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Neubau:
Hines plant Kaufland abzureißen

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Das Immo­bi­li­en­un­ter­neh­men Hines möch­te das Kauf­land neben dem Bahn­hof Gesund­brun­nen abrei­ßen. Ers­te Über­le­gun­gen sehen vor, Gebäu­de für Büros zu errich­ten. Aber auch eine Grün­ver­bin­dung zwi­schen dem Hum­boldt­hain und der Swi­ne­mün­der Brü­cke und einen Mini­park will der Inves­tor schaf­fen. Unklar ist, ob in Zukunft in der Brun­nen­stra­ße 105–109 groß­flä­chi­ger Ein­zel­han­del Platz fin­den wird. Lang­fris­ti­ge Miet­ver­trä­ge sor­gen dafür, dass der Umbau nicht sofort beginnt. 

Kaufland in der Badstraße 104 neben dem Bahnhof Gesundbrunnen. Foto: Andrei Schnell
Kauf­land in der Bad­stra­ße 104 neben dem Bahn­hof Gesund­brun­nen. Foto: And­rei Schnell

Stadt­rat Ephraim Gothe berich­tet über ers­te Vor­stel­lun­gen, die in sei­nen Gesprä­chen mit dem Inves­tor deut­lich wur­den. So will Hines das soge­nann­te Fach­markt­zen­trum (FMZ) abrei­ßen. FMZ ist das behörd­li­che Wort für das Gebäu­de, in dem sich Kauf­land, das Fit­nes­stu­dio John Reed, Tedi sowie klei­ne­re Geschäf­te befin­den. Die neue Bebau­ung soll an der Brun­nen­stra­ße begin­nen. Sie soll bis hin­ter die Swi­ne­mün­der Stra­ße rei­chen und an die im Okto­ber 2017 fer­tig­ge­stell­ten Neu­bau­ten des nörd­li­chen Mau­er­parks her­an­rei­chen. Eine künf­ti­ge Hoch­haus­be­bau­ung hal­te er nicht für mög­lich, fünf Stock­wer­ke sei­en für den Stand­ort angemessen. 

Noch hat Hines sei­ne Plä­ne nicht ver­öf­fent­licht. Auch sei­en beim Stadt­pla­nungs­amt noch kei­ne offi­zi­el­len Unter­la­gen ein­ge­gan­gen, so der Stadt­rat. Eine Prä­sen­ta­ti­on des Anlie­gens im Aus­schuss für Stadt­ent­wick­lung sei in der Regel üblich, aber recht­lich nicht zwin­gend gebo­ten, so Ephraim Gothe. Die aktu­ell zu beob­ach­ten­den Arbei­ten sind vor­be­rei­ten­de Maß­nah­men, noch nicht der eigent­li­che Baubeginn.

Neue Grünverbindung versus Ressourcenverschwendung

Stadt­rat Ephraim Gothe betont, es wer­de nun eine Grün­ver­bin­dung ent­lang der Glei­se mög­lich. Die Initia­ti­ve Grün­zü­ge Ber­lin for­dert seit Jah­ren einen Grün­strei­fen durch­ge­hend vom Park auf dem Nord­bahn­hof bis zum Mau­er­park. Auch ein Mini­park (in der Spra­che der Stadt­pla­ner Pocket-Park) ist in den ers­ten Dar­stel­lun­gen der Inves­to­ren vor­ge­se­hen, so der Stadt­rat. Der Kleinst­park sei auf einer als Grün­flä­che aus­ge­wie­se­nen Bra­che öst­lich der Swi­ne­mün­der Brü­cke vor­ge­se­hen, so der Stadt­rat. Wie viel Grün­flä­che von der jetzt nicht in Grün vor­han­de­nen Rum­pel­flä­che ver­schwin­den wird, steht noch zur Ent­schei­dung an. 

Zur Debat­te um res­sour­cen­spa­ren­des Bau­en steht die Idee des Abris­ses des Kauf­lands quer. Der fens­ter­lo­se Beton­berg wur­de erst 2008 errich­tet. 14 Jah­re sind selbst in einer Weg­werf­ge­sell­schaft für ein Gebäu­de nicht viel. Den Abriss zu unter­sa­gen, sei mit dem Bau­ge­setz nicht mög­lich, sagt dazu Ephraim Gothe.

Investor Hines

In einer Eigen­wer­bung lis­tet Hines die Immo­bi­lie zum Stich­tag 31. Dezem­ber 2021 unter dem Pro­jekt­na­men “Foun­tain” auf. Das Objekt wird als deve­lo­p­ment manage­ment pro­ject bezeich­net. Büro und Ein­zel­han­del wer­den genannt. Das Grund­stück neben den Bahn­glei­sen hat Hines 2020 gekauft. Im letz­ten Jahr bean­trag­te das Unter­neh­men einen Bau­vor­be­scheid, um Fra­gen zum Pla­nungs­recht offi­zi­ell zu klären.

