Darf’s ein bisschen Hirsch & Hase sein?

Fraser in Aktion - beim Kochen im "Hirsch & Hase". Foto: Elsa Böhm
Fra­ser McCa­be in Akti­on – beim Kochen im “Hirsch & Hase”. Foto: Elsa Böhm

Es ist Sonn­tag. Wir haben Hun­ger, wol­len aber weder Jagen noch Kochen. Also durch­fors­ten wir mit­samt Kind den Wed­ding nach einem Lokal. Vor einem Glas­pa­vil­lon in der Brun­nen­stra­ße blei­ben wir an einem Schild hän­gen. Sunday Roast. Klingt gut. Aber war­um heißt es nicht Sonn­tags­bra­ten? Ein Besuch im “Hirsch & Hase”.

Drin­nen ist es behag­lich und schlicht ein­ge­rich­tet. Vie­le Fens­ter. Es läuft eine 80s-Play­list, und die älte­ren von uns wip­pen mit, den jün­ge­ren ist das pein­lich. Wir ler­nen Emma Dut­ton ken­nen, die hin­ter dem Tre­sen steht. Emma ver­sprüht bri­ti­sches Pub­fee­ling, immer­hin ist sie Eng­län­de­rin, und das erklärt nun auch den Sunday Roast. Bis vor weni­gen Mona­ten war hier das Vol­ta ansäs­sig. Der neue Laden heißt “Hirsch & Hase” – und ist ein Gas­tro Pub.

Was ein Gastro Pub ist

Blick ins "Hirsch & Hase" in der Brunnenstraße. Foto: Elsa Böhm
Blick ins “Hirsch & Hase” in der Brun­nen­stra­ße. Foto: Elsa Böhm

Emma erklärt, dass es in eng­li­schen Pubs ein­fa­ches Knei­pen­es­sen gibt, manch­mal gut, oft nicht so gut, auf jeden Fall bil­lig. Par­al­lel dazu hat sich in Eng­land das Gas­tro Pub eta­bliert. Zwar immer noch gemüt­li­ches Pub, aber das Essen ist bes­ser und die Geträn­ke auch.

Im Hin­ter­grund wird ein Tisch zurück­ge­scho­ben, denn am Vor­abend hat­te ein Open Mic statt­ge­fun­den. Da kann jeder her­ein­schnei­en und Songs vor­tra­gen, solan­ge es Cover-Ver­sio­nen sind. Wer eng­li­sche Pubs kennt, weiß, dass dort gern und laut mit­ge­sun­gen wird, und das macht rich­tig Spaß, wenn man sich dar­auf einlässt.

Nun wol­len wir aber wis­sen, ob das Essen wirk­lich so gut ist. Hier kommt Emmas Freund Fra­ser McCa­be ins Spiel. Die bei­den haben das Hirsch & Hase vor eini­ger Zeit zusam­men eröff­net. Fra­ser ist Schot­te, und wir ver­ste­hen wegen sei­nes Akzents nicht alles. Ist auch nicht nötig. Wir kön­nen ihn in der offe­nen Küche han­tie­ren sehen, und das ist das eigent­li­che High­light. Er hat Spaß, das sieht man.

Schottische Spezialitäten – und mehr

Fra­ser kocht, seit er 16 Jah­re alt ist, und sei­ne Begeis­te­rung hat sich gehal­ten. Er erzählt von fri­schen Zuta­ten, die er auf dem Markt kauft. Und von schot­ti­schen Spe­zia­li­tä­ten. In den letz­ten Jah­ren hat er in Ber­li­ner High-End-Restau­rants gear­bei­tet, in denen klei­ne Por­tio­nen auf gro­ßen Tel­lern ser­viert wer­den, kunst­voll ange­rich­tet und ent­spre­chend teu­er. Jetzt kocht er in sei­nem eige­nen Laden.

Sonntagsbraten im "Hirsch & Hase". Foto: Elsa Böhm
Sonn­tags­bra­ten im “Hirsch & Hase”. Foto: Elsa Böhm

Pri­ma! Wir haben durch Zufall eine gemüt­li­che Knei­pe mit einem schot­ti­schen Spit­zen­koch ent­deckt. – Ähm, Moment mal. Spit­zen­koch. Fri­sche Zuta­ten. Kön­nen wir uns den Sunday Roast über­haupt leis­ten? Ein dezen­ter Blick auf die Kar­te – der Sonn­tags­bra­ten kos­tet 16 Euro, und es ist so viel, dass man ihn allein kaum schafft. Es gibt ihn von 13 bis 22 Uhr, man kann also auch gut mit Kin­dern hingehen.

