/

Ein Jahr Leo, ein Jahr Wedding

14

IMG_8184War­um aus­ge­rech­net in den Wed­ding? Die­se Fra­ge war schon der ers­te Kul­tur­schock, als ich vor einem Jahr von Mün­chen nach Ber­lin zog. In Mün­chen galt für die meis­ten, die ich kann­te: Haupt­sa­che eini­ger­ma­ßen zen­tral, eini­ger­ma­ßen hübsch und gera­de noch bezahl­bar. Sich auch noch einen Stadt­teil aus­zu­su­chen war bei Münch­ner Prei­sen eher nicht drin.

Das ist in Ber­lin anders. Ja, viel­mehr: Für vie­le Ber­li­ner, die ich traf, ist es ziem­lich wich­tig, in wel­chem Stadt­teil sie woh­nen. Sie reden auf Par­tys end­los dar­über, ob die­ser und jener Kiez ange­sagt ist, die­ser und jener nicht mehr oder ob wie­der ein ande­rer gera­de „kommt“. Letz­te­res heißt es ja über den Wed­ding schon ziem­lich lang, wie ich inzwi­schen weiß. So lang, dass kei­ner mehr dar­an glaub­te, dass es tat­säch­lich passiert

Mir war das wäh­rend der Woh­nungs­su­che egal. Ich habe mir in allen mög­li­chen Stadt­tei­len von Ber­lin Woh­nun­gen ange­schaut. “Das tat schon ein biss­chen weh zu sehen”, gestand mir neu­lich erst eine Urber­li­ne­rin. Wie kann jemand gleich­zei­tig in Fried­richs­hain, Prenz­lau­er Berg und Neu­kölln woh­nen wol­len? Es wur­de dann der Wed­ding. Mir gefiel die Alt­bau-Woh­nung mit Blick auf den Leo­pold­platz, in der mein Mann und ich heu­te woh­nen, von der ers­ten Minu­te an. Auf dem Weg zur Besich­ti­gung sah ich net­te Cafés, Knei­pen und Döner­lä­den, ein paar Spiel­ca­si­nos und auf dem Leo eine bun­te Mischung aus ein biss­chen zu gut geklei­de­ten Stu­den­ten, jun­gen Fami­li­en und… naja, der „Sze­ne“ halt.

Ist das schon Gentrifizierung?

Und nach einem Jahr gefällt es mir immer noch. Ich gehe jog­gen im Volks­park Reh­ber­ge, ein­kau­fen in den tür­ki­schen Super­märk­ten auf der Mül­ler­stra­ße. Ich koche inzwi­schen häu­fi­ger Lamm als Schwein. Immer noch nicht abge­wöh­nen konn­te ich mir den Dorf­mäd­chen-Reflex, jedes Mal das Fens­ter auf­zu­rei­ßen und raus zu gucken, wenn drau­ßen Geschrei ist. Oder Musik. Oder es ein­fach nur knallt. Vor allem im Som­mer, wenn auf dem Leo die gan­ze Nacht Par­ty ist, habe ich ziem­lich viel aus dem Fens­ter geguckt. Wie sehr ich mich aber trotz­dem schon an die neue Nach­bar­schaft gewöhnt habe, merk­te ich erst, als ich im Juli mal wie­der nach Mün­chen fuhr. Um halb elf Uhr abends zog ich dort mei­nen Kof­fer durch toten­stil­le Stra­ßen – obwohl mei­ne Freun­din, bei der ich über­nach­te­te, in einem ziem­lich ange­sag­ten Stadt­teil wohnt.

Aber kommt der Wed­ding nun wirk­lich? In dem Jahr, in dem ich hier woh­ne, gab es schon gewis­se Anzei­chen: neue Knei­pen und Cafés eröff­nen, die New York Times berich­te­te über das Wed­din­ger Nacht­le­ben. Ich kam die ers­ten Mona­te kaum aus dem Wed­ding her­aus, weil alle mei­ne Freun­de ger­ne mal vor­bei­kom­men und gucken woll­ten, wie der Wed­ding so ist. Das alles weck­te auch bei mir Befürch­tun­gen, dass die Gen­tri­fi­zie­rung in vol­lem Gang ist – mit all ihren Fol­gen: teu­re Bio­lä­den statt tür­ki­schen Super­märk­ten, Cafés mit Chai Lat­te für fünf Euro anstel­le von Stadt­teil­treffs, Kern­sa­nie­rung, Luxus­im­mo­bi­li­en, Ver­drän­gung. Und schuld sind Leu­te wie ich, weil die sind der Anfang der Mise­re. Weil ich Jour­na­lis­tin bin und Jour­na­lis­ten ganz gern ihre eige­nen Befind­lich­kei­ten für die Arbeit aus­schlach­ten, schrieb ich einen Arti­kel über mei­ne Befürchtungen.

