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Triftstraße und Gerichtstraße:
Dieses Mal soll es mit der Fahrradstraße klappen

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Ist der Wed­ding über­haupt für Fahr­rad­stra­ßen geeig­net? Das fra­gen nicht grund­sätz­li­che Kri­ti­ker, son­dern ent­täusch­te Befür­wor­ter der Rad­stra­ßen, wenn sie auf die Kame­ru­ner und die Ant­wer­pe­ner Stra­ße bli­cken. Dort klappt der Vor­rang für Zwei­rä­der nur bedingt. Nun will es der Bezirk mit der Trift- und Gericht­stra­ße bes­ser machen. Hel­fen soll, dass die künf­ti­ge Fahr­rad­stra­ße für Kfz zur Ein­bahn­stra­ße wird.

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Trift- und Gerichts­stra­ße wer­den Fahr­rad­stra­ße, Bau­ar­bei­ten für zwei Wochen ab 17. Okto­ber. Foto: And­rei Schnell 

Zum Bau­start ges­tern (Mon­tag, 17. Okto­ber) sperr­te der Bezirk die Gerichts­stra­ße in Höhe des Max-Josef-Metz­ger-Plat­zes und die Trift­stra­ße zwi­schen Gen­ter- und Will­de­now­stra­ße. “Zuerst wird der Asphalt an ver­schie­de­nen Stel­len saniert”, heißt es in einer Mit­tei­lung des Bezirks. Je zwei Wochen wer­den die­se Arbei­ten dauern.

Gegenläufige Einbahnstraße

Die Stra­ße wird aber nicht für die Auto­fah­rer geglät­tet, die aus der Luxem­bur­ger Stra­ße kom­mend die Kreu­zung mit der Mül­lerstra­ße mei­den wol­len. Der Asphalt dient dem Fahr­rad­ver­kehr. PKW-Fah­rern wird die Abkür­zung über die Gen­ter Stra­ße in Rich­tung B96 und Chaus­see­stra­ße nach dem Umbau der Trift­stra­ße ver­sperrt. Es “gel­ten dann gegen­läu­fi­ge Ein­bahn­stra­ßen­re­ge­lun­gen, die das Durch­fah­ren der Stra­ße ohne Anlie­gen ver­hin­dern”, heißt es in der Mit­tei­lung des Bezirks. So will das Amt errei­chen, dass die Trift­stra­ße und der nörd­li­che Zip­fel der Gericht­stra­ße wirk­lich nur mit einem Anlie­gen genutzt wird.

Um die neue Fahr­rad­stra­ße zu kenn­zeich­nen, hängt der Bezirk nicht bloß Schil­der auf. Es han­delt sich tat­säch­lich um einen Bau­start. Nach den Asphalt­ar­bei­ten wer­den die Stra­ßen­ar­bei­ter grü­ne Mar­kie­run­gen auf der Fahr­bahn auf­brin­gen. Mar­kiert wer­den auch Fahr­rad­park­plät­ze, Motor­rad­park­plät­ze und Lie­fer­zo­nen. Und “an den Kreu­zun­gen wer­den ein­fa­che Über­que­rungs­mög­lich­kei­ten geschaf­fen”, so die Mit­tei­lung. Zeich­nun­gen, die Geh­weg­vor­stre­ckun­gen und Mar­kie­run­gen zei­gen, “wer­den ver­öf­fent­licht, sobald sie final ange­ord­net sind”, sagt Lau­ra San­der von der Pres­se­stel­le des Bezirks. Die künf­ti­ge Fahr­rad­stra­ße erstreckt sich von der Gericht­stra­ße in Höhe Max-Josef-Metz­ger-Platz bis kurz vor dem Ende der Trift­stra­ße in Höhe der Haus­num­mer 41. An die­ser Stel­le knickt die Trift­stra­ße ab und führt unter einem Gebäu­de (Stu­den­ten­wohn­haus) hin­durch auf die Luxem­bur­ger Straße.

