Unverblümt #8: Die Kulturexpedition geht in die nächste Runde

Plakate unverblümt #8
Plakate unverblümt #8 (c) georg+georg

Nach dem die unverblümt-Kulturexpedition in ihrer letzten Auflage das ehemalige Krematorium an der Gerichtstraße Ecke Adolfstraße bespielt hat, gibt es an diesem Freitag wieder eine echte Expedition durch die Weddinger Urbanität. Vorlesen aus einem Telefonbuch am S-Bahnhof Wedding? Städtische Architektur der 50er Jahre? Oder einfach mal eine ganz normale Moschee im Wedding von innen betrachten? Alles ist möglich. Los geht’s am 15. April, kinderfreundlich um 17:00 Uhr. Und auch dieses Mal gilt: wer Hunger hat, bringe gern Geschirr mit – die WeddingWandler und ihr Küchenfahrrad freuen sich dann.

Treffpunkt der Expedition und erste Station

Es gibt Menschen, denen sagt man nach, sie könnten selbst aus einem Telefonbuch vorlesen und es klänge immer noch toll. Der Schauspieler Morgan Free ist zum Beispiel so jemand. Und Alessandro Calabrese vielleicht auch. Der Italiener wird auf der ersten Station am S-Bahnhof Wedding aus einem Standardwerk vorlesen – nämlich dem Telefonbuch. Der passende Titel seiner Darbietung lautet denn auch: „Kein Anschluss unter dieser Nummer“. Für die Jüngeren unter euch: Ein Telefonbuch ist wie eine riesige Whatsapp-Gruppe – nur schwerer.

Moscheebesuch und Schattentheater

Die Lindower Straße ist die kürzeste Straße im Wedding und misst zwischen Müllerstraße und Nettelbeckplatz gerade einmal 225 Meter. Mittemang befindet sich in einem der Hinterhöfe die Eyüp Sultan Moschee. Eine von vielen im Wedding, von denen man im Alltag kaum Notiz nimmt – sofern man sie nicht selbst zum Beten aufsucht. Hier bietet sich im achten „unverblümt“-Programm die seltene Gelegenheit, mal einen Blick in die sonst fast unsichtbaren Räumlichkeiten einer muslimischen Gemeinde hineinzuwerfen – mit sachkundiger Begleitung, versteht sich.

Nach dem Besuch in der Moschee warten die WeddingWandler schon mit ihrem Küchenfahrrad. Wie immer gilt: bringt am besten eigenes Besteck und eigene Schalen oder Teller mit – der Umwelt zuliebe. Gegen 18:15 Uhr beginnt in einem Veranstaltungssaal der Moschee Mehmet Pugar mit seinem türkischen Schattentheater „Hacivat und Karagöz“. Dies dürfte doch für große wie kleine Kinder gleichermaßen interessant werden.

Musikalisches Gemüse und Streichquartett

Auch das im Sevindik Market statt findende „Fresh music for rotten vegetables“ könnte für Duracell-Kinder gegen 19:00 Uhr noch reichlich spannend werden. Der Medienkünstler Karl Heinz Jeron sammelt hierfür auf Märkten und von Supermärkten altes (lies: aus optischen Gründen unverkäufliches) Obst und Gemüse. Anstatt es selbst zu essen oder in den Müll zu werfen, transformiert der Künstler sie mittels elektrischer Spannung zu ganz neuen Klangerzeugern. Die Klanginstallation erhebt Zufall und Improvisation zum Prinzip und komponiert ein Werk mit den Noten des Wohlstandüberflusses, in dem wir leben.

Musikalisch geht es im Kiki Sol mit dem russischen Liedermacher Maxim Pritula weiter.

Antonkiez-Führung und Absacker in der Kegler Klause

Die kurze Straße ist einen zweiten Blick wert.
Die kurze Straße ist einen zweiten Blick wert.

Der Wechsel vom Kiki Sol zur anderen Seite des Nettelbeckplatz wird über einen kleinen Umweg durch den Antonkiez erfolgen. Hier wird Hajo Toppius auf einer kurzen Führung durch den Kiez architektonische Leckerbissen ins Visier nehmen.

Zurück am Nettelbeckplatz, präsentiert sich im Goldenen Rahmen anschließend ein echtes Streichtrio. Michael Höppner (Violine), Martin Alex (Viola) und Daniel Albrecht (Violoncello) werden Werke von Hanns Eisler oder auch Franz Schubert zum Besten geben. Der nach einem Schnapsbrenner benannte Platz hat sicherlich schon viel erlebt. Besonders, seitdem er seit 1985 wieder ein echter Platz geworden ist. Ein Streichtrio dürfte aber eine echte Premiere sein. Das Trio hat bereits Erfahrung mit ungewöhnlichen Orten. 2014 waren sie zum Beispiel auf der Fusion vertreten.

Unser persönliches Highlight lässt bis zum Schluss auf sich warten: der Besuch in der „Kegler Klause“ am Nettelbeckplatz. „Alle Neune“ heißt es dann ab kurz vor 21:00 Uhr in der Weddinger Kneipeninstitution. Und der Titel ist Programm. Ob Pumpenkönig oder Klingel, Hauptsache ist: Spaß dabei. Das wussten schon die Großeltern. Und genau so soll denn auch die Kulturexpedition ausklingen.

Und hier noch einmal alles im Überblick – wie immer ohne Gewähr:

Ablaufplan für unverblümt #8, Freitag, 15. April:

17:00 Uhr – Start am S-Bhf Wedding (Ausgang Lindower Straße):
Lesung mit Alessandro Calabrese

„Kein Anschluss unter dieser Nummer“ (Telefonbuch-Lesung)

17:30 Uhr – Eyüp Sultan Moschee (Lindower Straße 24):
Moschee-Führung (voraussichtlich 2 Gruppen: 17:30 Uhr Gruppe 1, 17:50 Uhr Gruppe 2)

18:15 Uhr – Mehmet Pugar: Hacıvat und Karagöz (türkisches Schattentheater)
mit kulinarischer Verpflegung im Hof der Moschee durch die WeddingWandler

19:00 Uhr – Sevindik Market (Lindower Str. 14): Karl Heinz Jeron
Fresh music for rotten vegetables

19:20 Uhr – Kiki Sol (Lindower Str. 12): Maxim Pritula
Russischer Liedermacher

20:00 Uhr – Let’s talk about architecture: Führung
Treffpunkt: Nettelbeckplatz

20:30 Uhr – Streichtrio im Goldrahmen, Nettelbeckplatz
Konzert

20:50 Uhr – Alle Neune: Ballsport in der Kegler-Klause (Gerichtstraße 31)

Der Eintritt ist wie immer frei.


1 Kommentar
  1. […] 15. April um 18:00 Uhr Details: Eintritt wie immer: […]

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne:

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.