An einem grauen Sonntagnachmittag spaziere ich die Provinzstraße entlang, auf der Suche nach etwas, das mich neugierig macht oder meine Nachbarschaft neu entdecken lässt. Lagerräume von Dies-Das-Firmen, Häuser, die hinter Gerüsten inhaftiert, seit einer gefühlten Ewigkeit restauriert werden, Kfz-Werkstätten, Bars, deren blickdichte Fenster geradezu eine Razzia provozieren. In dieser Ecke der Provinzstraße an der Grenze zu Ost-Reinickendorf und Wedding gibt es für die vielen Familien, die hier wohnen, keine Freizeitangebote.


Dieser Gedanke schweift durch meinen Kopf, bis mich unerwartet etwas Buntes anstrahlt, dessen verspielte Einrichtung an Pippis Villa Kunterbunt erinnert – und genauso herzlich wirkt sie auch. Es ist das neue White Bear Café. Beim Betreten des Cafés wird meine Aufmerksamkeit sofort auf die große Auswahl an Kuchen und Torten in der Vitrine am Eingang gelenkt. Zudem lassen die verschiedenen Kaffeespezialitäten, Tees und andere Heiß- und Kaltgetränke, Snacks und leichte Mahlzeiten für kleine und große Feinschmecker keine Wünsche offen. Hinten im Café befindet sich auf zwei Ebenen (Erdgeschoss und Maisonette) ein Spielbereich für Kinder mit vielen diversen Spielzeugen.


Die Besitzerin Nelly, deren zwei erwachsene Töchter schon studieren, hat sogar Babynahrung, Wischtücher, Babypantoffeln und andere Notwendigkeiten, die Baby im Verlauf des Besuchs braucht oder ausgewechselt haben möchte, ausgelegt. “Einfach mitnehmen, Zuhause abwaschen und wieder zurückbringen”, erklärt sie mir. Sie sagt mir auch, dass nicht nur Eltern und Kinder hier auf ihre Kosten kommen sollen. Das Café bietet genug Platz, um fern von der Kinderecke in Ruhe zum Kaffeeklatsch, Rendezvous, Familientreff, mit (Tage-)Buch, Laptop oder was das Single-Herz sonst so begehrt, zu verweilen.
Nelly wohnt selber in diese Nachbarschaft und kennt sie nur zu gut, warum sie das große Bedürfnis hatte, dieses Café zu eröffnen. Auch ihr fehlte hier ein familienfreundlicher Raum, in dem die Nachbarn ihre Freizeit verbringen können. Die Entscheidung, das Café zu eröffnen, fiel ihr aber nicht leicht. Zuvor besaß sie eine Bäckerei in Wedding, aber das ist auch schon zwölf Jahre her. Sie dachte lange über die Entscheidung nach und wägte ihre Optionen ab, bevor sie endlich das White Bear Café eröffnete, erklärt sie mir. Sehr zum Vorteil für die Nachbarschaft.


Die Tinte auf dem Mietvertrag ist nicht einmal getrocknet und schon strömen sie in das Café, das bald zu einem beliebten Treffpunkt werden könnte. Ich zu meinem Teil weiß nun, wo ich an grauen Sonntagen den Nachmittag über verweilen kann.
Text: M. Raschdorff, Fotos: Nelly Edgulova
White Bear Café
Provinzstraße 125, 13409 Berlin
Instagram: https://www.instagram.com/whitebearcafe/