Wäh­rend der Recher­che lern­te ich, dass die Hin­ter­grün­de der Gen­tri­fi­zie­rungs­de­bat­te gar nicht so sim­pel sind, wie es auf den ers­ten Blick scheint. Gen­tri­fi­zie­rung ist mehr als nur böse Ver­drän­gung – dafür ist der Wed­ding ein gutes Bei­spiel. Hier gibt es immer noch vie­le Leu­te, die sich wün­schen, dass mehr Men­schen wie ich in den Kiez zie­hen, „die sozia­le Mischung bes­ser wird“, wie es Stadt­so­zio­lo­gen nen­nen. Sozi­al­ar­bei­ter zum Bei­spiel, oder Leh­rer, die nichts gegen ein paar Aka­de­mi­ker­kin­der in ihren Grund­schul­klas­sen haben. Wenn ein Ort wie der Leo­pold­platz sau­be­rer wird, dann freut das nicht nur die Zuge­zo­gen, son­dern auch die, die schon län­ger hier sind. Dazu kommt: Der Wed­ding ist rie­sig, und ein paar Stra­ßen vom Leo ent­fernt immer noch so vol­ler Spiel­ca­si­nos und Eck­knei­pen, dass sich manch ein Bewoh­ner ein biss­chen Gen­tri­fi­zie­rung wünscht.

Der beste aller Kieze!

Die Poli­tik macht sich offen­bar ganz ähn­li­che Gedan­ken. Was ist die rich­ti­ge Mischung für die Gegend? So prüft gera­de der Bezirk Mit­te, den in der Tat ziem­lich begehr­ten Leo­pold­platz und sei­ne Umge­bung zum Milieu­schutz­ge­biet zu erklä­ren – gegen Luxus­sa­nie­run­gen und Ver­drän­gung! Und auf der ande­ren Sei­te ver­sucht die Poli­tik wei­ter­hin, Tei­le des Wed­ding mit Hil­fe von Quar­tiers­ma­nage­ment attrak­ti­ver zu machen. Zuletzt kam das Gebiet nörd­lich des S‑Bahnhofs Gesund­brun­nen dazu.

Ob der Wed­ding nun kommt oder nicht, ob das gut ist oder schlecht – auf die­se Fra­ge habe ich in mei­nem ers­ten Jahr kei­ne Ant­wort gefun­den. Ich habe mich dafür mit der Ber­li­ner Kiez­ver­ses­sen­heit ange­steckt. Wäh­rend ich in Mün­chen immer Lieb­lings­knei­pen und ‑Cafés in der gan­zen Stadt hat­te, bin ich in Ber­lin selt­sam auf den Wed­ding fixiert, freue mich über jeden neu­en Laden, der auf­macht und bewei­ne jeden, der zumacht. Ich unter­hal­te mich mit „mei­nem“ Spä­ti-Besit­zer über die Fami­lie und das Leben im All­ge­mei­nen, habe einen Lieb­lings-Döner, einen Lieb­lings-Hallo­u­mi-Laden, einen Lieb­lings-Chi­ne­sen und einen Lieb­lings-Ita­lie­ner. Und ich dozie­re auf Par­tys lang und breit, war­um der Wed­ding eh der bes­te aller Kieze ist – und Kreuz­berg und Neu­kölln total ein­pa­cken kön­nen. Obwohl ich dort kaum war im ver­gan­ge­nen Jahr, weil sie­he oben.

Es fehlt nicht mehr viel, und ich wür­de bei der Woh­nungs­su­che auf Immoscout nicht mehr wild alle Stadt­vier­tel Ankommen im Weddingankreu­zen, von denen ich schon­mal gehört habe. Son­dern wie eine ech­te Ber­li­ne­rin in „mei­nem“ Kiez blei­ben wol­len. Dazu wird es aller­dings nicht so schnell kom­men – denn dort, wo ich gera­de bin, will ich erst­mal nicht wie­der weg.

 

Autorin: Han­nah Beitzer

14 Comments

  1. Für jeden Wed­din­ger ist es das Zen­trum der Welt – so glau­ben Sie jeden­falls und soll­ten sich eine AB Fahr­kar­te kaufen

  2. Lie­be Han­nah Beitzer,
    die­sen Satz von mir bit­te streichen:

    und die­sen ebenfalls:
    >Und wenn das ” Pro­blem ” so weni­ger kom­plex ist, dei­ner Auf­fas­sung nach, dann schil­dern uns doch ein­mal dei­ne Lösungs­an­sät­ze und ver­su­che ein­mal prag­ma­tisch an die Din­ge her­an­zu­ge­hen und mein Kom­men­tar hier lächer­lich zu machen<

    Ich habe das ” weni­ger ” über­se­hen, mea culpa 🙂

    In dei­nem sehr guten Arti­kel in der SZ beschreibst Du die Komplexität:
    http://www.sueddeutsche.de/leben/gentrifizierung-in-grossstaedten-erst-komme-ich-dann-kommt-der-wedding‑1.2518287
    ausführlich.
    War­um Du aller­dings mei­nen Kom­men­tar in die ” böse Ecke ” schiebst ist mir aller­dings nicht verständlich??
    Und ist der Arti­kel 14 im GG so komplex???

