Unsere Autor:innen sind nicht nur im Wedding unterwegs – sie sind mittendrin im Alltag. Im Supermarkt, auf dem Spielplatz oder beim Schlendern durchs Viertel: Überall warten Geschichten, Geräusche, Begegnungen. Und manchmal schreiben uns sogar Leser:innen direkt. So entstehen sie – diese kleinen, echten Kiezmomente. Alles Wedding.
Ein Wutausbruch
Ist das zu glauben? Seit 21. Dezember letzten Jahres bin ich wegen möglicher Ausrutschgefahren zuhause und kann kaum rausfinden, da im Gartenhaus wohnend, ob draußen auf den Gehwegen geräumt und gestreut oder „abgestumpft“ ist; ich bin eben seit dem ersten Unfall meines Lebens vor zwei Jahren auf Glatteis ein „gebranntes Kind“!



Was erwarte ich eigentlich? Einen ausgefallenen Winter, nicht verfügbaren Schneefall? Möglichst kein Blitzeis? Oder erwarte ich einfach einen zeitigen Streudienst?
Unsere Hausgemeinschaft zahlt pro Monat und Mietpartei etwa 5 Euro für den Winterdienst. Ist das Ausfallen des Services als freundliches Kavaliersdelikt anzusehen?






Auf berlin.de mit dem Unterlink sen/uvk/umwelt/sauberes-berlin/winterdienst/ stehen Antworten. Leicht überschaubar die teils tückische Lage zum Streuen, wenn der Schnee anders fällt als verwaltungstechnisch vorgesehen. Unter „Wann muss der Winterdienst durchgeführt werden?“ sind drei Punkte benannt, die recht einleuchtend und griffig sind. Also, was hindert die (dafür bezahlen) Beauftragten daran, vor jedem Haus zu winterdiensten?
Ich gebe es hiermit zu, mich auf das Thema Streupflicht der Gehwege nun seit fast 26 Monaten eingeschossen zu haben, im Anno Zwei n. d. U. (meiner neuen Zeitrechnung nach dem ersten Unfall meines langen Lebens), aber nun ist ohne praktizierte Streupflicht Schluss mit lustig: Mein alternativer Vorschlag vom 15. Januar 2024 an dieser Stelle, auf weddingweiser.de steht noch immer und harrt der Kommentierung und der weiteren Diskussionen.
Selbstverständlich kann ich alle meine Nachbarn und nahe wohnenden Freunde fragen, ob die Gehwege wieder begehbar sind, und versprochen hat mir jede und jeder eine SMS für den Fall, dass es spiegelglatt ist oder ob an allen Haustüren gestreut wurde. So geht es auch. Warum aber trifft bisher keine erlösende Message ein?
Weil sich im Dezember Nieselregen und Nachtfrost abwechselten, vor allem ab den Tagen vor Weihnachten, und danach weitere leichte Niederschläge fielen, die fiese Eisfilme erwarten ließen, weiters nun im Januar sogar ein angekündigter Schneesturm, ein Tief namens „Elli“ angekündigt und entwarnend abgesagt wurde, blieb ich also daheim.
Zwischenzeitlich, kurz vor Silvester 2025, wurden 560 Knochenbrüche mit Einlieferungen in die Berliner Unfallkrankenhäuser gemeldet und damit überlastete Notaufnahmen beklagt. Ich frage mich: Hätte, nachdem die Wetter-Apps allesamt Glatteisgefahren meldeten, nicht gestreut werden müssen?
Wäre es nicht eine Pflicht gewesen, überall etwas abstumpfende Mittel wie Splitt, Sand oder Granulat zu verteilen, um vorzubeugen? Hätte den nachfolgend Winterdienstenden die Folgearbeiten erleichtert, denke ich. Letztlich wurde stolz gemeldet, die BSR versorge vorsorglich für die Autos die großen Straßen, denn die Straßen haben Vorrang vor den anderen Wegen und Verkehrsteilnehmern. Können wir denn nichts von den skandinavischen Ländern lernen?
Warum aber trifft bei mir bisher keine erlösende Nachricht ein? Weil allerorten nicht gestreut wurde oder hier und da doch. Ein Flickenteppich an Rutschgefahren im Abstand von 10 bis 15 Metern erwartet uns draußen, dazu lässt sich keine eindeutige Empfehlung unter Freunden geben!
Auch, wenn die BSR aktuell im rbb eine Absichtserklärung gibt, demnach sie die 12.000 Berliner Geh- und Radwege mangels Kapazitäten nicht selbst räumen und streuen könne, so ist das noch lange nicht ausdiskutiert. Diese Anforderungen an diese Logistik sollte erst einmal eine KI bearbeiten; ich bin da sehr (zweck-)optimistisch!
Ich habe mir ein Herz gefasst und an die BSR gemailt und gefragt, warum man für so viele Berlinerinnen und Berliner nicht vorsorglich streute oder streuen durfte. Und ob es einen Streuatlas geben könne, aus dem man an kritischen Tagen nachschlagen könne, wann und wo hausnummerngenau geräumt und gestreut wurde? Ist das etwa noch keine Pflicht? Ist es im Zeitalter von Handys und verfügbaren mobilen Geräten nicht ein Klacks, nach dem Wegeräumen bei einem warmen Getränk mit aufgewärmten Fingern eine kleine Meldung an eine Liste beim Ordnungsamt abzugeben und damit vielen Bürgerinnen und Bürgern die Orientierung zu ermöglichen, ob sie so herum oder anders herum ihren Weg vor dem Haus beginnen können? Oft steht man an einer rutschigen Stelle und weiß nicht, ob es besser ist, zurückzukehren oder weiterzuschlittern. Und alleine der Weg zum geparkten Auto: ein Abenteuer auf Leben und Tod. Dass die motorisierten „Freie Fahrt für freie Bürger!“- sich das bieten lassen!
Alle Fotos (c) Renate Straetling
Links
rbb24.de/panorama/beitrag/2026/01/berlin-bsr-kein-winterdienst-gehwege-radwege.html
Hier noch ein summarisches Update: Berliner Winterdienste aus der Sicht des Februar 2026 auf Januar 2026
https://renatestraetling.wordpress.com/2026/02/08/grodel-fur-alle/