Die ehemalige Pferdekoppel an der Swinemünder Straße soll bebaut werden. Foto: Hensel
Die ehe­ma­li­ge Pfer­de­kop­pel an der Swi­ne­mün­der Stra­ße soll bebaut wer­den. Foto: Hensel

Entstehungsgeschichte

Der Bau des Kauf­lands war in den Nuller­jah­ren in der Bezirks­po­li­tik hef­tig umstrit­ten. Die Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung (BVV) trat 2006 zu zwei Son­der­sit­zun­gen zusam­men, um über das Pro­jekt Fach­markt­zen­trum Brun­nen­stra­ße zu dis­ku­tie­ren. Bezirks­bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Hanke (SPD) und die zustän­di­ge Stadt­rä­ting Doro­thee Dubrau (Grü­ne) geneh­mig­ten anschlie­ßend den Bau ent­ge­gen dem Wil­len der Bezirks­po­li­ti­ker. “Es gab kei­ne recht­li­chen Grün­de, den Bau­an­trag der HLG zurück­zu­stel­len”, sag­te Chris­ti­an Hanke 2006. Die HLG-Pro­jekt­ma­nage­ment GmbH ver­sprach damals: “Wir bau­en kei­nen Bil­lig­markt, son­dern ein Fach­markt­zen­trum mit sechs grö­ße­ren Anbie­tern, aber mit der­sel­ben Bau­qua­li­tät wie das Gesund­brun­nen-Cen­ter auf der ande­ren Sei­te des Bahn­hofs.” Im Gespräch war Ede­ka. 24 Mil­lio­nen Euro waren als Bau­kos­ten für das Ein­zel­han­dels­zen­trum veranschlagt.

Am Bahn­hof Gesund­brun­nen kon­kur­rier­ten die letz­ten Jah­re real und Kauf­land mit dem Kon­zept Lebens­mit­tel­han­del auf Flä­chen, die weit über übli­che Super­markt­grö­ßen hin­aus­ge­hen. Real schloss sei­ne Filia­le im Gesund­brun­nen­Cen­ter im Dezem­ber 2016. Ob und wann Kauf­land end­gül­tig und vor­über­ge­hend folgt, ist noch nicht geklärt. 

Andrei Schnell

Meine Feinde besitzen ein Stück der Wahrheit, das mir fehlt.

19 Comments

  1. Ernst­haft? Das Gebäu­de ist doch noch über­haupt nicht alt und in Zei­ten knap­per wer­den­der Res­sour­cen (nicht nur Sand, der für den Beton benö­tigt wird) scheint das wirk­lich über­haupt nicht sinn­voll! Kann man die Büros nicht dort ein­zie­hen las­sen? Umbau statt Abriss? Ich bin wirk­lich sprachlos.

  2. Ein Ende von Kauf­land könn­te den Rewe im Gesund­brun­nen-Cen­ter sta­bi­li­sie­ren. Im Moment haben bei­de Ein­kaufs­zen­tren deut­lich sicht­ba­ren Leer­stand, eine Redu­zie­rung der Flä­chen kann viel­leicht nicht schaden…

    • bei rewe ist so gut wie alles min­des­tens 10 cent teu­rer – vllt ist der laden des­we­gen so leer…
      zudem ist der rewe im cen­ter extrem schlecht orga­ni­siert, was die kas­sen betrifft. egal wann, man steht immer stun­den­lang an, mal abge­se­hen von der man­geln­den aus­wahl an produkten.

    • Guck Dir Rewe an der Mül­ler­stra­ße im Citt­point an: trotz Rie­sen­an­drang das­sel­be Desas­ter (Sor­ti­ment zufäl­lig und lücken­haft, Kas­sen stets unter­be­setzt). Da siehst Du den sta­bi­len Rewe-Zustand!
      Er weist das­sel­be Pro­blem auf wie Kai­sers, real,- (2 x schluchz!) und das Gesund­brun­nen-Kauf­land: Die Geschäfts­mo­del­le, die vor 20 Jah­ren wohl eta­bliert waren, rech­nen sich heu­te nicht mehr, weil die Mas­sen­kauf­kraft nicht mehr da ist. Und jetzt kommt noch eine Infla­ti­on dazu, die auf den Krieg spekuliert.

      • Oder es gibt in Ber­lin zu vie­le Läden. In Bran­den­burg funk­tio­nie­ren gro­ße Läden mit viel Platz. Gegen­bei­spiel: Alt-Mit­te mit wenig Platz für Super­märk­te hat auch Andrang in den weni­gen Geschäf­ten, die es gibt. Fazit: Am Gesund­brun­nen sind wir viel­leicht verwöhnt.

