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Schutz für Pflanzen und Tiere:
Mehr Uferschutz am Plötzensee

Röhrichtanpflanzungen und Zäune, die quer zum Ufer stehen: Der Bezirk greift in Sachen Naturschutz am Plötzensee durch.

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Räder in der Uferböschung, Zaun ist kein Hindernis - Foto: Andrei Schnell
Foto: A. Schnell

Der Plötzensee ist nicht nur das einzige Landschaftsschutzgebiet in Berlin-Mitte, sondern auch ein grünes Ausflugsziel für Tausende Großstädter:innen. Die starke Nutzung durch Spaziergänger, Schwimmer, Ruder- oder Tretbootfahrende bringt die Tier- und Pflanzenwelt am Seeufer immer weiter in Bedrängnis. Das Bezirksamt versucht jetzt auch baulich und durch Anpflanzungen den Naturschutz im Landschaftsschutzgebiet durchzusetzen. Wir haben den Bezirk gefragt, was genau am Seeufer getan wird.

Mehr Röhricht, mehr Zäune

Entlang der Promenade am Ostufer schützt ein niedriger Metallzaun die Böschungen. Für Erholungssuchende ist diese Absperrung kein großes Hindernis: Zu Tausenden steigen sie an heißen Sommertagen über die kleine Hürde und suchen sich an der sandigen Böschung einen Platz. Dadurch wurden Pflanzen niedergetreten und der Boden verdichtet. Ohne den Schutz der Vegetation kommt es zur sichtbaren starken Erosion des Bodens. Die Ufer werden ausgespült und die Wurzeln der Bäume verlieren ihren Halt. Zudem stört das Betreten der Uferzone brütende Vögel und andere Tiere, die an der Fortpflanzung gehindert werden.

Wir haben gefragt, ob der niedrige Zaun so belassen wird. "Perspektivisch soll er für einen wirksamen Uferschutz am Plötzensee mittelfristig erneuert und auf 1,40 Meter erhöht werden. Damit soll das Übersteigen erschwert werden, aber gleichzeitig die Erlebbarkeit des Naturraumes nicht signifikant beeinträchtigt werden", teilt das Bezirksamt auf Anfrage mit. "Aufgrund des hohen Kostenaufwandes für eine Erneuerung des gesamten Zaunes wird zunächst mit der Ergänzung der Zäune an der stark erodierten Abbruchkante am Südostufer begonnen, wo im Rahmen einer Renaturierungsmaßnahme demnächst Röhricht und Sträucher gepflanzt werden. Dieser Teilabschnitt wird durch einen gesonderten Zaun zusätzlich gesichert, der vorhandene Zaun am Ufer wird geschlossen."

Doch auch das durchgängige Begehen des Ufers soll nicht mehr möglich sein. Zum einen durch die Anpflanzung einer naturnahen Röhricht- und Seggen-Vegetation und mit einheimischen Strauchpflanzungen, um die fortschreitende Erosion einzudämmen. Zum anderen werden zusätzliche Zaunsegmente in das Wasser ragen, um das Begehen des Ufers zu erschweren. Der restliche Zaun am Uferweg bleibt zunächst in seiner jetzigen Form bestehen. Nach der Umsetzung sollen die Wirksamkeit und Akzeptanz der Teilmaßnahme geprüft und Rückschlüsse für das weitere Vorgehen hinsichtlich der Zäune am Plötzensee gezogen werden.

Danach ist die Bepflanzung, vorerst des Südost-Uferabschnittes vorgesehen, um dort wieder eine naturnahe Röhricht- und Seggen-Vegetation zu etablieren und mit einheimischen Strauchpflanzungen die fortschreitende Erosion einzudämmen.

Schwan im See
Blick vom Strandbad auf das erodierende Ostufer

Das Bezirksamt bittet die Bevölkerung um Verständnis und Rücksichtnahme für den Uferschutz am Plötzensee, die neue Bepflanzung und die hier lebenden Tiere. Darüber hinaus wird der Allgemeine Ordnungsdienst aber auch unangekündigte Kontrollen durchführen und Verstöße ahnden.