Das Ganze funktioniert folgendermaßen: Der oder die Hausbesitzer beauftragen einen Dienstleister für den Winterdienst. Das ist immer eine Art Abo Modell sprich der Dienstleister kassiert auch wenn es nicht schneit. Macht auch ein bisschen Sinn weil er sich ja theoretisch bereit halten muss. Diese Kosten tragen die Mieter über die Betriebskosten. Der Dienstleister schließt allerdings hunderte solcher Verträge ab und kann nicht mal in der Theorie seinen Vertrag erfüllen wenn es mal schneit aber ist ja auch egal weil er kassiert in jedem Fall sein Geld. Den Vermietern ist es meist egal weil sie wohnen ja nicht da und sie sind über eine Grundbesitzer Haftpflicht gegen eventuelle Regresse bei Unfällen abgesichert. Falls doch mal einer stürzt nimmt die Grundbesitzer Haftpflicht den Dienstleister in Regress aber das passiert wahrscheinlich so selten dass dieses Geschäftsmodell weiterhin sehr lukrativ ist.
Ja, so versimplifiziert kann man tatsächlich über diesen „Deal“ denken. Für den Staat, also die Kommunen
und die Unfallversicherung der Kommunen ist es vermutlich unbezahlbar, wenn alle Opfer an einer (staatlichen)
Versicherungsfirma ankommen.
Ich dachte mehr von der menschlichen Seite: muss es so sehr viele Opfer durch Knochenbrüche geben,
solche Gesundheitsschädigungen, die womöglich ein Leben lang bleiben?
Mit einem verbindlichen Online-Streuatlas ist die Chose transparent und übersichtlich für alle;
und eine Basis für mehr Gerechtigkeit allemal.
Eine hybride, dezentrale Streupflicht mit mehr Beteiligten, Maschinen, Ressourcen und Verantwortlichen
auf l o k a l e r Ebene scheint mehr Sicherheit und durchdachtere
Planbarkeit für alle zu bringen, zumal KI-gestützt.
Warum sollte KI nicht in der Lage sein, diese Berliner 12.000 Kilometer an Geh- und Radwegen logistisch bzgl.
der kiezgestützten Streupflicht zu optimieren?
Das ließe sich bestimmt einmal durchspielen und ausdiskutieren:
Mir scheint, dieses Anliegen ist es wert!
In den fünfziger und sechziger Jahren gab es noch nicht das, was man heutzutage Winterdienste nennt. Mietshäuser hatten allesamt Hausmeister, die gehalten waren die Gehwege vor den Grundstücken zu räumen und zwar vollständig. Am Rande der Gehwege türmten sich in der Folge kleine und große Schneegebirge, auf denen Kinder herumturnten. Gestreut wurde mit Asche. Vereiste Stellen wurden von den Hausmeistern zerhackt. Sog. Winterdienste kommen heute mit Minischneepflügen und hinterlassen eine Räumspur, auf der gerade mal zwei Passanten aneinander vorbeipassen. Scheint niemanden zu interessieren.
Lieber Klaus Kunde
Auch ich erinnere mich an meine Studentenzeit, als Berlin noch mit Asche streute, vor den Häusern, viele Wegebereiche verharschten und vereisten, womit die Wege bis zum ÖPNV noch nicht immer sicher waren.
Ich denke doch, dass sich heute viele Menschen für die Streupflicht, die nach deutschem Recht die Kommunen an die Hausbesitzer delegieren, interessieren. Hier mangelt es an Verbindlichkeit in der Praxis.
Mit einem zum Eintrag verpflichtenden online-Streuatlas – wie von mir vorgeschlagen, siehe oben – kann man wenigstens Orientierung und Klarheit erhalten. Wenn nichts sonst nützt, dann Transparenz!