Die Muti­ge­ren unter uns pro­bie­ren vor­her noch Hag­gis (5 Euro). Die jün­ge­ren unter uns goo­geln es und lesen vor, dass Hag­gis ein schot­ti­sches Natio­nal­ge­richt ist, das diver­se Tei­le vom Schaf ent­hält. Trotz­dem schmeckt es großartig.

Der Sunday Roast ist so weich, dass wir es kaum fas­sen kön­nen, dazu gibt es alles, was zu einem Sonn­tags­es­sen gehört: meh­re­re Gemü­se­sor­ten, Bra­ten­sauce, und weil wir in einem bri­ti­schen Pub sind, gibt es natür­lich haus­ge­mach­ten York­shire Pud­ding dazu. Der Nach­tisch … Scho­ko­la­den­ku­chen, aus dem war­me Scho­ko­sauce fließt.

Lokale Kneipe mit gutem Essen

Klein aber fein: der Tresen im Gastro Pub in der Brunnenstraße. Foto: Elsa Böhm
Klein aber fein: der Tre­sen im Gas­tro Pub in der Brun­nen­stra­ße. Foto: Elsa Böhm

Spä­tes­tens jetzt ist uns klar, dass es hier über­durch­schnitt­lich gutes Essen gibt. Aber obwohl Emma und Fra­ser über die kuli­na­ri­schen Fähig­kei­ten ver­fü­gen, ein nobles Restau­rant zu grün­den, haben sie etwas ande­res im Sinn: Das “Hirsch & Hase” soll vor allem eine loka­le Knei­pe im Wed­ding sein, in der die Ein­hei­mi­schen ein Fei­er­abend­bier (unter ande­rem gibt es Eschen­bräu aus dem Wed­ding), oder eine haus­ge­mach­te Limo trin­ken. Oder sich an ein Hag­gis wagen.

Auch an den ande­ren Tagen gibt es (Lunch 12–15 Uhr / Din­ner  18–22 Uhr), ver­schie­de­ne bri­ti­sche Lecker­bis­sen, unter ande­rem schot­ti­sche Pas­te­ten, Bri­dies genannt (8 Euro). Haus­ge­macht vom Küchen­chef selbst, ver­steht sich, genau­so wie auch die Pas­ta. Auf Nach­fra­ge gibt es die vege­ta­ri­schen Gerich­te auch vegan. Und im Dezem­ber soll es eine Weih­nachts­kar­te geben. Im fami­ly style, wie uns erklärt wird. Wir freu­en uns drauf.

Was bekommt man im Hirsch & Hase? Gutes Bier, eine net­te, eng­li­sche Bedie­nung, und Essen, das einen umhaut. Ein ech­ter Geheimtipp.

Hirsch & Hase, Brun­nen­stra­ße 73, geöff­net Di-Sa 12–22 Uhr oder län­ger, Sonn­tag 12–24 Uhr oder län­ger, Mon­tag Ruhe­tag, Spei­se­kar­te unter: https://hirschundhase.deDie Ter­mi­ne für das nächs­te Open Mike fin­den sich auf der Face­book-Sei­te www.facebook.com/hirschundhase/

Text: Anna Böhm, Fotos: Elsa Böhm


2 Kommentare
  1. Ich wäre ins Hirsch & Hase ohne die Bespre­chung hier nie­mals rein­ge­gan­gen, weil mich Gast­stät­ten in Beton und Glas erfah­rungs­ge­mäß nicht anspre­chen. Auf­grund der guten Kri­tik war ich ges­tern drin und war wirk­lich begeis­tert. Das Eschen­bräu ist her­vor­ra­gend gezapft, ich fin­de sogar, dass es eine schö­ne­re Kon­sis­tenz hat als im Eschen­bräu selbst. Der Sonn­tags­bra­ten war ein Gedicht, alle waren wahn­sin­nig freund­lich. Ger­ne wieder.

    1. Das freut uns sehr! Domi­ni­que, Weddingweiserin

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