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Was der Senat zur Umweltgerechtigkeit im Ortsteil plant:
Gesundbrunnen: Hohe Belastung – wenig Grün

20. September 2025
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Der Umweltgerechtigkeitsatlas 2023/24 zeigt es schwarz auf weiß: Der Gesundbrunnen ist stark belastet. Luftschadstoffe, Verkehrslärm, Hitze und wenig Grünflächen treffen hier auf eine Bevölkerung, die ohnehin sozial benachteiligt ist. Eine schriftliche Anfrage der Grünen-Abgeordneten Tuba Bozkurt hat nun offengelegt, wie der Senat und das Bezirksamt Mitte darauf reagieren.

Mehrfachbelastung sichtbar gemacht

Die Daten des Atlasses machen deutlich, dass der Gesundbrunnen zu den Berliner Hotspots der Umweltungerechtigkeit gehört. Besonders der nördliche Ortsteil leidet unter schlechter Grünversorgung, dichter Bebauung und starker Verkehrsbelastung. Für die Politik gilt der Atlas als Grundlage, um gezielt Maßnahmen einzuleiten.


Verkehr, Luft und Lärm

An Straßen wie der Osloer Straße oder der Badstraße gelten bereits Tempo-30-Zonen. Außerdem wurden Umgestaltungen vorgenommen, die den Verkehr beruhigen sollen. Erste Messungen zeigen, dass die NO2-Konzentrationen an der Badstraße im Jahr 2024 um rund 20 Prozent unterhalb des geltenden Grenzwertes lagen.

Auch wenn die gesetzlichen Grenzwerte damit eingehalten werden, überschreiten die Werte weiterhin die strengeren Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Der Senat setzt deshalb auf weitere Maßnahmen. Dazu gehören der Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos, die Elektrifizierung kommunaler Fahrzeugflotten sowie die Schaffung zusätzlicher Grün- und Aufenthaltsflächen.

Mit dem neuen Lärmaktionsplan 2024–2029 will der Senat zudem den nächtlichen Verkehrslärm verringern. Vorgesehen ist, dass in vielen Straßen zwischen 22 und 6 Uhr Tempo 30 gilt. Betroffen sind auch Abschnitte in der Behmstraße, der Hochstraße oder der Koloniestraße. Schon seit Jahren unterstützt außerdem das Schallschutzfensterprogramm Anwohner:innen entlang von Hauptstraßen wie Pankstraße, Brunnenstraße oder Schulstraße.


Kiezblocks und Klimaanpassung

Im Gesundbrunnen werden an mehreren Stellen Kiezblocks eingerichtet. Diese Maßnahmen sollen den Verkehr reduzieren und zugleich Platz für neue Grünflächen schaffen.

Weitere Projekte betreffen die klimaangepasste Umgestaltung einzelner Straßen wie der Bellermannstraße oder die Entsiegelung von Flächen, die künftig mehr Regenwasser aufnehmen können. Unter dem Titel „Grüne Gullis“ sollen beispielsweise neue Entsiegelungsmaßnahmen getestet werden. Auch Quartiersprojekte wie „Kool im Kiez“ oder „Klima im Kiez“ tragen dazu bei, die Belastungen durch Hitze und Lärm abzumildern.


Förderprogramme und Investitionen

Über das Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung (BENE 2) fließen zusätzliche Mittel auch in den Bezirk Mitte. Davon profitieren verschiedene Vorhaben, etwa die Sanierung von Kleingewässern im Volkspark Rehberge, die Renaturierung am Plötzensee oder die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung im Innenstadtbereich.

Neben diesen größeren Projekten stehen dem Bezirk Mitte jährlich bis zu 200.000 Euro für kleinere Maßnahmen zur Verfügung, die zur klimafreundlichen und gesundheitsschützenden Stadtentwicklung beitragen sollen.


Beteiligung vor Ort

Die Quartiersmanagement-Gebiete im Gesundbrunnen – etwa im Soldiner Kiez, an der Brunnenstraße oder an der Badstraße – setzen verpflichtend sogenannte „Soziale Klimaprojekte“ um. In deren Rahmen werden die Bewohner:innen aktiv beteiligt. Die Formate reichen von Kiezspaziergängen und Bürgersteiggesprächen bis hin zu Straßentheaterprojekten.

Quartiersräte und Aktionsfonds-Jurys sollen sicherstellen, dass die Vorschläge auch von der Bewohnerschaft mitgetragen werden. So will man erreichen, dass auch Gruppen einbezogen werden, die sonst seltener Gehör finden.


