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SoLaWi: Anders einkaufen im Wedding

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Den Wochen­ein­kauf schnell beim nächs­ten Super­markt erle­digt, viel­leicht noch schnell ein Brot beim Hand­werks­bä­cker oder das Gemü­se beim tür­ki­schen Gemü­se­händ­ler dazu­ge­kauft. Das ist eine Mög­lich­keit, die Lebens­mit­tel zu erwer­ben. Eine ande­re Metho­de hat sich auch im Wed­ding offen­bar immer wei­ter ver­brei­tet, ohne dass im öffent­li­chen Raum irgend­wo ein gro­ßes Wer­be­schild auf­ge­taucht wäre: die SoLa­Wis. Das sind soli­da­ri­sche Ein­kaufs­ge­mein­schaf­ten. Im Wed­ding gibt es inzwi­schen sehr vie­le davon, Abhol­sta­tio­nen gibt es nahe­zu in jedem Kiez meh­re­re. Hier ist eine Übersicht.

Das war ein halber Ernteanteil des Spörgelhofs an der Abholstelle im Centre Francais am 21. September. Foto: Hensel
Das war ein hal­ber Ern­te­an­teil des Spör­gel­hofs an der Abhol­stel­le im Cent­re Fran­cais am 21. Sep­tem­ber. Foto: Hensel

SoLaWi: Sich die Ernte teilen

Sola­wi steht für Soli­da­ri­sche Land­wirt­schaft. Meh­re­re Verbraucher:innen schlie­ßen sich dabei zu einer Ein­kaufs­ge­mein­schaft zusam­men, die gemein­sam regel­mä­ßig bei einem Erzeu­ger oder einer Erzeu­ger­ge­mein­schaft ein­kau­fen. Sie zah­len einen monat­li­chen Betrag und erhal­ten dafür meist wöchent­lich einen Anteil der Ern­te. Mit einer Mit­glied­schaft ver­pflich­tet man sich für eine Sai­son und garan­tiert dem Erzeu­ger die Abnah­me von Obst, Gemü­se, Saft oder ande­rem. Für die Landwirt:innen ent­fällt unter ande­rem das Ver­triebs­ri­si­ko, die Ein­nah­men sind von Sai­son­be­ginn bis ‑ende unab­hän­gig von den Ern­te­er­trä­gen der ein­zel­nen Pro­duk­te sicher. Äpfel, Ruco­la, Man­gold und Co. wer­den dabei an die Abhol­sta­ti­on gelie­fert und dort abgeholt.

Zur Idee gehört auch, dass die Wert­schät­zung und das Wis­sen über die Pro­duk­te erhöht wer­den sol­len. Daher gehö­ren bei den meis­ten SoLa­Wis zwei oder drei Mal in der Sai­son Mit­machein­sät­ze auf dem Feld oder im Gewächs­haus dazu. SoLa­Wis gibt es schon seit mehr als 30 Jah­ren. Zwi­schen 2008 und 2020 sind jedoch sehr vie­le dazu gekom­men. Inzwi­schen gibt es inDeutschand fast 300.

Grund­sätz­lich funk­tio­nie­ren die Ein­kaufs­ge­mein­schaf­ten gleich, im Detail unter­schei­den sie sich jedoch. So bie­ten man­che Pro­be­mit­glied­schaf­ten an, ande­re nicht. Um die pas­sen­de zu fin­den, sol­le man sich vor­ab gut infor­mie­ren. Da es im Ber­li­ner Umland vie­le Land­wirt­schafts­be­trie­be gibt, gibt es in der Haupt­stadt ein sehr gro­ßes Ange­bot an SoLa­Wis. Wer zu einer sol­che Metho­de greift, unter­stützt regio­na­le Erzeuger:innen und kann oft mit­be­stim­men, was ange­baut wird und was es kos­tet. Auf der Web­sei­te des Netz­werks soli­da­ri­sche Land­wirt­schaft kann jede:r eine SoLa­Wi mit Abhol­sta­ti­on in der Nähe fin­den. Nicht alle haben immer freie Plät­ze. Weil die neue Sai­son im Früh­jahr beginnt, lohnt es sich, im Herbst bereits nachzufragen.

