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Große und kleine Geschichten:
Kiez-Momente: Mad Monday

27. Oktober 2025

Kiezmomente, ja, heute betone ich den Plural. Wer rechnet denn damit, dass Montagmittag, nachdem ein erholsames Wochenende zelebriert wurde, so viel ärgerlich schief gehen kann.

Also, der Aufzug am Leopoldplatz, der die Schalterhalle der U 6 und die U 9 anfährt, ist schon lange defekt und soll erst Anfang Dezember wieder funktionieren. Sehr misslich an einem so zentralen Umsteigebahnhof. Wie kommt man also in die U 9, wenn man mit Shoppywagen, Rad, Rolli oder Kinderwagen unterwegs ist?

Am Frühstückstisch knobelte ich mir die vielen Aspekten genügen müssende günstigste Route aus und entscheide, mit der Tram bis U Osloer zu fahren und erst dort den Aufzug an der Tramhaltestelle zur U 9 zu nehmen. Dort angekommen sehe ich bereits etliche Beladene und Ältere in die schwarze Tiefe des Schachts schauen; nach etwa sieben Minuten Wartezeit keine Bewegung im Schacht – und auch kein rotes Signal an den Druckknöpfen. Grimassen, kurze Bemerkungen, Bedauern und fragende Blicke werden ausgetauscht. Sogar ein junges Paar mit schweren Kinderwagen auch ratlos.

Also zu Fuß runter; hier hilft wirklich jeder ohne Murren und Knurren. Man zwinkert sich zu und freut sich über den schnellen Talk. Auf dem Bahnsteig der U 9 Richtung Süden spreche ich zwei Männer an, die in Sicherheitswesten nebeneinander flanieren. Nicht einmal den angefangenen Satz wegen des Defekts am Außenlift kann ich aufgeben mit der Bitte, das weiterzuleiten, denn kein Signal zum Defekt war angegeben und woher soll ich die Kontaktdaten der richtigen BVG-Stelle kennen? „Wir sind nur für diesen Bahnsteig zuständig!“ „Nein, das ist doch nicht wahr, oder?“ „Wenden Sie sich bitte an den Sicherheitsdienst….!“

Hallo? Was ist das denn für ein Umgangston und überhaupt fand ich es nett von mir, die Meldung zu machen! Da ist mittlerweile fast jede*r Berliner*in immer nett zum Anderen und nun diese Dienst-nach-Vorschrift-Auskunft. Ich bin konsterniert!

„Einsteigen, bitte!“ Los geht`s ein paar Stationen mit der schnellen U 9. Kaum gute Ausschilderungen der Lifts und der Ausgänge, dafür haben die Ausgänge jetzt Nummern.

Auf dem Rückweg, nach einer Rundfahrt wieder am U-Bahnhof Seestraße angekommen, nutze ich den bisher einzigen und neuen Aufzug, mit dem man etliche Einkaufsmöglichkeiten direkt erreicht. Kaum stehe ich an der Kasse vom Supermarkt, da verharrt die Schlange und das Kassenband steht still. Ein Reset des Kassen-Tablets muss vorgenommen werden, die Kassiererin drückt ununterbrochen lange, bis ich sie ermahne, besser kürzer zu resetten.

Damit wäre das nicht passiert!

Hinter mir kippt ein drall voller Shoppywagen und braune Bierflaschen knallen auf den Boden, zerplatzen und ein wohliges Geräusch von sich ausbreitendem prickelnden Schaum erfüllt die Stille zwischen den Kassen. Der Mann in der Warteschlange schaut auf seine schneeweißen Schuhe und freut sich, kein Tröpfchen abbekommen zu haben und meint in die Länge der Schlange hinter ihm: Maniac Monday! Vor mir ein älteres Paar, das noch nicht bezahlt hatte und nun warten musste, da noch nicht abgerechnet und kassiert war. Es dauert, es dauert, es dauert. Die Kassiererin fragt mich etwas schmunzelnd: „Kaffee?“ „Ja, bitte mit einem Schuss Hafermilch!“ Grinsen. Es dauert, es dauert… 10 Minuten. Es dauert. Endlich macht es einen Ton, die Kasse zeigt nach dem Reset sofort den Zahlbetrag der Vorgänger an und springt zum Kassieren auf. Kein Kunde war sauer. Es wurde nur gescherzt. Auch ich packe mein Zeug und zahle.

Auf welche Weise so manche Stadttage fast allzu menschlich ausarten können…..


Und jetzt seid ihr dran!

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Und wenn ihr Lust auf mehr Wedding habt: Bleibt dran! Wir sammeln weiter für euch – kleine und große Geschichten aus dem Kiez.

Renate Straetling

Renate Straetling

Jg 1955, aufgewachsen in Hessen; ab 1973 Studium an der FU Berlin, Sozialforschung, Projekte und Publikationen.
Selfpublisherin seit 2011 bei epubli.com, u.a. Kinder_SciFi
www.renatestraetling.wordpress.com
Im Wedding seit 2007.
Mein Wedding-Motto:
Unser Wedding: ein großes lebendiges Wimmelbild ernsthafter Menschen!

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