Mit einer künstlerischen Performance auf dem Parkdeck des leerstehenden Karstadt-Gebäudes am Leopoldplatz hat das Karstadt Netzwerk am Leo am Samstag sein Positionspapier zur zukünftigen Nutzung des Hauses veröffentlicht. Die Aktion machte sichtbar, was seit Jahren verdrängt wird: Der Karstadt ist kein leeres Objekt, sondern ein zentraler, sinnstiftender Ort im Wedding. Daher dürfe aus Sicht des Netzwerks seine Zukunft nicht länger hinter verschlossenen Türen verhandelt werden.



Der Tanz der Einkaufswagen als Performance
Eine Performance mit Sound, Bewegung und Einkaufswagen hat das Karstadt-Gebäude gemeinsam mit Nachbar*innen genutzt. Ein Parkdeck wurde dabei als öffentlicher Raum geöffnet, an dem verschiedene Inhalte eines Positionspapiers vorgestellt und diskutiert wurden. Ziel war eine konkrete Nutzung des Ortes und der Austausch über seine Zukunft.



Fotos: Johannes Rau
Was im Positionspapier steht
1. In welchem politischen und lokalen Kontext steht die Aktion?
Die Aktion bezieht sich auf Aussagen des Berliner Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU), wonach der Karstadt ein Ort für gemeinsames Gestalten werden könne. Bereits 2022 hatten Anwohnende, Initiativen und Gewerkschaften jedoch deutlich gemacht, dass sie keine Büros, Hotels oder Luxuswohnungen wollen, da diese als Verdrängung wahrgenommen werden.
2. Was fordert das veröffentlichte Positionspapier konkret?
Gefordert werden bezahlbare oder kostenlose Flächen für soziale, kulturelle und zivilgesellschaftliche Arbeit. Der Nutzungsmix soll sich an den tatsächlichen Bedürfnissen im Kiez orientieren und nicht nur daran, was Mieteinnahmen bringt. Der Karstadt soll offen, inklusiv und barrierearm sein und als Nachbarschaftszentrum funktionieren.
3. Wie steht das Netzwerk zur Idee der Zwischennutzung?
Zwischennutzung wird als Einstieg gesehen, aber nicht als ausreichende Lösung. Nutzungen sollen von Beginn an dauerhaft angelegt sein. Provisorische Angebote wie Container werden als unzureichend kritisiert, insbesondere angesichts der großen leerstehenden Fläche im Gebäude selbst.
4. Welche weiteren Schritte und Forderungen gibt es?
Das Netzwerk fordert transparente Verfahren, klare Kriterien für Trägerschaften und eine verbindliche Beteiligung der Nachbarschaft. Der Karstadt soll langfristig dem Stadtteil dienen und nicht wirtschaftlichen Interessen untergeordnet werden. Am 27. Februar will sich das Netzwerk erneut beraten, um den Leerstand und mögliche zukünftige Nutzungen zu thematisieren.
Kontakt:
Mail: Karstadt Netzwerk am Leo


Fotos: Johannes Rau
Instagram-Profil des Netzwerks
Diese Initiativen haben das Positionspapier mitgetragen:
Deutsche Wohnen & Co. Enteignen – Kiezteam Wedding-Reinickendorf · Operation Himmelblick / stadtgewitter e.V. · Sorge ins Parkcenter · himmelbeet Wedding · Stadtteilkomitee Wedding · bi’bak / SİNEMA TRANSTOPIA · Hände weg vom Wedding · silent green Kulturproduktionen · WIR GESTALTEN e.V. · Café Cralle · ExRotaprint gGmbH · Mastul e.V. · Stadtteilvertretung mensch.müller –