SoLaWis mit Abholstation im Wedding

Luch-Gärtnerei im Havelland

Wöchent­lich brin­gen Ange­li­ka Fiet­ze-Gla­we und Rai­ner Gla­we Gemü­se, Obst, Eier und Säf­te in Bio­qua­li­tät nach Ber­lin. Ihre Luch-Gärt­ne­rei befin­det sich in Möth­low im Havel­land. Von A wie Apfel und Auber­gi­ne bis Z wie Zuc­chi­ni und Zwie­beln ist alles im Anbau­plan zu fin­den, was die Mit­glie­der benö­ti­gen. Auch ess­ba­re Blü­ten und Kräu­ter ste­hen im Pro­gramm. In Ber­lin gibt es der­zeit drei Abhol­stel­len (Wed­ding, Moa­bit, Neu­kölln). Die Abhol­stel­le im Wed­ding befin­det sich in der Biesen­ta­ler Stra­ße im Sol­di­ner Kiez. 

Die fami­li­en­geführ­te soli­da­ri­sche Land­wirt­schaft pro­du­ziert regio­nal, bio und natür­lich sai­so­nal. Auf Hybrid­saat­gut und Kunst­dün­ger-Zukauf wird ver­zich­tet. Mit­glie­der zah­len monat­lich 65 Euro (vegan) oder 70 Euro (mit Eiern) für den Ern­te­an­teil. Min­des­tens vier­mal im Jahr gehört das Raus­fah­ren auf den Hof zum Mit­macht­tag dazu. Jeden zwei­ten Sams­tag im Monat ist das theo­re­tisch mög­lich. Mit einem Pro­be­mo­nat kann jeder­zeit begon­nen wer­den. Mehr Infos gibt es unter www.luchgaertnerei.de.

Gemüse Syndikat

Das Gemü­se Syn­di­kat ist eine soli­da­ri­sche Land­wirt­schaft des Auen­hofs im Havel­land. Der Hof liegt in Parey/Havelaue, rund 120 Kilo­me­ter von Ber­lin ent­fernt. Es wur­de Anfang 2020 gegrün­det. „Radi­kal sai­so­nal – radi­kal regio­nal – radi­kal sozi­al“ beschreibt sich die Ein­kaufs­ge­mein­schaft selbst. Die Grund­sät­ze des Gemü­se Syn­di­kats sind, neben guten Anbau- und Arbeits­be­din­gun­gen, vor allem Soli­da­ri­tät und Bezie­hung: in der jähr­li­chen soli­da­ri­schen Bie­terun­de legt jede:r den Preis selbst fest, abhän­gig von dem, was er/sie geben kann. Es kann jetzt also jetzt noch nicht gesagt wer­den, was eine Mit­glied­schaft ab der nächs­ten Sai­son kos­tet – dar­über ent­schei­den die Mitglieder. 

Der Auen­hof wirt­schaf­tet bio­lo­gisch-dyna­misch, ist aber nicht zer­ti­fi­ziert. Es wird aus­schließ­lich samen­fes­tes Saat­gut ver­wen­det, Jung­pflan­zen wer­den selbst gezo­gen. Im Ange­bot sind Gemü­se, Kräu­ter und Obst aus regio­na­lem Anbau. Abhol­sta­tio­nen im Wed­ding befin­den sich im Baum­haus in der Gericht­stra­ße und in der PA58 in der Prin­zen­al­lee. Die Depots wer­den von den Mit­glie­dern vor Ort orga­ni­siert. Beim Gemü­se Syn­di­kat gibt es kei­ne Pflicht zum Mit­ma­chen auf dem Feld. Die Mit­glie­der sind aber dazu ein­ge­la­den. Mehr Infos gibt es unter www.auenhof-havelland.de/solawi/gemuese-syndikat/.