Wenig Grün im Norden

Während der Volkspark Humboldthain im Süden des Ortsteils eine gute Versorgung mit Grünflächen bietet, ist die Situation im Norden des Gesundbrunnens deutlich schlechter. Dort sorgen die dichte Bebauung und die hohe Einwohnerzahl dafür, dass es kaum Platz für neue Parks gibt. Der Senat räumt ein, dass bislang keine konkreten Maßnahmen vorgesehen sind, um diese strukturelle Lücke zu schließen.


Ausblick

Der Umweltgerechtigkeitsatlas ist zwar rechtlich nicht bindend, doch er macht die bestehenden Probleme deutlich sichtbar. Der Senat verspricht, Umweltbelastungen künftig enger mit sozialer Stadtentwicklung zu verzahnen. Dazu gehören Lärmminderung, Hitzeschutz und eine bessere Ausstattung mit Grünflächen. Ob sich die Lage im Gesundbrunnen tatsächlich verbessert, wird sich aber erst in den kommenden Jahren zeigen.

weddingweiserredaktion

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6 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Warum kann die Stadt keine echten Veränderungen umsetzen und richtige Fahrradwege bauen, kombinierte Rad- und Fußwege wie in Prenzlauerberg? Haben nur die reichen Kinder aus Westdeutschland das Recht, draußen zu spielen, frische Luft zu atmen und nicht unter Lärm zu leiden? Ich habe, wie schon beim Müllproblem, wieder das Gefühl, dass die Ghettoisierung von Wedding geplant ist.

  2. Hahaha .. very Strange dass da jetzt schon nur 5 % der PKW 30 fahren .. auch nachts ab 22:00 fahren 95 % keine dreißig.. vollkommen sinnlose Maßnahmen solange nix kontrolliert wird .. derzeit ist sowieso Wild West in der Stadt .. rote Ampeln .. fkc it .. Linksabbiegen in zweiter Spur .. egal .. ohne Kontrollen alles nur heiße Luft

  3. Eine Gegend in der soziale Ungerechtigkeit herrscht? Komischerweise parken gerade in der Badstr. und Umgebung Luxuskarossen in 2. Spur und das rund um die Uhr.
    Ansonsten finde ich die angedachten Massnahmen gut, aber die Menschen, die dort grösstenteils wohnen, wird das nicht interessieren.
    Fürs Stadtklima im Allgemeinen aber gut.

  4. Ich bin etwas irritiert, sollen wirklich Kiezblocks eingerichtet wurden? Dachte die wurden von der CDU allesamt gestoppt?

    Tempo 30 Nachts ist auch lustig, komplett realitätsfremd. Im Wedding, insbesondere See- und Osloastr. finden jede Nacht, wirklich jede, Straßenrennen statt und Motorräder drehen voll auf. Polizei sieht man nie. Aber klar – die Raser die jeden Weddinger Nacht für Nacht aus dem Schlaf reißen werden sich auf jeden Fall an Tempo 30 halten, wo sie sich doch schon nicht an Tempo 50 halten.

    Das einzige was hier helfen würde – neben der für Berlin völlig utopischen Idee von weniger Autos, mehr ÖPNV und Radverkehr – wäre mehr Elektromobiliät, also Verbot von privater Nutzung von Verbrennern. Aber auch hier würde es dann wieder heißen „nur innerhalb des S-Bahn-Rings!“. Wie mit der Umweltzone und allem anderen. Weil wie jeder weiß, es macht einen gravierenden Unterschied ob Lärm und Schadstoffe gesundheitsschädlich sind, je nachdem ob man links oder rechts von S-Bahn Gleisen wohnt, so die Logik des Berliner Senats und jeden „Stadtplaners“.

  5. Ich denke auch, dass diese Maßnahmen mehr efforts als Impacts bringen.
    Und was erst, wenn bald neue Batteriesysteme für Autos verfügbar sein werden.
    Stop and Go über Jahrzehnte… ?! Ständiges Rumbasteln an den Wohnstrassen?
    Besser nur noch Kiezblocks mit neuartigen Parksystemen, die ausdiskutiert werden sollten.

  6. This article highlights urgent issues in Gesundbrunnen but feels like just another plan without real solutions. It’s inspiring to see community involvement, yet I wonder if these efforts will truly make a difference.

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