Darf ich mal anmerken was sich in Berlin als besondere funktionierende Konzepte herausgestellt haben
1. Abriss und Neubau
Vielfältige Stadtarchitektur die keine 10 Jahre alt ist wird zerstört und im Regelfall durch quadratische Neubauten mit verspiegelter Glasfassade ersetzt.Das Stadtbild verliert dadurch seinen Charakter und Geschichte.
2. Unwandlung von Gewerbe in Wohnungen
Mieten steigen, ansässige Gewerbetreibende geben auf, Kundschaft bleibt aus. Leute ziehen weg.
3. Kulturelle Nutzung
Berlin braucht noch mehr kommerzalisierte austauschbare Kunstgewerbe aus der internationalen Szene, die sich dann gegenseitig befruchten kann, obwohl es niemanden interessiert. Damit internationale Touristen den Kiez entdecken und sich dann um die ganzen überteuerten Eigentumswohnungen kloppen können. Herzlichen Glückwunsch aus einem lebendigen und interessanten Großstadtkiez wurde Buxtehude gemacht.
4. Hochpreisige Gewerbe
Auch das funktioniert super, man gehe mal ins Bikinihaus und erlebe die dortige Tristese verursacht durch angebliche Design und Kunst… . Oder die man denke an die Friedrichstaße, die genau deshalb ausgestroben ist, weil es nur noch darum ging mit hochpreisigen Geschäften Touristen anzulocken.
Das einzige was dem Kiez helfen würde, wäre Gewerbe mit Waren, die sich die dort ansässige Bevölkerung auch leisten kann und braucht. Man denke alleine schon mal an einen Notfall wenn Amazon und Co nicht liefern! Denkt man noch so weit?
Eure langweiligen Flohmärkte, Moccas und Feinkostläden will hier niemand.
Warum wird immer vergessen/nicht darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Besitzer der Immobilie um ein Versicherungsunternehmen handelt, welches angetreten ist, das Geld seiner Anleger zu vermehren?
Wenn sich die Versicherung, bei der ich mein Geld deponiert habe, um es ordentlich zu verzinsen, als Wohltäter der Menschheit (oder des Wedding) aufspielen würde, hätte ich es längst abgezogen!
Mein Vertrag sieht doch eine bestimmte Rendite vor – und die wird sicherlich nicht mit einem Künstlerprojekt erzielt.
Und was ich mir nicht verkneifen kann, weil es sich etwas seltsam anhört, ist die Bezeichnung „der Karstadt“ und auch in der Überschrift „den Karstadt“. Es ist doch einfach „Karstadt“. Na ja….
Hier passt nur ein gut geführtes GALERIA Warenhaus , mit auf das Umfeld angepasstem Sortiment. In Ergänzung mit gepflegter Gastronomie zu bezahlbaren Preisen sowie Raum für Kultur und Veranstaltungen. Ganz wichtige Voraussetzung ist ein angemessener Mietpreis.
Schön ist der Bau wirklich nicht – da ist er auch nicht der einzige – aber ein Warenhaus wäre schon sehr funktional. Ich merke, dass man immer mehr auf das Internet geworfen ist: bestellen, KI benutzen usw. Die menschliche Begegnung findet seltener statt und das halte ich für eine schlechte Entwicklung. Sie dient der Computerindustrie – der Mensch wird isoliert oder isoliert sich selbst – so stört er auch nicht in der Gesellschaft. Und wenn er schlechte Laune hat, lässt er das auch isoliert am Computer aus……….Seltsame Entwicklung!
Ich habe dazu eine klare Meinung. Eine hochwertige Karstadt-Filiale, ähnlich wie in der Steglitzer Schloßstraße, täte dem Umfeld hier ganz ganz enorm gut.
Bevor dieser trostlose gegenwärtige Zustand noch viele Jahre andauern wird, was in Berlin leider absolut nicht auszuschließen ist, sähe ich im Abriss und anschließenden, sofortigen Neubau von Wohnungen (30% gefördert) die sehr viel bessere Alternative.
„Nachteil“ im Wohnungsbau: dann hätte die Müllerstr endgültig keinen großen „Anker“, keinen „Treffpunkt“ mehr.
Ich denke, Zwischennutzung hin oder her, das Gebäude wird nicht zu retten sein. Man kann einen fensterlosen, fast bunkerartigem Bau nur mit hoher Investition einer alternativen Nutzung zuführen. Abriß und Neubau werden früher oder später die Folge sein. Die architektonische Abscheulichkeit wird wohl niemand vermissen.
Naja – so ganz fensterlos ist das Gebäude ja nicht!
Neben dem EG (Schaufenster) sind sowohl in der ersten, wie auch in der zweiten Etage einige Fensterbänder angebracht!
Aber grundsätzlich stimme ich zu – das Gebäude wird vermutlich in diesem Zustand kaum zu halten sein!
Aber wenn die öffentliche Hand nicht einspringt, wird sicherlich keines der von der Initiative geforderten Nutzungskonzepte realisiert werden!
Es war und ist ein Investitionsobjekt und damit soll und muss Geld verdient werden!