Endlich ist das Wetter so warm und luftig, wie es im Bilderbuch steht! An der Seestraße starte ich, denn hier weht fast immer Wind über der breiten Seestraße, ein Name, der die Assoziation auf das Lüftchen unterm wolkenfreien blauen Himmel zulässt. Im City Kino Wedding ist eine Premiere für ein Kinoformat der besonderen Art angesagt, das das lokale Angebot perfekt ergänzt und viele schöne Kinostunden gemeinsam, allein oder in Großgruppen verspricht.

Eingeladen wurde von „Retla“! Sie kommen nicht drauf? Ja, das ist das Wort „Alter“ rückwärts gelesen und eine gewisse Beschwingtheit oszilliert damit einher, denn man wünscht sich gern einmal woanders hin, vor allem auch rückwärts in seiner Lebenszeit.

Die neue Filmreihe läuft im City Kino, hinter dem kleinen Eiffelturm und der Baustelle des Centre francais vorbei. Es gibt schon das Jahresprogramm bis Ende November.
Filmnachmittage für Menschen +/- 100. Kann man es besser ausdrücken? Alle sind herzlich eingeladen, ob jung ob alt, ob eingeschränkt oder nicht, und generationenverbindende Erlebnisse werden versprochen.
Generationenverbindend, was für ein aussagekräftiges Wort, das man sich merken sollte!

SilberFILM wurde 2015 gegründet und ist schon in etlichen Städten mit diesem Profil vertreten mit Angeboten reifer Filme. Es geht nicht nur um Seniorenfilme, es geht um Spielfilme, die das Kino als Wohlfühlort nutzen.
Also wirklich, der erste Film, der die SilberFILM-Reihe einleitete, ist der Knüller: „Nicht schon wieder Rudi!“, ein Spektakel unter vier befreundeten Männern, die zunächst voll grummelig zum Fischen losfahren und sich dann näher kommen, weil einer der Mittfünfziger seinen verstorbenen Hund vernisst und von allen suchen lässt. Keiner traut sich zunächst, ihm zu sagen, dass der Hund schon lange tot ist. Eine Erzählung, die nicht loslässt, weil es immer wieder Wendepunkte gibt, die überraschen, lebendig sind und das Leben greifbar machen.
Der Kinosaal ist gut besetzt und es ist erfreulich, die eher seltene Gelegenheit zu haben, mit Wedding-Prominenz vom Sozialstadtrat über Heimleiter*innen, Sozialunternehmer*innen, Cineast*innen und etliche Rollstuhlfahrer*innen in den ersten Reihen, sowie dem Hauptdarsteller Matthias Brenner in der Rolle des Bernd, den Film mit Lachen und Gekicher zu erleben und danach zu diskutieren.
Matthias Brenner plaudert aus dem Nähkästchen und beantwortet Fragen. Etliche outen sich als Profis im Pflegebereich und stellen dann fest, dass das Wort Demenz geschickterweise in dem Film nicht ein einziges Mal einmal fiel: Die Erzählung spielt mit dem Fluss der Ereignisse, ausdauernd bis zum gelungenen Ende.
Ein Kulturgeschenk an alle! Ein Geschenk vor allem für diejenigen, die freundschaftlicherweise oder ehrenamtlich Menschen mit Freude an reifen Kinofilmen begleiten. So soll es also weitergehen mit Filmen, die fast monatlich und Eintritt frei im City Kino angeboten werden: Das verspricht angenehme Stunden und vielleicht auch schöne gemeinsame Erinnerungen, persönliche oder die derjenigen Zeiten im Lebenstrom, also der Lebensgeschichten, wie das Leben so spielt.
Die nächste kostenfreie Vorstellung für alle ist am 10. Juni im City-Kino, Müllerstraße 74 (U Rehberge): Der Rosengarten der Madame Vernet
(Flyer siehe unten)
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