        • Klar funk­tio­niert “in Bran­den­burg” eine Ein­kaufs­bu­de mit Rie­sen­park­platz, aber nicht am Gesund­brun­nen. Da müss­ten Kauf­land und das Gebäu­de-Cen­ter­ma­nage­ment etwas Gehirn­schmalz aufwänden.

    • Kauf­land war zuerst da. Daher fän­de ich es fai­rer, es zuun­guns­ten von REWE zu sta­bi­li­sie­ren und nicht umgekehrt.

  3. Kauf­land baut immer nur für Auto­fah­rer, sogar hier, wo es fast kei­ne gibt.
    Bis ich vom S/U‑Bahnhof Gesund­brun­nen (Vor­der­ein­gang) zum Kauf­land ein­mal über­all rum, durch Hin­ter­ein­gän­ge und Dut­zen­de Trep­pen hoch und run­ter gelau­fen bin, um z. B. 1 Tüte Milch zu suchen und zu bezah­len – da kann ich auch mit der Bahn bequem 3 Sta­tio­nen hin- und zurück­fah­ren. Wann wird Kauf­land ver­ste­hen, dass eine Groß­stadt etwas ande­res ist als ein Riesenparkplatz?

    Ande­rer­seits gibt zu den­ken, dass Geschäfts­mo­del­le, die sich für den Wed­ding vor 20 Jah­ren noch rech­ne­ten (24 Mil­lio­nen Inves­ti­ti­on!), es heu­te nicht mehr tun. Ob Real,- (schluchz!) oder Kauf­land, die Wed­din­ger Kauf­kraft kann mit der Explo­si­on der Immo­bi­li­en­prei­se nicht mit­hal­ten. Wenn statt­des­sen Büros hin­kom­men, geht den Wed­din­gern wie­der ein Stück nütz­li­che Flä­che verloren.

    • Die Wege­füh­rung in dem Gebäu­de ist auch für mein Emp­fin­den unbe­quem. Auf­fäl­lig ist, dass die­se Filia­le zu den weni­gen Kauf­land-Filia­len gehört, die mit U- oder S‑Bahn erreich­bar sind. Vie­le ande­re Kauf­land-Filia­len sind auf­grund ihrer Lage tat­säch­lich für Auto­fah­rer ausgelegt.

    • Dafür gibt’s ja seit ein paar Jah­ren die Roll­trep­pen gleich vor­ne am Gebäu­de. Wer also jetzt noch hin­ten rum­läuft, ist schon selbst schuld (Roll­stuhl­fah­rer und Rol­la­teu­re ausgenommen).

      Zu REWE muss man dage­gen durch das gera­de bei Fei­er­abend und am Wochen­en­de chro­nisch über­füll­te G‑Center durch, was ich weit­aus unan­ge­neh­mer fin­de. Aber jeder hat ande­re Präferenzen.

  4. Mor­jen

    Die deut­sche Spra­che hat für alles aus­rei­chend Wor­te… wer­de mich nie damit anfreun­den können… 

    Wenn ein klei­ner Park ein klei­ner Park sein soll , wäre Mini-Park doch auch für die Pla­ner ein pas­sen­des Wort. Oder ein­fach Klei­ner Park
    Oder wol­len die Pla­ner damit aus­drü­cken das der Mini-Park so klein ist das man ihn in die Tasche ste­cken kann oder soll ??

    Oder sind die Stadt­pla­ner Eng­län­der und der deut­schen Spra­che nicht mächtig

    son­ni­ge Nach-Oster Woche

  5. Dan­ke für die Infor­ma­tio­nen, Andrei.
    Mit der Bau­po­li­tik des Bezirks habe ich oft so mei­ne Pro­ble­me. Ich bin zum Bei­spiel immer sehr trau­rig, wenn ich am ehe­ma­li­gen Him­mel­beet Grund­stück vor­bei kom­me. Ich bin gespannt, wann dort tat­säch­lich mit dem Bau begon­nen wird. Ich habe ja die Befürch­tung, dass der Bau­be­ginn noch in wei­ter Fer­ne ist.
    Einen schö­nen Tag von Susanne

    • Ich den­ke, hier ist ein­mal nicht die Bau­po­li­tik des Bezirks ange­spro­chen, son­dern die Bau­po­li­tik im Bezirk. Geld­ge­ber ist ja Hines, der ent­schei­det. / Mein Gefühl sagt mir, es geht an der Ruhe­platz­stra­ße bald los. Zumin­dest mit dem Sportplatz.

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