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Ehrung vom Bezirk:
Ebru Schaefer für Engagement ausgezeichnet

Brunnenviertlerin setzt sich seit 2015 für Kinder in Not ein

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Abso­lut ver­dient! Das ist der häu­figs­te Kom­men­tar in der Nach­bar­schaft und in den sozia­len Medi­en auf die Nach­richt, dass Ebru Schae­fer aus dem Brun­nen­vier­tel die Bezirks­ver­dienst­me­dail­le ver­lie­hen bekom­men hat. Mit der Aus­zeich­nung ehrt der Bezirk beson­ders ver­dien­te Bürger:innen, die sich für den Bezirk ein­set­zen. So wie die enga­gier­te Frau, die Spen­den­ak­tio­nen für Kin­der aus geflüch­te­ten Fami­li­en in Ber­lin orga­ni­siert – zu Weih­nach­ten, zum Schul­an­fang, zwi­schen­durch. Am Don­ners­tag, den 23. Sep­tem­ber fand die Preis­ver­lei­hung im Tee­haus im Eng­li­schen Garten/Tiergarten statt. Wir waren dabei.

Die Bezirks­ver­dienst­me­dail­le wird auf Vor­schlag vom Bezirk ver­ge­ben, bewer­ben kön­nen sich die Preis­trä­ger nicht. Im Fall von Ebru Schae­fer hat unse­re Autorin Domi­ni­que Hen­sel den Vor­schlag ein­ge­reicht – und bei der Preis­ver­lei­hung auch die Lau­da­tio gehalten. 

Ebru Schaefer (mitte) mit Sonja Kreitmair und Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel
Ebru Schae­fer (mit­te) mit Son­ja Kreit­mair und Bezirks­bür­ger­meis­ter Ste­phan von Das­sel bei der Preis­ver­lei­hung. Foto: Hensel

Die Lobrede im Wortlaut

Lie­be Nach­ba­rin­nen und lie­be Nach­barn,
sehr geehr­ter Herr Bezirksbürgermeister,

ich bin heu­te hier, um auf das her­aus­ra­gen­de Enga­ge­ment einer Frau aus dem Wed­din­ger Brun­nen­vier­tel hinzuweisen.

Ich habe Ebru Schae­fer vor fast drei Jah­ren zum ers­ten Mal getrof­fen. Das war bei einer Recher­che, bei mei­ner Arbeit. Ich bin Jour­na­lis­tin und schrei­be unter ande­rem für die Wed­din­ger All­ge­mei­ne Zei­tung und das Online­por­tal Weddingweiser.de. Jemand hat­te mir den Tipp gege­ben, eine wohl­tä­ti­ge Akti­on für Kin­der zu besu­chen und dar­über zu schrei­ben. Ich such­te gera­de eine Geschich­te für die Weih­nachts­aus­ga­be der Zei­tung und ging zu der Aktion.

Ich kam zu einem Raum in der Kita am Hum­boldt­hain vol­ler Scho­ko-Weih­nachts­män­ner, vol­ler Kin­der­bü­cher, vol­ler hoch­mo­ti­vier­ter Men­schen, vol­ler Wert­schät­zung und Freund­lich­keit. Und mit­ten­drin war Ebru Schae­fer, das Zen­trum der Aktion.

Ich weiß durch mei­ne Arbeit, dass es vie­le Men­schen in Mit­te gibt, die sich für ande­re ein­set­zen. Die dazu bei­tra­gen, das Mit­ein­an­der bes­ser zu machen, das Schick­sal ande­rer leich­ter, den All­tag fro­her und bes­ser. Ich habe oft über sol­che Men­schen berich­tet, sie hal­ten unse­re Gemein­schaft etwas mehr zusammen.

Unter allen, die ich bis­her inter­view­te, sticht der uner­müd­li­che Ein­satz von Ebru Schae­fer für mich beson­ders hervor.