Biokräuterei Oberhavel

Die Biokräuterei wirtschaftet in Oranienburg. Foto: Richard Freiraum
Die Bio­kräu­te­rei wirt­schaf­tet in Ora­ni­en­burg. Foto: crea­ti­ve com­mons by  sta­te artist [email protected]‑habit.at

Die Bio­kräu­te­rei befin­det sich in Ora­ni­en­burg. Der­zeit ver­sorgt sie über 200 Mit­glie­der mit regio­nal ange­bau­tem Gemü­se aus bio-rege­ne­ra­ti­vem Anbau. Die Mit­glie­der bekom­men – je nach Jah­res­zeit – einen bun­ten Mix an regio­na­len Pro­duk­ten: von Toma­ten über Gur­ken, bis zu fri­schem Man­gold und far­ben­fro­hen Kür­bis­sen, Kräu­tern und auch Bee­ren­obst. Mit­glie­der zah­len etwas einen monat­li­chen Bei­trag von 85 Euro und bekom­men dafür eine wöchent­li­che Gemü­se­lie­fe­rung an die selbst gewähl­te Abhol­sta­ti­on. Die Höhe des Betrags wird jedes Jahr neu fest­ge­legt und basiert auf den geschätz­ten Kos­ten für die land­wirt­schaft­li­che Produktion. 

Pro Ern­te­an­teil ist ein zwei­ma­li­ger Ein­satz auf dem Hof pro Sai­son erfor­der­lich. Inter­es­sen­ten kön­nen jeder­zeit einen Antrag auf Mit­glied­schaft stel­len und in der nächs­ten Sai­son mit ein­stei­gen. Die neue Sai­son star­tet jedes Jahr im Mai. Abhol­sta­tio­nen im Wed­ding sind im Baum­haus in der Gericht­stra­ße, in der Mal­plaquet­stra­ße, in der Frei­en­wal­der Stra­ße, im Mas­tul in der Lie­ben­wal­der­stra­ße und in der Grün­ta­ler Stra­ße. Mehr Infos gibt es unter www.biokraeuterei.de/solawi/.

GemüseGenossenschaft PlantAge

Frisch geerntet bei PlantAge. Foto: Brix & Maas

Die Gemü­se­Ge­nos­sen­schaft Plan­tA­ge lie­fert seit 2019 wöcht­ent­lich vom Acker in Frank­furt (Oder) nach Ber­lin, Pots­dam und Frank­furt (Oder). Im Ange­bot ist sai­so­na­les Gemü­se aus bio­zy­klisch-vega­nem Anbau. Seit Juni 2021 ist Plan­tA­ge offi­zi­ell bio­zy­klisch-vegan zer­ti­fi­ziert (regio­nal, tier­leid­frei, soli­da­risch). Im Ange­bot ist eine regio­na­le Voll­ver­sor­ung mit Gemü­se, Obst, Brot, Saft, Nudeln, Pflan­zen­milch und wei­te­ren Pro­duk­ten. Der Ein­stieg in die Genos­sen­schaft geht bei Plan­tA­ge Schritt für Schritt. Nach einer sechs­wö­chi­gen Test­pha­se folgt ein Jah­res­ern­te­ver­trag und schließ­lich ein Bei­tritt zur Genos­sen­schaft. Mit 79 Euro im Monat ermög­li­chen die Mit­glie­der den Mit­ar­bei­ten­den ein siche­res Ein­kom­men und Pla­nungs­si­cher­heit. Für die Mit­glied­schaft in der Genos­sen­schaft wird dann noch eine Genos­sen­schafts­an­teil von 150 Euro fällig. 

Ver­pflich­ten­de Ern­te­ein­sät­ze gibt es bei der Gemü­se­Ge­nos­sen­schaft nicht. Ihr Enga­ge­ment kön­nen die Mit­glie­der selbst fest­le­gen. Auch sonst ist nicht viel zu tun: der Hof baut das Gemü­se an, orga­ni­siert das gan­ze Drum­her­um und bringt das Gemü­se in die Ver­teil­sta­tio­nen. Die Wed­din­ger Ver­teil­sta­ti­on ist das CU Office im Brüs­se­ler Kiez, eine wei­te­re in der Gericht­stra­ße 23. Mehr Infos gibt es unter www.plantage.farm/solawi.

