ sich nicht lange halten.¹

Wieder nach Pariser Vorbild änderte Berlin dann das System und stellte auf die Zickzack-Methode um. In diesem System steigen die Hausnummern rechts und links jeweils an. Auf der einen Straßenseite liegen dabei die geraden Nummern, auf der anderen Seite die ungeraden. Überall sonst in Deutschland ist dieses System ebenfalls üblich. Doch erst 1927 wurde in Berlin damit begonnen, neu angelegte Straßen so zu nummerieren; die alten Straßen behielten ihre Hausnummern bei – bis heute. Das Chaos ist seither vorprogrammiert; auch im Wedding und in Gesundbrunnen (1861 bereits eingemeindet), wurde es auf den meisten Straßen angewandt. An der bekanntesten Straßenkreuzung Berlins stoßen übrigens beide Systeme aufeinander: Die Friedrichstraße ist nach dem Hufeisenprinzip nummeriert, die Straße Unter den Linden nach dem Zickzackprinzip². Der Tagesspiegel hat sich einmal die Mühe gemacht, einen Stadtplan zu erstellen, um die Verteilung der beiden Systeme grafisch zu illustrieren.

Es werde Licht bei Hausnummern

In Berlin ist es übrigens gesetzlich vorgeschrieben, dass die Hausnummern bei Dunkelheit ausreichend beleuchtet sind. Die allgemeine Straßenbeleuchtung kann dabei nicht die eigene Lichtquelle ersetzen. So steht es im Baugesetzbuch (§ 126), im Gesetz über das Vermessungswesen in Berlin (§ 24 Nr.7) sowie in der Verordnung über die Grundstücksnummerierung (Nummerierungsverordnung – NrVO). Dass aber das ganze Nummerierungssystem nicht gerade einleuchtet, ist dieser Verordnung natürlich egal.

¹ Beitrag in der Berliner Zeitung

² Berlin Story Verlag

 

 


1 Kommentar
  1. […] über Vom Suchen und Finden der Häuser in Berlin — Weddingweiser […]

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne:

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.