Parkplätze für Autos fallen weg, Parkplätze für Zweiräder kommen

Wo vor dem Umbau rech­ne­risch 60 bis 70 PKW par­ken konn­ten, wird der Bezirk zehn Park­plät­ze für Motor­rä­der, 30 Bügel für Las­ten­rä­der, sechs Park­plät­ze für E‑Scooter und 240 Stell­plät­ze für Fahr­rä­der bau­en. Das passt zum Ziel, an das Stadt­rat Ephra­im Gothe vor kur­zem erin­ner­te: die rot-grü­ne Zähl­ge­mein­schaft hat sich Mit­te vor­ge­nom­men, 25 Pro­zent aller Park­plät­ze auf­zu­lö­sen. “Mit der Vor­stel­lung, in den dar­auf fol­gen­den fünf Jah­ren einer Legis­la­tur mit noch ein­mal 25 Pro­zent wei­ter­zu­ma­chen”, so Ephra­im Gothe bei einem Kiezspaziergang. 

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Übri­gens: Auf­merk­sa­me Wed­din­ger haben das Kom­men der neu­en Fahr­rad­stra­ße schon vor­ab erkannt. Der Bezirk hat­te ein paar klei­ne, rote Schil­der an Later­nen­mas­ten ange­bracht. Auf die­sen steht “Mit Sicher­heit Rad­fah­ren in Mit­te”. Und es ist ein QR-Code auf­ge­druckt, der einen Link zu einer Web­sei­te des Bezirks ent­hält, die sich mit dem Rad­ver­kehr in Mit­te beschäftigt.

Zielnetz für Fahrradstraßen unveröffentlicht

Stadt­rä­tin Almut Neu­mann sagt zum Bau­start in Trift- und Gericht­stra­ße: “Wir rol­len in Mit­te Stück für Stück das Fahr­rad­netz aus.” Bereits jetzt ein­ge­rich­tet sind abge­pol­ler­te Rad­strei­fen auf Tei­len der Mül­lerstra­ße und dem­nächst auf einer Sei­te der Amru­mer Stra­ße. Als Fahr­rad­stra­ße ein­ge­rich­tet sind bereits die Ant­wer­pe­ner, die Togo- und die Kame­ru­ner Stra­ße.

Noch in die­sem Jahr fol­gen soll die Lyn­ar­stra­ße zwi­schen Tege­ler Stra­ße und Mül­lerstra­ße. Auch sie wird Vor­rang­stra­ße für Radfahrer. 

Eine Kar­te, die alle Fahr­rad­stra­ßen zeigt, die Mit­te in den nächs­ten Jah­ren ein­rich­tet, gibt es nicht. Ein Ziel­netz ist nicht ver­öf­fent­licht. Doch im August 2020 ant­wor­te­te Mit­te auf eine Anfra­ge des Bezirks­ver­ord­ne­ten Johan­nes Schnei­der (Bünd­nis 90/Grüne). In der Ant­wort hieß es, dass es “kon­kre­te Pla­nun­gen” für Fahr­rad­stra­ßen in der Ungarn­stra­ße gebe. Die ande­ren kon­kre­ten Pla­nun­gen wie die Togo­stra­ße hat die Ver­wal­tung umge­setzt. Außer­dem, so die Ant­wort vor zwei Jah­ren, gebe es Vor­schlä­ge für die Bel­ler­mann­stra­ße, das Nord­ufer und die Rüge­ner Stra­ße. (Sie­he Arti­kel “Neue Fahr­rad­stra­ßen und Rad­spu­ren”)

Aktu­ell ist das Netz aller Rad­we­ge – von der exklu­si­ven Fahr­rad­stra­ße bis zum schma­len, aus­ge­wie­se­nen Weg – in den Orts­tei­len Wed­ding und Gesund­brun­nen 61,9 Kilo­me­ter lang. 