Foto: Fre­de­rik und Judith von Plan­tA­ge mit Ern­te­gut. Foto: Brix & Maas

Sterngartenodyssee

Die Stern­gar­ten­o­dys­see ist eine Koope­ra­ti­on von öko­lo­gisch wirt­schaf­ten­den Betrie­ben und selbst­ver­wal­te­ten Abneh­mer­grup­pen. Gemein­sam wird eine Ver­sor­gung mit Gemü­se, Obst und Saft orga­ni­siert. Die pro­du­zie­ren­de Land­wirt­schafts­be­trie­ben befi­nen sich in der Nähe rund um Leip­zig, in der Mär­ki­schen Schweiz bei Buc­k­ow, bei Pots­dam und bei Hal­le. Die Ver­sor­gung fin­det im Umfeld die­ser Städ­te statt. Die Stern­gar­ten­o­dys­see star­te­te 2013 mit drei Abhol­sta­tio­nen in Ber­lin – Neu­kölln, Tem­pel­hof und Prenz­lau­er Berg. 

SoLaWi-Lieferung im Baumhaus. Die Mitglieder holen ihren Ernteanteil selbst ab. Foto: Baumhaus Berlin
SoLa­Wi-Lie­fe­rung im Baum­haus. Die Mit­glie­der holen ihren Ern­te­an­teil selbst ab. Auch Gemü­se der Stern­gar­ten­o­dys­see ist dabei. Foto: Baum­haus Berlin

Heu­te gibt es im Wed­ding gleich sie­ben Abhol­sta­tio­nen, die über alle Kieze ver­streut sind. Unter ande­rem gibt es Depots im Super­Coop in den Osram­hö­fen, im Baum­haus in der Gericht­stra­ße, in der PA58 in der Prin­zen­al­le und im Kiez­haus Agnes Rein­hold in der Afri­k­an­si­chen Stra­ße. Die Teil­nah­me ist mit einem monat­li­chen Bei­trag von 100 Euro ver­bun­den und umfasst die Ver­sor­gung mit Gemü­se, Obst und Saft. Der Ein­zel­ne soll­te sich auf min­des­tens drei Tage im Jahr für die Mit­ar­beit auf den Höfen und bei der Lie­fer­tour ein­rich­ten. Die Aus­lie­fe­rung ist eine Gemein­schafts­auf­ga­be. Mehr Infos gibt es unter www.sterngartenodyssee.de.

SpeiseGut

Das Spei­se­Gut baut seit 2013 auf meh­re­ren Flä­chen in Gatow Lebens­mit­tel an, dazu kom­men meh­re­re Streu­land­wie­sen. Die Pro­duk­te kön­nen auch im Regio­nal­la­den „Alte Feu­er­wa­che” erwor­den wer­den. Der Anbau des Gemü­ses erfolgt über­wie­gend mit samen­fes­ten Sor­ten. Alle Pro­duk­te wer­den regio­nal nach öko­lo­gi­schen Kri­te­ri­en und unter fai­ren Arbeits­be­din­gun­gen erzeugt. Spei­se­Gut ist Natur­land-Fair-zer­ti­fi­ziert. Die Flä­chen der SoLa­Wi lie­gen zum Groß­teil im Ber­li­ner Stadt­ge­biet, die Lie­fer­we­ge sind daher beson­ders kurz. 

Zu den 23 Depots in Ber­lin kom­men Gemü­se, Kräu­ter, Eier, Wurst­wa­ren, Saft mit elek­tri­schen Lie­fer­wa­gen. Neue Depot-Stand­or­te kön­nen vor­ge­schla­gen wer­den. Der­zeit gibt es zwei Depots im Wed­ding – eins in der Fabrik Oslo­er Stra­ße, eins in der Ber­nau­er Stra­ße. Die Depots wer­den von den Mit­glie­dern orga­ni­siert, jede:r soll min­des­tens die Acker­ein­sät­ze im Jahr mit­ma­chen. Auf den Mit­glie­der­ver­samm­lun­gen wird über Wirt­schafts­pla­nung, Anbau­pla­nung und die Monats­bei­trä­ge dis­ku­tiert und abge­stimmt. Aktu­ell kos­ten ein Ern­te­an­teil zwi­schen 60 Euro (Anteil für Sin­gles) und 105 Euro. Mehr Infos gibt es unter www.speisegut.com.