Kurz nach­dem in der Flücht­lings­kri­se 2015 vie­le Men­schen auch bei uns im Bezirk Schutz such­ten, begann Ebru Schae­fer ihr Enga­ge­ment. Als ihr Geburts­tag bevor­stand wünsch­te sie sich statt Geschen­ken Süßig­kei­ten. Nicht für sich, son­dern für die Kin­der, die in Turn­hal­len und ande­ren Unter­künf­ten gestran­det waren. Eine klei­ne Weih­nachts­über­ra­schung, etwas Süßes in einer schwe­ren Zeit woll­te sie ihnen geben. Bei ihrer Sam­mel­ak­ti­on kamen zu ihrer eige­nen Über­ra­schung so vie­le Süßig­kei­ten- und Sach­spen­den zusam­men, dass sie 1500 Weih­nacht­s­tü­ten packen konn­te. Ebru Schae­fer ver­teil­te sie mit Hil­fe ihres Man­nes, mit Freun­den und Hel­fen­den aus ihrem per­sön­li­chen Netz­werk im Wed­ding und dar­über hinaus.

Aus einer Statt-Blu­men-Idee wur­de eine jähr­li­che Akti­on zu Weih­nach­ten. Immer wenn die ers­ten Weih­nachts­män­ner in der Super­markt-Rega­len auf­tau­chen, beginnt Ebru Schae­fer erneut eine Spen­den­samm­lung. 2016, 2017, 2018, 2019, 2020 – 1500 Weih­nachts-Über­ra­schungs­tü­ten für Kin­der kamen eigent­lich immer zusam­men. „Weih­nachts­en­gel aus dem Wed­ding“ titel­te mei­ne Zeitung.

Doch das Enga­ge­ment für die Schwächs­ten endet nicht mit denn Weih­nachts­ak­tio­nen. In den sozia­len Medi­en nutzt Ebru Schae­fer bis heu­te ihre vie­len Kon­tak­te, um unkom­pli­ziert und schnell alles zu besor­gen, was Fami­li­en und Kin­der in Not benö­ti­gen – sei es Klei­dung, sei es ein Kin­der­wa­gen oder sei­en es Hygie­ne­ar­ti­kel. In die­sem Jahr hat die enga­gier­te Frau aus dem Wed­ding trotz erschwer­ter Coro­nabe­din­gun­gen erst­mals eine zusätz­li­che Spen­den­ak­ti­on zum Schul­an­fang orga­ni­siert. Sie sam­mel­te Schul­tü­ten und Schul­ma­te­ri­al für die Kin­der in den Unter­künf­ten. Sie macht das ein­fach so, ohne Trä­ger, ohne Auf­trag, ohne För­der­be­scheid – weil es ihr ein Bedürf­nis ist. Man sagt heu­te manch­mal: Weil sie es kann.

Ebru Schae­fers Herz ist groß, ihr Wil­le, zu hel­fen, noch grö­ßer. Wo es ihr nötig erscheint, packt sie an. Sie fährt schon mal ganz früh an einem Sams­tag­mor­gen Hilfs­gü­ter quer durch die Stadt, sam­mel­te in ihrer Woh­nung lan­ge Zeit aus Man­gel an einem Lager­raum Sach­spen­den für ihre wohl­tä­ti­gen Aktio­nen. Beim Floh­markt im Kiez ver­kauf­te sie tür­ki­sche Spe­zia­li­tä­ten – um den Erlös kom­plett für Men­schen in Not zu spenden.

Sel­ten ist mir ein so selbst­lo­ser, freund­li­cher und offe­ner Mensch begeg­net wie Ebru Schae­fer. Und wie viel Ener­gie sie hat! Weder ihre eige­ne Krebs­er­kran­kung noch die schwe­re Coro­na­er­kran­kung ihres Man­nes konn­te sie für län­ge­re Zeit von ihrem Enga­ge­ment abhal­ten. Wochen­lang muss­te sie Anfang des Jah­res ernst­haft um das Leben ihres Man­nes ban­gen, ihre drei Kin­der allein betreu­en – um ande­re, um Schwä­che­re sorg­te und küm­mer­te sie sich trotz allem.