Straßenverkehrsordnung

Die Ver­kehrs­re­geln für eine Fahr­rad­stra­ße besa­gen, dass Rad­fah­rer die Geschwin­dig­keit vor­ge­ben. Aller­dings gilt auch für sie eine Höchst­ge­schwin­dig­keit von 30 Kilo­me­ter pro Stun­de. Ein Tem­po, dass Renn­rä­der leicht errei­chen. Außer­dem gehört die gesam­te Stra­ßen­brei­te dem Rad­ver­kehr, Rad­ler dür­fen neben­ein­an­der fah­ren. Es gilt für alle die Rechts-Vor-Links-Regel – die­se Vor­schrift kann dazu füh­ren, dass auch Rad­fah­rer Vor­fahrt gewäh­ren müs­sen. E‑Scooter und E‑Räder sind erlaubt. Einen eige­nen Para­gra­phen für die Fahr­rad­stra­ße ent­hält die StVO nicht. Die Regeln erge­ben sich aus der Erklä­rung zu Zei­chen 244.

Verkehrswende

Fahr­rad­stra­ßen sind Teil der Ver­kehrs­wen­de, manch­mal auch Mobi­li­täts­wen­de genannt. Rad­we­ge sol­len aus­ge­baut wer­den, geschütz­te (abge­pol­ler­te) Rad­strei­fen auf Stra­ßen wie auf einem Teil der Mül­lerstra­ße, Rad­schnell­ver­bin­dun­gen wie der geplan­te Pan­ke-Trail, Fahr­rad­park­häu­ser und Leih­rad­sys­te­me sol­len das Rad­fah­ren attrak­ti­ver machen. Neben der För­de­rung des Rad­ver­kehrs gehö­ren der Aus­bau von Bus und Bahn sowie mehr Platz für Fuß­gän­ger zur Ver­kehrs­wen­de. “Die Men­schen sol­len auch ohne eige­nes Auto sicher und kom­for­ta­bel mobil sein kön­nen”, heißt es in einer Bro­schü­re des Senats zur Mobi­li­täts­wen­de. Laut Wiki­pe­dia ist “Haupt­mo­ti­va­ti­on für eine Ver­kehrs­wen­de die Redu­zie­rung von ver­kehrs­be­ding­ten Umwelt– und Personenschäden”.

Andrei Schnell

Meine Feinde besitzen ein Stück der Wahrheit, das mir fehlt.

5 Comments

  1. Tol­ler Arti­kel. Nur eine Anmer­kung zu den mit­tel­fris­ti­gen Pla­nun­gen: Das Ziel­netz für den Wed­ding ergibt sich aus dem Rad­ver­kehrs­plan (FIS Bro­ker -> Radverkehrsnetz). 

    Was davon in den nächs­ten Jah­ren umge­setzt wer­den soll, wur­de im März im Mobi­li­täts­rat vor­ge­stellt. Hier die Foli­en dazu: https://www.berlin.de/ba-mitte/politik-und-verwaltung/aemter/strassen-und-gruenflaechenamt/planung-entwurf-neubau/pdf/220301-mobilitaetsrat-mitte-praesentation.pdf

    • Dan­ke. Offen­bar ent­fällt weit­ge­hend die Unter­schei­dung zwi­schen Rad­netz (Rad­weg auf dem Bür­ger­steig) und Fahrradstraßennetz.

  2. Guten Mor­gen

    Mensch Max du und dei­ne Fra­gen :))) … sind echt die bes­ten.…!!!! Alle Ein­bahn­stra­ßen füh­ren nur in eine Rich­tung, des­halb hei­ßen sie doch Einbahn.…. 

    son­ni­ge Rest­wo­che noch

    • Ich ver­ste­he die Fra­ge; denn wegen des Wor­tes gegen­läu­fig ist inter­es­sant zu wis­sen, ob die bei­den Ein­bahn­stra­ßen auf­ein­an­der zulau­fen wer­den oder von ein­an­der weg­füh­ren. Zum Bei­spiel, wenn die Kreu­zung Gen­ter Stra­ße den Mit­tel­punkt bil­det. Ich habe des­halb Zeich­nun­gen ange­fragt, aber die Ant­wort erhal­ten, die­se sei­en noch nicht final.

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