Kiez & Land

Kiez & Land ist eine Initia­ti­ve aus Ber­lin, die sich mit der Land­wir­tin Mar­ga­re­te Peschken in Stie­row (Meck­len­burg-Vor­pom­mern) zusam­men­ge­tan hat. Mar­ga­re­te Peschken stammt ursprüng­lich aus Ber­lin, hat sich mit dem Hof in Stie­row einen traum erfüllt. Dort baut sie vie­ler­lei bekann­te, aber auch fast ver­ges­se­ne Gemü­se­sor­ten und Obst nach öko­lo­gi­schen Kri­te­ri­en an. Außer­dem kul­ti­viert und ver­kauft sie altes Saat­gut. Im Som­mer bringt sie ein Mal die Woche Ern­te­gut nach Ber­lin, im Win­ter alle zwei Wochen. Weil der Hof rela­tiv weit weg von Ber­lin ist, besteht kei­ne Pflicht zu Ern­te­ein­sät­zen, die Mög­lich­keit besteht aber. Kiez & Land ist eine selbst­or­ga­ni­sier­te Grup­pe. Jede:r, der einen Ern­te­an­tei­le bekommt, über­nimmt aber je nach Kapa­zi­tät grö­ße­re oder klei­ne­re Auf­ga­ben im Rah­men unse­rer soge­nann­ten Stadteinsätze. 

Das Gemü­se von Kiez & Land ist bis auf weni­ge Aus­nah­men Bio-Gemü­se. Zunächst ver­kauf­te die Land­wir­tin ihre Pro­duk­te auf Ber­li­ner Märk­ten, etwa auf dem Koll­witz­platz. Seit 2012 arbei­tet sie mit der soli­da­ri­schen Land­wirt­schaft als direk­tes Ver­mark­tungs­kon­zept. Eine zwei­mo­na­ti­ge Pro­be­mit­glied­schaft ist mög­lich. Die Mit­glie­der bestim­men wie bei allen SoLa­Wis mit. Drzeit kos­tet eine Mit­glied­schaft 73 Euro. Im Wed­ding gibt es der­zeit eine Abhol­sta­ti­on in der Fabrik Oslo­er Stra­ße. Mehr Infos gibt es unter www.kiezundland.wordpress.com.

Frisch vom Feld: Bio-Gemüse an der Abholstelle im Centre Francais. Foto: Hensel
Frisch vom Feld: Bio-Gemü­se vom Spör­gel­hof an der Abhol­stel­le im Cent­re Fran­cais. Foto: Hensel

Spörgelhof

Zu Besuch auf dem Spörgelhof. Foto: Centre Francais

Den Spör­gel­hof gibt es seit 2014. Er ist ein wach­sen­des Kol­lek­tiv von Men­schen aus Ber­lin und dem Bar­nim, die gemein­sam Gemü­se anbau­en. Die SoLa­Wi Spör­gel­hof mit sei­nen zir­ka 2,4 Hekt­ar Acker­flä­che liegt 30 Kilo­me­ter nord­öst­lich Ber­lins bei Lobe­tal, nahe Ber­nau und Wand­litz. Seit Anfang 2021 ist das Kol­lek­tiv eine ein­ge­tra­ge­ne Genos­sen­schaft. Alle, die Gemü­se bekom­men, wer­den Mit­glie­der in der Genos­sen­schaft. Die monat­li­che Bei­trä­ge für die Deckung der Pro­duk­ti­ons­kos­ten wer­den ein Mal im Jahr von den Mit­glie­dern sel­ber bestimmt.

Wer einen Ern­te­an­teil bekommt, bekommt das Jahr über Pro­duk­te wie Honig, Gemü­se, Obst, Kräu­ter und Saft. Der Spör­gel­hof hat sich ver­pflich­tet, den Humus­ge­halt zu erhö­hen und nach­hal­tig mit den Res­sour­cen (Was­ser, Mine­ra­li­en, Boden) umzu­ge­hen. Es wur­de ein Agro­forst­sys­tem eta­bliert: alle 20 Meter gibt es eine Baum­rei­he, die aus hoch­stäm­mi­gen Obst­ge­höl­zer (Apfel, Bir­ne, Kir­sche, Pflau­me) und schnell­wach­sen­den Gehöl­zer (Pap­pel und Wei­den) besteht. Gemü­se wird fast aus­schließ­lich im Mulch ange­baut. Die Wed­din­ger Abhol­stel­le befin­det sich im Cent­re Fran­cais in der Mül­ler­stra­ße. Mehr Infos gibt es unter www.spoergelhof.de.

