Kita zu – und jetzt?

Cem Erki­si wohnt im Sol­di­ner Kiez. Er ist Erzie­her in einer kom­mu­na­len Neu­köll­ner Kita, befin­det sich der­zeit selbst in Eltern­zeit. Wir haben ihn gefragt, wie er die Schlie­ßung der Kitas ein­schätzt und was er betrof­fe­nen Eltern emp­fiehlt. Laut unse­rer Face­book-Umfra­ge sind immer­hin über die Hälf­te unse­rer Leser:innen heu­te durch einen Eltern­teil oder Fami­li­en­mit­glied mit der Kin­der­er­zie­hung abge­deckt, doch bei eini­gen läuft Home-Office und Kin­der­be­treu­ung parallel.

Notbetreuungsangebote für Eltern mit systemrelevanten Berufen

“Ich fin­de gut, dass es für Ange­hö­ri­ge und Berufs­tä­ti­ge von sys­tem­re­le­van­ten Beru­fen eine Not­be­treu­ung gibt. Ich den­ke, dass auch Erzie­he­rin­nen und Erzie­hern bewusst ist, dass es wich­tig ist, die­sen Berufs­tä­ti­gen unter die Arme zu grei­fen und sie nicht mit der Kin­der­be­treu­ung allein zu las­sen. Ein Poli­zist oder eine Alten­pfle­ge­rin soll­ten es nach einer 10-Stun­den- Schicht nicht auch noch als Auf­ga­be haben, sich um die Betreu­ung der Kin­der zu küm­mern. Dann fin­de ich es grund­sätz­lich auch rich­tig, dass bei weni­ger Kin­dern auch weni­ger Erzie­her gebraucht wer­den, vie­le zu Hau­se blei­ben kön­nen und dass auch die Erzie­her­aus­bil­dung aus­ge­setzt wur­de und man jetzt schaut, wie man die Leu­te zu Hau­se hält. Wich­tig zu wis­sen: Auch Zeit­ar­beits­fir­men zie­hen ihre Leih­ar­beit­neh­mer aus den Ein­rich­tun­gen ab.

Zur­zeit läuft eine Peti­ti­on, dass Erzie­her auch zu Hau­se blei­ben sol­len, es kei­ne For­de­run­gen der Poli­tik an die­se Berufs­grup­pe wegen einer Not­be­treu­ung geben soll. Aber dann fra­ge ich mich: Was ist mit Poli­zis­ten, Ärz­ten, Ver­käu­fe­rin­nen? Ich fin­de es in Ord­nung, wenn man gesund ist, dass man dann zur Arbeit geht, um zu helfen.”

Kinderbetreuung in der Wohnung
Foto: A. Schnell

Wel­che Tipps kann Cem als Erzie­her geben? “Wich­tig ist, dass man nicht den Enter­tai­ner spie­len muss. Man weiß ja: Heli­ko­pter­el­tern küm­mern sich um ihre Kin­der mehr als ande­re Eltern Man soll­te das Kind aber ein­fach mal machen las­sen in der Woh­nung. Es darf durch­aus auch allein spie­len. Eltern soll­ten aber ver­su­chen, gemein­sa­me Ritua­le zu ent­wi­ckeln. Dafür kann man auch das Kind zu Rate zie­hen, je nach Alter und Ent­wick­lung. Früh­stü­cken wir zusam­men? Essen wir gemein­sam zu Mit­tag? Neh­men wir uns gemein­sam eine Stun­de Zeit, um uns über den Virus zu infor­mie­ren? Spie­len wir ein beson­de­res Spiel, was auch den Eltern gefällt? Lesen wir etwas vor? Es soll­te abwechs­lungs­rei­che Spiel­an­ge­bo­te im Kita-Alter geben, nicht nur Sprach­för­de­rung, son­dern man kann auch etwas an Bas­te­l­an­ge­bo­ten aus dem Inter­net her­aus­su­chen. Eltern kön­nen mit klei­ne­ren Kin­dern das Anzie­hen üben. Man kann das Essen mit Mes­ser und Gabel, das frei­hän­di­ge Trin­ken trai­nie­ren. Es gibt je nach Ent­wick­lungs­stu­fe so vie­le Sachen, die man machen kann! Man weiß ja, was das Kind kann und wo es För­de­rung braucht. Das Kind von der Fens­ter­bank sprin­gen las­sen und auf­fan­gen, ein paar coo­le Übun­gen in der Woh­nung – da geht vieles!”

Nach­bar­schaft­li­che Hilfs­an­ge­bo­te kön­nen unter Umstän­den auch bei der Betreu­ung der Kin­der und bewäl­ti­gen des All­tags hel­fen. In vie­len Haus­flu­ren hän­gen bereits Zet­tel, in denen sich Hilfs­wil­li­ge ein­tra­gen. Außer­dem gibt es mit der Tele­gram- und Face­book­grup­pe Wed­ding Soli­da­risch ein Netz­werk für Hil­fe­leis­ten­de und Hilfesuchende. 

weddingweiserredaktion

Die ehrenamtliche Redaktion besteht aus mehreren Mitgliedern. Wir als Weddingerinnen oder Weddinger schreiben für unseren Kiez.

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