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Parkraumbewirtschaftung im Wedding:
Nächstes Jahr – unter Vorbehalt

Auch im Wedding rückt die Parkraumbewirtschaftung näher. Die Einführung ist aber komplizierter als man denkt.
19. Mai 2021

“Zwei neue Park­zo­nen gehen in Moa­bit in Betrieb”, “Park­zo­nen im Rat­haus­vier­tel und im West­fä­li­schen Vier­tel”, “Neue Park­raum­be­wirt­schaf­tungs­zo­ne Ste­phan­kiez / Lehr­ter Stra­ße”, Park­zo­ne 73 (Hut­ten­kiez) und Park­zo­ne 76 (Euro­pa-City) vor­aus­sicht­lich zum 1. August 2021 in Betrieb”: Monat­lich hagelt es seit Anfang des Jah­res Pres­se­mel­dun­gen des Bezirks­am­tes Mit­te zur Aus­wei­sung neu­er Zonen der Park­raum­be­wirt­schaf­tung. Gebie­te im Wed­ding fin­den sich nicht dar­un­ter. Noch nicht.

Denn zunächst ist Moa­bit an der Rei­he. Bis zum Sep­tem­ber wird unser benach­bar­ter Orts­teil vor­aus­sicht­lich voll­stän­dig park­raum­be­wirt­schaf­tet sein – vom Wed­ding dage­gen nur ein win­zi­ger nahe­zu unbe­wohn­ter Zip­fel rund um Bay­er Phar­ma. “Wei­te­re Zonen der Park­raum­be­wirt­schaf­tung in Ber­lin-Mit­te (Wed­ding) sind für Ende 2021/Anfang 2022 ange­dacht”, heißt es in der neu­es­ten Erklä­rung vom 12. April. Und nach dem Kom­ma: “vor­be­halt­lich bis­her nicht kal­ku­lier­ba­rer Ent­wick­lun­gen”. Nicht kal­ku­lier­ba­rer Ent­wick­lun­gen? Soll das etwa eine Umschrei­bung für den unge­wis­sen wei­te­ren Ver­lauf der Coro­na-Pan­de­mie sein? Die Kon­trol­le von Falsch­par­kern fin­det doch an der fri­schen Luft statt, wo die Anste­ckungs­ge­fahr nur sehr gering ist! Oder ist das ein ver­steck­ter Hin­weis auf die Wahl am 26. Sep­tem­ber, bei der ja auch die poli­ti­sche Zusam­men­set­zung des Bezirks­amts neu aus­ge­rich­tet wird? Gegen die Park­raum­be­wirt­schaf­tung pole­mi­siert inzwi­schen jedoch noch nicht ein­mal mehr die CDU, nach der Wahl wird sich in die­sem Punkt des­halb ver­mut­lich auch nichts groß­ar­tig ändern. Einen Hin­weis zum Ver­ständ­nis die­ser drei Wor­te lie­fert der unmit­tel­bar fol­gen­de Satz: “Die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der Park­raum­über­wa­chung wer­den ab dem Zeit­punkt der jewei­li­gen Akti­vie­rung in den neu­en Park­raum­zo­nen kon­trol­lie­ren und freu­en sich stets über per­so­nel­le Verstärkung.”

Detail eines Fahrscheinautomaten

Die Wor­te “per­so­nel­le Ver­stär­kung” sind dabei als Link for­ma­tiert, klickt man ihn an, so lan­det man bei den aktu­el­len Stel­len­an­ge­bo­ten des Bezirks, einer ziem­lich lan­gen Lis­te. Wahr­schein­lich ist damit der Bereich der “nicht kal­ku­lier­ba­ren Ent­wick­lun­gen” umschrie­ben. Denn der Aus­bau der Park­raum­be­wirt­schaf­tung im Bezirk Mit­te ist ein sehr ehr­gei­zi­ges Pro­jekt. In den sie­ben neu­en Park­zo­nen von Moa­bit und Han­sa­vier­tel woh­nen etwa 84.000 Men­schen, in den sie­ben geplan­ten Zonen der Orts­tei­le Wed­ding und Gesund­brun­nen noch ein­mal 140.000. Zusam­men sind also fast zwei Drit­tel der Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner von Mit­te betrof­fen, etwa dop­pelt so vie­le wie bis­her, wobei der klei­ne­re Bro­cken erst mal ver­daut sein muss, bevor der ganz gro­ße in Angriff genom­men wer­den kann.

180 neue Jobs

Hinweisschild


Für die Park­raum­über­wa­chung in Moa­bit und im Wed­ding sind ins­ge­samt etwa 180 zusätz­li­che Mit­ar­bei­ter not­wen­dig. Zwar ver­fügt der Arbeits­markt der­zeit über aus­rei­chen­de Kapa­zi­tä­ten (neben­bei – kommt da etwa eine Heer­schar künst­le­risch hoch­ge­bil­de­ter “Mitarbeiter/innen in der Park­raum­kon­trol­le” auf uns zu?). Aber die neu­en Kräf­te müs­sen ja auch aus­ge­bil­det und ange­lei­tet wer­den. Man braucht qua­li­fi­zier­te Fach­leu­te für die Koor­di­na­ti­on, die Per­so­nal­ver­wal­tung, die Abrech­nung und die IT-Aus­stat­tung, zudem müs­sen natür­lich auch die unzäh­li­gen Anwoh­ner­vi­gnet­ten von irgend­je­man­dem aus­ge­ge­ben wer­den. Und außer­dem benö­tigt man Räu­me, wo die Mit­ar­bei­ter Büro­ar­bei­ten erle­di­gen kön­nen, sich umzie­hen, duschen etc. Das alles zu orga­ni­sie­ren erfor­dert einen Kraft­auf­wand, der wäh­rend der Pan­de­mie nicht mal so neben­bei aus dem Home-Office her­aus geleis­tet wer­den kann.


Des­halb müs­sen sich die Wed­din­ger Auto­be­sit­zer noch etwas gedul­den. Vor­erst wer­den sie wei­ter­hin auf der Suche nach frei­en Park­plät­zen ihre Run­den durch die Kieze dre­hen müs­sen. Wenn die Park­raum­be­wirt­schaf­tung erst mal ein­ge­führt ist, wird sich der Zeit­auf­wand dafür dras­tisch redu­zie­ren. Dann wird man frei­lich sei­nen Besuch (der hof­fent­lich bald wie­der erlaubt sein wird) dar­um bit­ten müs­sen, zu Fuß, mit dem ÖPNV oder mit dem Fahr­rad zu kom­men und nicht mit dem eige­nen Auto. Denn das Igno­rie­ren der Park­raum­be­wirt­schaf­tung wird teu­rer als bis­her: Für ein­fa­ches Falsch­par­ken ste­hen ab Spät­som­mer 35 Euro zu Buche.

PS: Wer sich für einen Job beim Ord­nungs­amt inter­es­siert, kann sich auch initia­tiv bewer­ben, muss also nicht war­ten, bis eine offi­zi­el­le Stel­len­aus­schrei­bung erscheint. Mehr Infor­ma­tio­nen

Autor: Chris­tof Schaffelder

Die­ser Bei­trag erschien zunächst in der Zeit­schrift Ecke Mül­lerstra­ße

5 Din­ge, die ihr zur Park­raum­be­wirt­schaf­tung im Wed­ding wis­sen müsst – Weddingweiser

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