Foto: Zu Besuch auf dem Spör­gel­hof. Credits: Cent­re Francais

GeLa Staudenmüller

Der Gärt­ner­hof Stau­den­mül­ler ist ein klein­bäu­er­li­cher Fami­li­en­be­trieb in der zwei­ten Genera­ti­on. Seit 1988 arbei­tet das Team nach bio-dyna­mi­scher Anbau­wei­se. Die Hof­flä­che umfasst 24 Hekt­ar, davon sind etwa 9 Hekt­ar acker­bau­lich nutz­bar. Der Hof befin­det sich in Viet­manns­dorf, einem Orts­teil der ucker­mär­ki­schen Stadt Tem­plin im Bio­sphä­ren­re­ser­vats Schorf­hei­de-Cho­rin. Der Gärt­ner­hof ver­wen­det über­wie­gend bio­lo­gisch-dyna­misch erzeug­tes Saat­gut aus samen­ech­ter Neu­züch­tung oder aus Erhal­tungs­zucht bewähr­ter Sor­ten aus Deutsch­land und den Nach­bar­län­dern. Ein gro­ßer Teil der Arbeits­zeit wird in den Auf­bau und den Erhalt der Boden­frucht­bar­keit inves­tiert. Dazu gehö­ren Tier­hal­tung, Kom­post­wirt­schaft, Grün­dün­gung, Prä­pa­ra­te­ein­satz, pflug­lo­se Boden­be­ar­bei­tung und Pferdeeinsatz. 

Fast die Hälf­te der Arbeit erfolgt mit den zwei Haf­lin­gern und den zwei Kalt­blut­stu­ten. Gedüngt wird mit Mist­kom­post von den eige­nen Tie­ren, ver­er­de­tem Kom­post und Pflan­zen­kom­post, auch das Mul­chen gehört auf dem Hof dazu. “Gemein­sam Land­wirt­schaf­ten” (GeLa) zusam­men mit dem Gärt­ner­hof Stau­den­mül­ler kön­nen auch Weddinger:innen, denn eine Abhol­stel­le befin­det sich im Baum­haus in der Gericht­stra­ße. Der­zeit kos­tet die Teil­nah­me pro Monat 85 Euro. Ein Pro­be­mo­nat kos­tet 100 Euro. Mit­glie­der der SoLa­Wi kön­nen an den regel­mä­ßig ange­bo­te­nen Gar­ten­ta­gen teil­neh­men und gemein­schaft­lich auf dem Hof mit­hel­fen. Mehr Infos gibt es unter www.gaertnerhof-staudenmueller.de.

Eine andere Einkaufsgemeinschaft

SuperCoop

Im Wed­ding gibt es neben den klas­si­schen SoLa­Wis eine wei­te­re beson­de­re Ein­kaufs­ge­mein­schaft, Super­Coop in den Osram­hö­fen. Super­Coop ist eine Ein­kaufs­markt mit Voll­sor­ti­ment, in dem fair pro­du­zier­te, regio­nal erzeug­te Bio-Lebens­mit­tel ver­kauft wer­den. Wer ein­kau­fen möch­te, muss Mit­glied der Genos­sen­schaft wer­den – ein Test­ein­kauf ist vor­ab mög­lich. Super­Coop gehört also den Genoss:innen. Mit­glie­der arbei­ten drei Stun­den im Monat im Super­markt und bestim­men über die Ent­wick­lung der Genos­sen­schaft mit. Durch die Betei­li­gung der Mit­glie­der sol­len Kos­ten gespart wer­den. So sind die Prei­se der Pro­duk­te im Super­Coop im Schnitt 15 bis 30 Pro­zent güns­ti­ger als im nor­ma­len Bio­markt. Die Genos­sen­schaft wur­de im Okto­ber 2020 gegrün­det, der Super­markt eröff­ne­te im Sep­tem­ber 2021. Die Gemein­schaft hat der fast 850 Mit­glie­der. Künf­tig soll es für Mit­glie­der auch Abhol­sta­tio­nen für vor­ab online bestell­te Pro­duk­te in ande­ren Kiezen geben. Mehr Infos gibt es unter www.supercoop.de.

