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Eine kleine Zeitreise in der Koloniestraße

Foto: Sherin Kilada
Foto: She­rin Kilada

Sie beginnt an der Kreu­zung Bad‑, Exer­zier- und Schwe­den­stra­ße und führt bis zur Ein­mün­dung in die Küh­ne­mann­stra­ße. Sie mar­kiert die Gren­ze zwi­schen den Bezir­ken Mit­te und Rei­ni­cken­dorf. Ein Bei­trag über die wech­sel­vol­le Geschich­te der Koloniestraße.

Das ältes­te Haus im Wed­ding: Kolo­nie­str. 57

Kolo­nie­stra­ße, 1782. In das sump­fi­ge Gebiet an der Pan­ke zie­hen die ers­ten Fami­li­en, dort­hin, wo heu­te der Sol­di­ner Kiez ist. Es waren Bau­ern, die der preu­ßi­sche König Fried­rich der Gro­ße aus dem Aus­land ange­wor­ben hat­te, um die Bevöl­ke­rung von Ber­lin mit Obst und Gemü­se zu ver­sor­gen. Es stell­te sich jedoch als schwie­rig her­aus, Bewoh­ner zu fin­den, die in den Vor­ort nörd­lich von Ber­lin zie­hen woll­ten, wel­cher aus Kie­fern­wäl­dern, Dünen und Sumpf­ge­bie­ten bestand. Die 13 Fami­li­en, die dem Auf­ruf Fol­ge leis­te­ten, beka­men jeweils ein beschei­de­nes Häus­chen von 14 Qua­drat­me­tern geschenkt. Die Bau­ern oder Kolo­nis­ten waren die Namens­ge­ber der Kolo­nie­stra­ße, die zu die­ser Zeit ein ein­fa­cher Sand­weg war. Eines die­ser Kolo­nis­ten­häu­ser steht bis heu­te in der Kolo­nie­stra­ße 57 und wird als Wohn­zim­mer und Küche von dem Haus­pro­jekt Pinke­Pan­ke genutzt.

Koloniestraße 116. Foto: Andrei Schnell
Kolo­nie­stra­ße 116. Foto: And­rei Schnell

Im Ver­lauf des 19. Jahr­hun­derts wur­de es vol­ler in der Kolo­nie­stra­ße. Die Stra­ße wur­de asphal­tiert und zu den Bau­ern­häu­sern kamen im Zuge der Indus­tria­li­sie­rung Miets­häu­ser hin­zu. Das ältes­te noch erhal­te­ne Gebäu­de steht in der in der Kolo­nie­stra­ße 116. Es ist Zeu­ge aus einer Zeit, in der die Stra­ße dicht besie­delt und her­un­ter­ge­kom­me­nen war. Hier leb­ten Fabrik­ar­bei­ter, die von ihren Löh­nen den Lebens­un­ter­halt kaum bestrei­ten konn­ten. In dem Arbei­ter­be­zirk Wed­ding for­mier­ten sich Streiks gegen die Aus­beu­tung und lin­ke Par­tei­en fan­den hier vie­le Anhän­ger. Dar­un­ter auch die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei Deutsch­lands, die sich in dem Lokal „Die Krü­cke“ in der Kolo­nie­stra­ße versammelte.

Mit der Gebiets­re­form 1920 wur­de Pan­kow in Ber­lin ein­ge­mein­det. Die Kolo­nie­stra­ße war nun nicht mehr das Rand­ge­biet von Ber­lin, son­dern mit­ten­drin. Das änder­te sich schlag­ar­tig mit dem Mau­er­bau. Der Wed­ding lag wie­der am Stadt­rand. Wie schon 1782 zogen zu die­ser Zeit aus dem Aus­land ange­wor­be­ne Men­schen in die Kolo­nie­stra­ße. Dies­mal waren es kei­ne Bau­ern, son­dern Arbei­ter, vor allem aus der Tür­kei, die in den güns­ti­gen Miet­woh­nun­gen ein Zuhau­se fan­den. Die Wal­nuss­bäu­me, die in dem Gar­ten neben dem übrig geblie­be­nen Kolo­nis­ten­haus in der Kolo­nie­stra­ße 57 ste­hen, so erzählt einer der Bewoh­ner, hat eine Gast­ar­bei­ter­fa­mi­lie aus ihrem Gar­ten in der Tür­kei in die Kolo­nie­stra­ße importiert.

Der Text wur­de uns von der Redak­ti­on des Kiez­ma­ga­zins Sol­di­ner zur Ver­fü­gung gestellt. Text: She­rin Kilada

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