Vision: Eine Farm auf dem Karstadt-Dach

Eine Farm auf dem Dach von Karstadt
Foto/Rendering: Raumstar Architekten

Puh, der Wedding atmet auf. Die Schließung von Karstadt an der Müllerstraße ist abgewendet. Vorerst. Denn eine Bestandsgarantie für das Kaufhaus gibt es nur für drei Jahre. Es ist also dringend geboten, neue Ideen zu entwickeln, um das Gebäude in die Zukunft zu führen. So gibt es seit drei Jahren die Idee einer Gemüsefarm mit Küche auf dem Dach. Wir stellen euch dieses innovative Projekt vor, als Denkanstoß für Karstadt und die Politik.

Sonnenplatz wird fürs Parken verschenkt

Die oberste der beiden Etagen liegt unter freiem Himmel – hier könnte auf ca. 3.000 qm eine Dachfarm entstehen, bei der in einem Inklusionsprojekt städtische Farmer ohne Zugang zum ersten Bildungsmarkt ausgebildet werden. Das Thema Erzeugung von Lebensmitteln mit kurzen Vertriebswegen in einer Stadt würde große Aufmerksamkeit bekommen. Daneben soll es auch Raum für das Experimentieren mit neuen Ansätzen des „urban farming“ geben. In einer Küche können Schulen, Kindergärten, Karstadt-Kunden etc. beim gemeinsamen Kochen mit Farmprodukten für die Thematik begeistert werden. Ein solches Konzept hat die Himmelbeet gGmbH gemeinsam mit dem Architekturbüro Raumstar Architekten entwickelt.

Platz wäre genug vorhanden: Das obere der Parkdecks mit 200 Stellplätzen hat eine Nutzfläche von ca. 5.700 qm und liegt unter freiem Himmel. Die Fläche verfügt über Entwässerung und wetterfeste Fahrbahnen. Die Stahlbetonkonstruktion hat einen guten Lastabtrag und einen hohen Brandschutzwert. Die auf beiden Parkdecks insgesamt ca. 400 Parkplätze sind derzeit nicht annähernd ausgenutzt.

Anbauen, ernten, kochen

Foto: Raumstar Architekten

In einer ersten Phase könnten ca. 500 qm Anbaufläche angelegt und über die ganze Saison bewirtschaftet werden. Das Startset der Farm verfügt schon über die zentralen Grundfunktionen: Gewächshaus, Geräteschuppen, Gartenarbeitsfläche, Büro, externer Besprechungsraum, sowie eine lange überdachte Tafel mit kleiner Sommerküche. Alle Gebäude werden in Modulweise aus Holz errichtet und sind einfach zu versetzen. Der zweite Bauabschnitt setzt die Erfahrungen aus dem Testbetrieb der Farm um und erweitert die Anbaufläche auf 2.500 qm. Die bereits vorhandenen Funktionselemente werden durch den Aufbau von neuen Modulen erweitert.

Grafik: Raumstar Architekten

Karstadt wäre auf einmal innovativ

Die Realisierung einer solchen nichtkommerziellen Dachfarm wird dafür sorgen, dass der angeschlagene Kaufhauskonzern auf einmal als höchst innovativ wahrgenommen wird. Denn die Lebensmittelproduktion innerhalb der Städte schützt das Klima, wenn Transportwege für Obst und Gemüse wegfallen. Die Beete binden Feinstaub und verhindern die Aufheizung der Betonflächen im Sommer. Das wiederum kommt dem Stadtklima zugute. Regenwasser wird zurückgehalten und könnte in diesem Projekt die Abwasserkosten um ca. 6.500 € im Jahr reduzieren.

Was für eine Vision! Statt dass die Verantwortlichen nur über die Wiederbelebung von Karstadt als klassischer Kaufhausstandort nachdenken, würde sich das Engagement für das Warenhaus in dieser Hinsicht noch viel mehr lohnen. Denn hier könnte ein weltweit beachtetes Urban farming-Projekt entstehen, das weit über die Grenzen des Wedding ausstrahlt.

Damit wäre jedoch vorerst nur ein Problem gelöst. Die Farm hätte nämlich eine andere Funktion als der Gemeinschaftsgarten des Himmelbeets, der derzeit zur Disposition steht. Dafür muss, unabhängig von der Farm, auch weiterhin eine Ersatzfläche gefunden werden!

Mehr Infos auf der Website der RaumstarArchitekten


4 Kommentare
  1. Mir war so, als ab das mal eine Option zu Anfang der Diskussion war, Himmelbeet das aber abgelehnt hatte. Offenbar eine Falschinformation.

    1. Glaube himmelbeet will den Gemeinschaftsgarten nicht auf das Parkhaus bringen, wegen der nicht öffentlichen Fläche – wie das mit der Farm aussah, die in dem Projekt beschrieben ist, weiß ich nicht. Aber zur Not auch ohne himmelbeet – eine Farmfläche da oben wäre doch toll.

  2. „Die auf beiden Parkdecks insgesamt ca. 400 Parkplätze sind derzeit nicht annähernd ausgenutzt.“

    Das sehe ich durchaus anders! Immer wenn ich dort einfahre, sind auf dem unteren Parkdeck für die Telekom-Fahrzeuge rd. 50% der Plätze reserviert! Hinzu kommen noch Behinderten- und Frauenparkplätze! Da ist nicht mehr sooo viel Platz für andere Autos.

    1. und oben?
      Mehr als 10 Autos habe ich da noch nie gesehen. egal ob Wochenende oder unter der Woche.

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