Gra­fik: SuperCoop

Gut zu wissen

Die SoLa­Wis unter­schei­den sich von Idee und Umset­zung grund­le­gend von den Abo-Kis­ten, die eben­falls von vie­len Höfen in Bran­den­burg nach Ber­lin gelie­fert wer­den. Hier kauft der Kun­de eine Dienst­leis­tung, die auch kurz­fris­tig be- und abbe­stellt wird. Bei der SoLa­Wi trägt eine Ein­kaufs­ge­mein­schaft „ihren Hof“ gemein­schaft­lich. Es besteht eine enge­re Bin­dung zwi­schen Landwirt:in und Verbraucher:in, mehr Ver­läss­lich­keit für den erzeu­gen­den Betrieb und mehr Trans­pa­renz und Mit­be­stim­mungs­recht für die Konsum:enten.

Nicht alle bestehen­den SoLa­Wis neh­men aktu­ell neue Mit­glie­der auf. Das wech­selt von Sai­son zu Sai­son. Manch­mal kön­nen aber auch neue Abhol­sta­tio­nen ein­ge­rich­tet wer­den, wenn sich genug Interessent:innen fin­den. Auf der Sei­te https://ernte-teilen.org sol­len Men­schen zusam­men­ge­bracht wer­den, die sich gemein­sam über eine SoLa­Wi ver­sor­gen möchten.

Es gibt einen inter­es­san­ten Aus­schnitt eines Doku­men­tar­films, der Men­schen im Ber­li­ner Umland por­trä­tiert, die nach dem Prin­zip der soli­da­ri­schen Land­wirt­schaft arbei­ten. Der Film wur­de über Crowd­fun­ding finan­ziert und befin­det sich in der Fer­tig­stel­lung. Rein­schau­en kann man hier (zir­ka 4:30 Minu­ten): www.startnext.com/ernte-teilen

–> Haben wir eine SoLa­Wi ver­ges­sen? Bit­te kom­men­tiert oder schickt eine E‑Mail an [email protected] – wir ergänzen!

Dominique Hensel

Dominique Hensel lebt und schreibt im Wedding. Jeden zweiten Sonntag gibt sie hier den Newsüberblick für den Stadtteil. Die gelernte Journalistin schreibt für den Blog gern aktuelle Texte - am liebsten zu den Themen Stadtgärten, Kultur, Nachbarschaft und Soziales. Hyperlokal hat Dominique es auf jeden Fall am liebsten und beim Weddingweiser ist sie fast schon immer.

2 Comments

  1. Die­se Idee der SoL­Wis fin­de ich sehr gut. Lei­der ist sie für mich nicht mach­bar, was soll eine allein­ste­hen­de alte Frau mit die­sen wöchent­li­chen Men­gen anfangen?
    Was ich sehr ver­mis­se, sind die Stän­de, die frü­her auf dem Markt am Leo, angeb­lich der ers­te Bio­Markt in Ber­lin, zu fin­den waren.
    Dort war ich vor sei­ner Neu­ge­stal­tung regel­mä­ßig ein­kau­fen. Jetzt zieht mich nichts mehr dorthin.

    • Hal­lo Hei­di, bei mei­ner Recher­che und den Gesprä­chen mit den Teil­neh­men­den war ich über­rascht, wie fle­xi­bel die SoLa­Wis sind. Man kann zum Bei­spiel auch einen hal­ben Ern­te­an­teil neh­men. Das ist für Allein­ste­hen­de eine gute Vari­an­te. Und gera­de traf ich in mei­nem Kiez zufäl­lig jeman­den, der sich sei­nen Anteil mit einer Nach­ba­rin geteilt hat. Falls Du Inter­es­se hast, wür­de ich mir ein­fach eine SoLa­Wi aus­su­chen und mal nach­fra­gen, was­mög­lich ist. Vie­le Grüße!

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