Eine Umfrage unter Weddingweiser-Leser:innen ergab 2020 eine Zustimmung von 57 % für mehr Naturschutz.

Quelle:

Völlig legal ist das Baden übrigens nur auf dem Gelände des Strandbads Plötzensee. Dort kostet das Baden zwar Eintritt, dafür bekommt man aber eine Tageskarte - und hoffentlich ein gutes Gewissen, den Schutz der Natur zu respektieren.

weddingweiserredaktion

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5 Comments

  1. Ich bin etwas schockiert über diese menschenfeinlichen Pläne. Ich frage mich, wie die Idee entstehen kann, es handele sich beim Plötzensee um reguläre Natur und diese sei als solche zu schützen. Das ist absurd. Das Wohl der StadtbewohnerInnen sollte hier Maß der Dinge sein und das Absperren des Sees ist dem sicher nicht zuträglich. D.h., der See als Stadtsee! braucht zwangsläufig regelmäßige Pflege (dazu gehört auch proaktive Aufklärung über dessen schonende Nutzung, ausreichende Mülleimer, öffentliche Toiletten., Ranger, etc.) , weil eine sich völlig selbsterhaltende Natur und Stadt immer ein Widerspruch sein werden. Das Seeerlebnis für alle durch Zäune etc. zu ruinieren gleicht purem Zynismus. Mir scheint, dass die Wahl der Maßnahmen vor allem von der Motivation getrieben wurden, eine möglichst billige Lösung zu finden. Dass das aber keine zielführende Lösung im Sinne das StadtbewohnerInnenwohls ist, sondern allenfalls der Zurschaustellung von Aktionismus dient, ist offensichtlich.

    • Es ist Unfug zu schreiben, es "handele sich beim Plötzensee um reguläre Natur"!

      Geschichtlich betrachtet ist der Plötzensee in/nach der Eiszeit entstanden und die Stadt ist erst DEUTLICH später hinzugekommen. Dass die Bewohner die Natur an dieser Stelle vereinnahmt haben, geht ja soweit in Ordnung, als dass große Bereiche bereits "geopfert" wurden (Strandbad, Bootsverleih).

      Nun aber zu fordern, dass der gesamte See - und hier insbes. der Uferbereich - für alle freigegeben werden soll, ist ja geradezu abstrus! Warum nicht gleich die gesamte Vegetation (incl. Fauna) platt machen und einen hübsch gepflasterten Uferbereich ringsum schaffen!

  2. Oder man könnte mehr Zeit und Geld investieren, Menschen zu erziehen und aufzuklären. Steht irgendwo am See, dass die Ufer kaputt gehen? Nein. Keine Infotafeln, gar nichts. Bis dieses Jahr gab es nicht Mal eine "bitte nicht füttern" Tafel am Steinbalkon. Und was spricht dagegen, schwimmen vom Balkon zu erlauben? Viele der Menschen, die das machen, können sich das immer teurer werdende Freibad gar nicht erst leisten.

  3. Bei einem Lauf heute um den Plötzensee konnte ich sehen, wie die Polizei, bei einer Umrundung das Verhalten des über den Zaun klettern und am Wasser die Natur platt zu legen, bewusst toleriert.

  4. Es ist immer erneut widerlich lesen zu müssen, wie v.a. die „erlebnisorientierte Jugend“ aus purem Egoismus sämtliche Grenzen durchbricht!

    Frei nach dem Motto „Toleranz ja, aber bitte ausschließlich von den Anderen für mein (schändliches) Tun“!

    Ich denke, das Bezirksamt sollte einen Zaun bauen, der ein Übersteigen und auch ein Darunterherkrabbeln unmöglich macht! Ggf. muss dann eben der Rest der Bevölkerung auf das „naturnahe Erleben“ zugunsten der Natur verzichten! „Dankschreiben“ können dann an die „Partypeople“ bzw. Naturzerstörer gerichtet werden!

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