Bunte Spuren im grauen Weddinger Winter

Foto: Annika KeilenMit grimmigem Gesicht schlage ich mich durch die Massen, die mit eiligen Schritten aus der S-Bahn huschen. Ihre Gesichter verstecken sich hinter Wollmützen und dicken Schals. Der Winter ist da. Nicht irgendein Winter, sondern der gefürchtete Berliner Winter –  grau und endlos. Von meinem Fenster am Nettelbeckplatz aus konnte ich genau verfolgen, wie die letzten Blätter ihre bunte Farbe verloren und in eine braune Biomasse übergingen. Übrig blieben Matsche, nackte Bäume und Hoffnung. Hoffnung auf die ein oder andere Oase, die es hilft auch bei eisigen Temperaturen den Weddinger Winter zu überleben. Am Nettelbeckplatz spreche ich eine Dame mittleren Alters an und frage sie nach farbenfrohen Orten im Wedding. „Ick kenn keenen bunten Ort hier. Hier is allet trüb. Aber viel Glück noch.“ Trotz dieser nicht so erfolgsverheißenden Antwort setzte ich meine Suche fort.

Reinickendorfer Straße: Viel Charakter

Eine glanzlose, nicht ganz geradlinige Straße wie die Reinickendorfer verdient wie so viele Weddinger Straßen einen zweiten Blick. Die einzige Bundesstraße des Wedding (B 96) durchzieht unseren Stadtteil von Nord nach Süd genau an der 2001 recht willkürlich gezogenen Grenze zwischen Wedding und Gesundbrunnen. Doch gerade diese vermeintlich nichtssagende Straße ohne Sehenswürdigkeiten ist typisch für die Weddinger Mischung und erzählt viel vom Charakter unseres dichtbesiedelten Stadtteils.

Unverblümt #8: Die Kulturexpedition geht in die nächste Runde

Plakate unverblümt #8
Plakate unverblümt #8 (c) georg+georg

Nach dem die unverblümt-Kulturexpedition in ihrer letzten Auflage das ehemalige Krematorium an der Gerichtstraße Ecke Adolfstraße bespielt hat, gibt es an diesem Freitag wieder eine echte Expedition durch die Weddinger Urbanität. Vorlesen aus einem Telefonbuch am S-Bahnhof Wedding? Städtische Architektur der 50er Jahre? Oder einfach mal eine ganz normale Moschee im Wedding von innen betrachten? Alles ist möglich. Los geht’s am 15. April, kinderfreundlich um 17:00 Uhr. Und auch dieses Mal gilt: wer Hunger hat, bringe gern Geschirr mit – die WeddingWandler und ihr Küchenfahrrad freuen sich dann.

Centre Français und anderswo: die Fête de la Musique wird bunt!

NettelbeckplatzDie Skandinavier begehen am 21. Juni seit Menschengedenken Mittsommer – während die Franzosen seit 1982 auf Initiative des damaligen Kulturministers Jack Lang ein landesweites, kostenloses Open-Air-Musik-Festival feiern. In keiner französischen Altstadt kann man an diesem längsten Tag des Jahres den musikalischen Klängen entgehen. Ab dem Jahr 1995 hat auch Berlin mit zahllosen Bühnen nachgezogen, und seit ein paar Jahren gibt es auch im Wedding ein paar Ableger dieses stimmungsvollen Festivals.

Auf Linie: Der M 27, die Weddinger Schnecke

Busse im Wedding³Wer hätte das gedacht: Als der M 27 im Dezember 2004 eingeführt wurde, durfte ihn die BVG nur probeweise als Metrobus titulieren. Denn: Der M 27 würde so schnell wie die S-Bahn sein und ihr deshalb Fahrgäste wegnehmen, so die damalige Befürchtung der Deutschen Bahn. Doch als flinkes Wiesel werden die meisten Fahrgäste den M 27 wohl nicht assoziieren, eine gelbe Schnecke trifft es da schon eher