Vintage-Mode, veganes Café und Bühne für die Nachbarschaft: Die KlaMotte verbindet an der Nazarethkirch-/Malplaquetstraße ziemlich viele Dinge, die vermeintlich erst einmal nicht zusammengehören. Im Alltag funktioniert genau das erstaunlich gut.


Die KlaMotte ist so ein Laden, den man nicht einfach nur betritt. Man gerät ein wenig in ihn hinein. Links befindet sich eine Sitzecke, daneben ein Café-Tresen. Aber da hängen auch Kleider auf runden Kleiderständen, auf alten Schubladenschränken liegen Jeans und gemusterte Stoffe, über allem leuchten Lampen, die aussehen wie kleine Kronen. Es riecht nach Kaffee, ein bisschen nach Textilien. Und irgendwo dazwischen steht Daniel Hepting und erzählt so, als sei das alles ganz selbstverständlich.
Ganz selbstverständlich ist es allerdings nicht, einen Laden zu betreiben, der ungefähr zur Hälfte Vintage-Shop und zur Hälfte Café ist. Zusammen mit Valerie und Adrian hat der 35-Jährige in der KlaMotte einen Ort geschaffen, der sich nicht so recht in eine Schublade stecken lässt – obwohl dort reichlich Schubladen herumstehen. Vorne wird Kaffee ausgeschenkt, hinten nach besonderen Stücken gesucht, dazwischen wird geredet, gestöbert, entstresst.


Das passt zu einem Ort, der mehr sein will als Verkaufsfläche. Die KlaMotte versteht sich auch als Nachbarschaftsort. Viele kommen wegen der Kleidung, bleiben auf einen Hafercappuccino. Andere schauen erst auf einen Kaffee vorbei und gehen später doch noch mit einem alten Rave-Shirt oder einem farbigen Vintage-Teil nach Hause. Der Kaffee kommt von HerzogKaffee, eigens gibt es einen KlaMotte-Blend. Aus Nachhaltigkeitsgründen bleibt das Angebot frei von tierischen Produkten: in die Tassen kommen Hafer- oder Erbsenmilch, samstags oft auch selbstgebackener veganer Kuchen auf die Theke.


„Ich kenne fast jeden Gast mit Namen“, sagt Daniel. Der Satz klingt in der KlaMotte nicht nach Floskel, sondern nach Alltag. Daniel selbst ist in Kirgisien geboren und mit zwei Jahren nach Deutschland gekommen. Lange arbeitete er als IT-Berater, verdiente gut und merkte doch, dass das allein nicht glücklich macht. Er versuchte die Selbständigkeit und blieb schließlich bei Textilien hängen – auch, weil ihn die ökologischen Folgen der Branche beschäftigten. Nach seiner Sicht wird in kaum einer anderen Industrie so viel Ressourcenverbrauch sichtbar wie in der Fast Fashion.
Aus diesem Interesse entstand zunächst das Label 14N14, gesprochen Iania. Die eigene Kollektion umfasst T-Shirts, die in Portugal unter guten Arbeitsbedingungen produziert werden: langlebige Unisex-Streetwear, bedruckt mit wasserbasierten Farben, farbenfroh und klar im Design. Das Thema UNITE taucht dabei immer wieder auf – als Motiv und als Haltung.


In der KlaMotte geht es aber nicht nur um neue faire Kleidung, sondern vor allem um alte gute. Der Vintage-Bereich konzentriert sich auf Stücke, die mindestens 30 Jahre alt sind und eine Qualität mitbringen, die viele heutige Textilien nicht mehr haben. Bunte Basics, alte italienische Fahrradtrikots, Rave-Wear, auffällige Muster – gesucht wird nicht das Unauffällige, sondern eher das, was Mut zur Farbe zeigt. Eine Zielgruppe um die 35 fühlt sich davon besonders angesprochen, doch eigentlich gilt: Entscheidend ist, was gefällt.


Dazu kommen Upcycling-Projekte, aufgearbeitete Möbel, Schmuck und Kleidungsstücke, die von Künstlerinnen wiederaufbereitet wurden, etwa per Siebdruck. Auch Kleiderspenden werden angenommen; manches landet auf einem Wühltisch und findet dort ein zweites Leben.
Und dann ist da noch das, was abends passiert. Etwa zweimal im Monat, Tendenz steigend, wird die KlaMotte zur Veranstaltungsfläche. Comedy, Karaoke, Mario Kart, Salsa, Lesungen, Pub Quiz, Open Mike – das Programm ist so offen wie der Laden selbst. Der hintere Raum lässt sich mit seinen rollbaren Kleiderständern innerhalb von zehn Minuten in einen kleinen Bühnenraum verwandeln. Wo tagsüber noch Jacken und Hemden hängen, wird abends gelesen, gesungen oder geraten.
Die KlaMotte ist kein „Laden für Paradiesvögel“, sondern vor allem ein Ort für Menschen. Sie hat so viele unterschiedliche Andockpunkte und Möglichkeiten – Klamotten, Café, Veranstaltungen, Austausch, Begegnung, Kreativität und Gemeinschaft. Für viele ist sie deshalb vor allem ein Möglichkeitsraum – und „Raum“ meint dabei viel mehr als vier Wände.


Fotos: Sebastian Wischmann
Nazarethkirchstr. 40 / Ecke Malplaquetstraße
Di/Mi 13 – 19 Uhr, Do 10 – 16.30, Fr 13 – 22 Uhr, Sa 13 – 19 Uhr



Danke für diesen tollen Tip. Werde ich mir demnächst mal angucken, auch wenn ich nicht die „Zielgruppe“bin. Ich liebe solche Läden.