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Lindower Straße: Rund um die Uhr

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Aktua­li­siert 2015: Mit ihren nur 225 Metern Län­ge ist die Lin­dower Stra­ße ein leben­di­ges Spie­gel­bild des Wed­ding. Es sind vor allem die vie­len klei­nen und gro­ßen Beson­der­hei­ten, die die Kun­den und Gäs­te aus ganz Ber­lin hier­her locken.

Die noch erhal­te­nen ehe­ma­li­gen Schwarz­markt­bu­den aus der unmit­tel­ba­ren Nach­kriegs­zeit bil­den zur Mül­ler­stra­ße so etwas wie den Ein­gang in die Lin­dower Stra­ße. Im Dezem­ber 2014 brann­ten die Flach­bau­ten lich­ter­loh. 100 Feu­er­wehr­leu­te bekämpf­ten den Brand, der vie­le klei­ne Gewer­be­be­trie­be betraf, dar­un­ter das erst weni­ge Mona­te alte „Wed­ding Grill­haus”. Reges Trei­ben herrscht heu­te in der Lin­dower aber vor allem auf­grund der Kfz-Werk­stät­ten und dem damit ver­bun­de­nen Fahr­zeug­han­del, einer Fahr­schu­le sowie dem Fahrzeugversicherungsbüro.

Auf dem Nettelbeckplatz
Gleich an der Lin­dower: der S‑Bahnhof

Eine wirk­li­che Ent­de­ckung ist das Fisch­ge­schäft »Roy­al Fisch Deluxe Harun« (Lin­dower Str. 18), das fri­sches Mee­res­ge­tier aus ganz Euro­pa anbie­tet. Ber­lin­weit bekannt ist auch der klei­ne Flei­scher­la­den »Sev­in­dik Mar­ket« (Lin­dower Str. 14) wegen sei­ner nach Ori­gi­nal­re­zep­ten selbst her­ge­stell­ten tür­ki­schen Knob­lauch­wurst – ohne Kon­ser­vie­rungs- und Farb­stof­fe. Der Metz­ger, der sein Hand­werk in der Tür­kei gelernt hat, lässt sich nicht vom Groß­han­del belie­fern, son­dern erwirbt das Fleisch auf Bau­ern­hö­fen in Bran­den­burg und Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Im Hin­ter­hof der Haus­num­mer 18 befin­det sich mit dem Cof­fee Cir­cle inzwi­schen auch ein gro­ßer Händ­ler für fai­ren Kaf­fee, wo man ver­schie­de­ne Sor­ten vor Ort kau­fen kann.

Die Straße, die nachts nicht ausstirbt

Zum Abend hin fin­det in der Lin­dower ein für Ber­lin ein­zig­ar­ti­ges, für den Wed­ding aller­dings typi­sches Nacht­le­ben statt. So kom­men am Wochen­en­den in der Dis­ko­thek Bar­So­lut Pol­s­ka (Lin­dower Str. 26) Freun­de der Musik unse­res pol­ni­schen Nach­bar­lan­des zusam­men. Weni­ge Meter wei­ter, im Café AVIATOR des Ver­ei­nes Club Dia­log im Hof der Num­mer Nr. 18, tan­zen Men­schen aus ganz Ber­lin zu rus­si­scher Musik. Es sind oft die Nach­fah­ren jener deut­schen Fami­li­en, die unter Sta­lin von Kasach­stan bis Sibi­ri­en depor­tiert und nach dem Zer­fall der Sowjet­uni­on in die Hei­mat ihrer Urgroß­el­tern zurück­kehr­ten. Im Fest­saal Mak­sim (Lin­dower Str. 15) wer­den an fast jedem Abend der Woche leb­haft nach tra­di­tio­nel­ler oder moder­ner tür­ki­scher Musik die unter­schied­lichs­ten Fami­li­en­fes­te gefeiert.

Die kurze Straße ist einen zweiten Blick wert
Die kur­ze Stra­ße ist einen zwei­ten Blick wert

In den gegen­über lie­gen­den Räu­men des Kul­tur­ver­eins Kik­i­Sol (Lin­dower 12) geben mitt­wochs und frei­tags jun­ge Musi­ker das zum Bes­ten, was sie für zeit­ge­mä­ße Musik hal­ten. Wenn auch hier gegen 3 Uhr früh lang­sam Ruhe ein­kehrt, geht die Arbeit beim Abschlepp­dienst Schramm (Nr. 8–9) immer noch wei­ter. Von hier aus wer­den in der gan­zen Stadt rund um die Uhr nicht nur Falsch­par­ker umge­setzt, son­dern auch »ver­un­fall­te Fahr­zeu­ge«, wie es in der Fach­spra­che des Kfz-Gewer­bes heißt. Bevor es lang­sam wie­der hell wird und das Leben in die Stra­ße von Neu­em ein­zieht, sind schon jene Men­schen zu sehen, die in den Moscheen in den Hin­ter­hö­fen das Früh­ge­bet besuchen.

Autor: Eber­hard Elfert

Gastautor

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4 Comments

  1. Ja, ich mag die Stras­se auch sehr. Was ist wohl in dem Bon­Bon Laden den man vom S‑Bahnsteig aus sehen kann? Ist das wirk­lich ein Bon Bon Laden ?

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