Wenn man sie fragt, war­um sie das macht, sagt sie, dass es uns allen doch so gut gehe, so viel bes­ser als jenen, denen sie Hil­fe anbie­tet. „Jedes Kind soll­te mit einem Lächeln durch die Welt gehen“ steht auf ihrem Face­book-Pro­fil. Für die­ses Ziel setzt sie sich uner­müd­lich ein. Pro­ble­me sind dazu da, aus dem Weg geräumt zu wer­den: Ärmel hoch und los. Das ist die Maxi­me von Ebru Schaefer.

Mit ihrem Enthu­si­as­mus reißt sie vie­le Men­schen mit. Bei der Weih­nachts-Pack­ak­ti­on im Dezem­ber 2019 konn­te ich das per­sön­lich erle­ben. Wenn Ebru Schae­fer die Ärmel hoch­krem­pelt und mit guten Bei­spiel vor­an geht, krem­peln vie­le Men­schen eben­falls die Ärmel hoch und unter­stüt­zen sie. Ihr Bei­spiel ist ein Vor­bild für vie­le. Mich hat das Enga­ge­ment von Ebru Schae­fer immer wie­der sehr beeindruckt.

Ich bin sicher, ich wer­de noch oft einen Anlass haben, über sie in der Zei­tung zu berich­ten. Doch mehr Wert­schät­zung als ein Arti­kel in einer Zei­tung oder im Inter­net habe ich lei­der nicht zu ver­ge­ben. Des­halb bin ich froh, dass der Bezirk mei­nem Vor­schlag gefolgt ist, Ebru Schae­fer mit der Bezirks­ver­dienst­me­dail­le aus­zu­zeich­nen. Ich fin­de, sie hat jede Aus­zeich­nung verdient.

Dan­ke, Ebru für die Inspi­ra­ti­on, Dein Hin­schau­en, Dein Dran­blei­ben, für Dei­ne Offen­heit. Dan­ke für Dein gro­ßes Herz und Dei­ne uner­müd­li­che Power!

Anmerkung

Neben Ebru Schae­fer wur­den wei­te­re Men­schen aus dem Bezirk aus­ge­zeich­net. Geehrt wur­den Akteur:innen der zen­tra­len bezirk­li­chen Gedenk­ver­an­stal­tung zum 9. Novem­ber 1938 – Lehrer:innen ver­schie­de­ner Schu­len (bei­spiels­wei­se des Les­sing-Gym­na­si­ums) und eine Ver­tre­te­rin des Grips Thea­ters. Mehr dazu steht in der Pres­se­mit­tei­lung des Bezirks.

Der Wed­ding­wei­ser hat bereits mehr­fach über Ebru Schae­fers Aktio­nen berich­tet: Berich­te über Ebru Schaefer

Dominique Hensel

Dominique Hensel lebt und schreibt im Wedding. Sonntags gibt sie hier den Newsüberblick für den Stadtteil, fotografiert dort für unseren Instagram-Kanal (Freitag) und hat hier und da einen aktuellen Text für uns - gern zum Thema Stadtgärten, Kultur, Nachbarschaft und Soziales. Hyperlokal hat sie es auf jeden Fall am liebsten und beim Weddingweiser ist sie fast schon immer.

3 Comments

  1. Hal­lo, Domi­ni­que Hensel,
    ich bin sehr von dem Enga­ge­ment von Frau Ebru Schä­fer beein­druckt und wür­de ger­ne bei dem Pro­jekt mit­hel­fen. Woh­ne selbst im Wedding.
    Wäre es mög­lich, dass über Sie eine Ver­bind­gung her­ge­stellt wer­den kann? Ich bin nicht bei facebook.
    Vie­le Grü­ße und bereits heu­te dan­ke für Ihre Mühe, Caro­la Dötschel

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