Mirage: Die Erscheinung am Nettelbeckplatz

Tisch im Mirage. Foto: Promo
Tisch im Mira­ge. Foto: Promo

Ein hel­ler, unge­wöhn­lich geschnit­te­ner Raum mit Blick auf den ver­kehrs­be­ru­hig­ten Net­tel­beck­platz, dazu eine ambi­tio­nier­te fran­zö­sisch inspi­rier­te Küche – wer da glaubt, eine Erschei­nung vor sich zu haben, liegt gar nicht so falsch. Das Mira­ge, fran­zö­sisch für Fata Mor­ga­na, wagt das Über­fäl­li­ge an die­sem unter­schätz­ten Ort.

Food

Zwei Mal Frühstück im Mirage. Foto: Hensel
Zwei Mal Früh­stück. Foto: Hensel

Zwei Deut­sche und zwei Fran­zo­sen haben sich 2017 zusam­men­ge­tan und den ehe­ma­li­gen Fri­seur­sa­lon „La Mira­ge“ über­nom­men. Statt Haa­ren wird im neu­en Mira­ge jedoch unter ande­rem Gemü­se geschnit­ten. Mit­be­trei­ber Dami­en Sah­ri erklärt, dass die fran­zö­si­sche Koch­kunst viel mehr als nur die eli­tä­re Ster­ne­kü­che umfasst. Der 30-jäh­ri­ge Fran­zo­se möch­te das Ein­fa­che, Gute aus der Gas­tro­no­mie des Nach­bar­lands, durch­setzt mit ande­ren Ein­flüs­sen, in den Wed­ding brin­gen. “Make Wed­ding French Again”, erklärt Dami­en augen­zwin­kernd das Mot­to, das an die fran­zö­si­sche Sek­to­ren­zeit erin­nert. Zwei Köche berei­ten mor­gens Tar­ti­nes und Sand­wi­ches, mit­tags Bis­trot-Küche und abends Tapas zu. Der Kaf­fee wird eigens für das Mira­ge in einer Moa­bi­ter Rös­te­rei gemischt: Die Sor­ten Robus­ta und Ara­bi­ca gehen eine klas­si­sche Ver­bin­dung ein, die es so nur in die­sem Café geben wird. Sonn­tags bie­tet das Mira­ge ein Brunch.

Event

Im Mirage. Foto: Hensel
Im Mira­ge. Foto: Hensel

Doch im Team steckt mehr als nur die Lust auf qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ges Essen: die Betrei­ber haben alle einen künst­le­ri­schen Hin­ter­grund. Mit Jochen Küp­per, ehe­ma­li­ger Kul­tur­ma­na­ger des Statt­bad Wed­ding, kommt viel Event-Erfah­rung ins Mira­ge. Ihm geht es dar­um, den Platz zu bele­ben und mit dem Café zu berei­chern. Dafür hat der 36-Jäh­ri­ge vie­le Ideen, ange­fan­gen von einem Miet-Pick­nick­korb samt Decke bis hin zu einem eige­nen Kunst- und Design­markt auf dem Net­tel­beck­platz. Dort gibt es zwar viel Gewer­be, aber nur die immer glei­che Mischung aus Casi­nos, Shishas und Döner­lä­den. „Hier ist jetzt schon viel los, aber die Leu­te rau­schen nur durch, weil sie ein Café ver­mis­sen“, glaubt Küp­per. Dabei soll das Mira­ge den Platz sozu­sa­gen „erwei­tern“ und nicht wie ein UFO wir­ken. „Wir wün­schen uns, dass hier Kiez-Stamm­ti­sche für Krea­ti­ve einen Platz fin­den. Auch eine Kunst-Vitri­ne mit Expo­na­ten aus dem Umfeld gibt es.“ Das Bier­an­ge­bot ist für ihn exem­pla­risch: Ber­li­ner Kindl und bel­gi­sches Trap­pis­ten­bier – Lokal­ko­lo­rit und Brautra­di­ti­on gehen eine Ver­bin­dung ein.

Design

Typisch für das Mira­ge ist auch das Spiel mit geo­me­tri­schen For­men, wie sie auch für das gan­ze Haus aus den 1980er-Jah­ren typisch sind. Ein ori­gi­nel­les Mosa­ik aus bun­ten Hera­klit­plat­ten schmückt die Wand. Ins­ge­samt aber domi­niert die Far­be weiß, zahl­rei­che Grün­pflan­zen geben dem Gan­zen einen ori­gi­nel­len Touch. Über­haupt ist das Café den gan­zen Tag sehr hell, bevor es sich abends dann in eine Tapas-Bar verwandelt.

„Das Mira­ge ist das Gelenk der Gericht­stra­ße“, sagt Jochen Küp­per. Er meint damit die bei­den unter­schied­li­chen Hälf­ten die­ser Stra­ße, die mit dem ver­kehrs­be­ru­hig­ten Net­tel­beck­platz eine beleb­te Mit­te benö­ti­gen. Die Café-Bar ist mehr als nur eine Fata Mor­ga­na in die­ser Wüs­te, näm­lich eine ech­te Oase.

Mira­ge, Rei­ni­cken­dor­fer Stra­ße 110 Ecke Net­tel­beck­platz, Web­site

Ter­ras­se
Öffnungszeiten (September 2020)

Di – Fr 9.00 – 19.00 Uhr
Sa/So – 9.00 – 22.00 Uhr

 

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

3 Comments

  1. Total­ly ter­ri­ble. Hat­te am Frei­tag Abend ange­ru­fen und einen Tisch für den ers­ten Besuch reser­viert. Das wäre der Zeit­punkt gewe­sen, mit­zu­tei­len, dass Reser­vie­ren unnö­tig ist und dass es frei­tags auch nichts zu essen bis auf 3 sog. “Toas­ties” gibt. Läden viel zu hell beleuch­tet für 19:30, schreck­li­che Akus­tik, unbe­que­me Stüh­le und häss­li­che Tische. Wir haben dann 9 € für ziem­lich ekli­gen Rosé Wein bezahlt (nur 1 Sor­te zur Aus­wahl), Oli­ven bestellt, die von den ins­ge­samt 2 Kell­ne­rin­nen ver­ges­sen wur­den und uns gefragt, wozu es zwei Kell­ne­rin­nen gibt, wenn sie nichts wei­ter machen als an der The­ke her­um­zu­ste­hen und mit ihren Han­dys Sel­fies zu machen oder Gesprä­che zu füh­ren. Nicht mal eine Käse­plat­te oder etwas Brot gibt es frei­tags, vor­mer­ken. Tisch­ser­vice eigent­lich ja, in der Rea­li­tät bin ich schon mal mit wie­der ange­zo­ge­nem Man­tel zur Tür raus, wäh­rend mein Freund sich doch dazu ent­schied, zur The­ke zu gehen um zu bezah­len… nie­mand schien zu bemer­ken, dass wir gegen wol­len. Und das bei ins­ge­samt 10–12 Sitz­plät­zen in einem win­zi­gen Raum… unmög­lich. Never again.

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