  3. Ach lie­be Han­nah Beitzer,

    >wie schön muss das sein, wenn sich für einen alles so leicht dar­stellt: böse Poli­tik, böse Spe­ku­lan­ten, böse
    Gen­tri­fi­zie­rung, böse Medien<

    dass hast D u geschrie­ben nicht i c h 

    Es geht nicht um “böse” son­dern um die Rea­li­tät und die sieht e.j. im Medi­en­be­reich so aus, dass immer weni­ger Jour­na­lis­tin­nen fes­te Arbeits­ver­trä­ge bekom­men , dass wur­de mir von Freun­den bestä­tigt, die seit Jah­ren als ” freie Mit­ar­bei­ter ” tätig sind.
    Und der inves­ti­ga­ti­ve Jour­na­lis­mus, der sich e.j. ein­mal mit dem Immo­bi­li­en­mo­no­po­len in Deutsch­land, bzw. in Euro­pa beschäf­tigt ist lei­der nicht vorhanden.

    Und wenn angeb­lich alles wenig kom­plex ist, war­um gibt es sol­che Initia­ti­ven wie
    http://wem-gehoert-moabit.de/
    ??

    Da Du aus Mün­chen kommst, kennst Du doch sehr gut die dor­ti­gen Immobilienverhältnisse
    Wel­che Kran­ken­schwes­ter, wel­cher ein­fa­cher Poli­zist wohnt noch in Mün­chen, bzw. kann sich als Zuge­reis­ter eine Woh­nung im Stadt­ge­biet leisten.
    Sie­he auch:
    http://m.immobilien-zeitung.de/1000028365/wohnkosten-freiburg-weiter-knapp-vor-muenchen
    Wir haben zwar in .de noch nicht die Situa­ti­on wie in Lon­don oder Paris wo man der­zeit für eine 15 m² gro­ße Woh­nung 1200 Euro zahlt, aber.….

    Und was die ” böse Poli­tik ” und die “bösen Spe­ku­lan­ten” betrifft:
    War­um steht an der Utrech­ter Str. Ecke Mül­ler­str. seit meh­re­ren Jah­ren ein Miets­haus leer (Platz für 20 Familien/und oder Flüchtlinge)??
    Es gibt den Arti­kel 14 im Grund­ge­setz Eigen­tum verpflichtet
    Oder gilt dies nur für Otto Normalverbraucher

    Und wenn das ” Pro­blem ” so weni­ger kom­plex ist, dei­ner Auf­fas­sung nach, dann schil­dern uns doch ein­mal dei­ne Lösungs­an­sät­ze und ver­su­che ein­mal prag­ma­tisch an die Din­ge her­an­zu­ge­hen und mein Kom­men­tar hier lächer­lich zu machen

    Wenn Du Dich mit Andrej Holm beschäf­tigst hast, dann weißt Du doch sicher­lich wo die Lösungs­an­sät­ze lie­gen oder?

    Und ob die erwähn­te Milieu­schutz­sat­zung tat­säch­lich funktioniert??

    Wenn schon die Miet­preis­brem­se nicht funktioniert:
    Sie­he Dei­ne Heimatzeitung:
    http://www.sueddeutsche.de/news/wirtschaft/wohnen-mietspiegel-fehlt-oft-uneffektive-mietpreisbremse-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101–151103-99–06004

    dann habe ich ein ungu­tes Gefühl 🙂

  4. Lie­be Han­nah Beitzer,
    Du kennst sicher­lich die Situa­ti­on in München 🙂
    Und ganz banal Der Wed­ding ist Teil von Berlin-Mitte !!

    Das heißt konkret:

    Die Immo­bi­li­en­prei­se wer­den stei­gen ej. in der Gerichts­str. wer­den Eigen­tums­woh­nung der­zeit mit m2 Prei­sen von > 4000 Euro ange­bo­ten (Alle Woh­nun­gen sind bereits verkauft.
    http://thegreenview.de/
    Und wenn die Immo­bi­li­en­prei­se stei­gen auch die Mieten.
    Und wenn ich mir anschaue, wer sich Mie­ten von 10 Euro/m2 leis­ten kann, wer­den wir sehr rasch hier ein Abwan­de­rung der Nied­ri­ge­in­kom­mens­grup­pen erleben.
    Was die­sen Satz von Dir betrifft:

    “Und auf der ande­ren Sei­te ver­sucht die Poli­tik wei­ter­hin, Tei­le des Wed­ding mit Hil­fe von Quar­tiers­ma­nage­ment attrak­ti­ver zu machen. Zuletzt kam das Gebiet nörd­lich des S‑Bahnhofs Gesund­brun­nen dazu.”

    Bis Du als Jour­na­lis­tin tat­säch­lich so naiv, dass die Poli­tik den Wed­ding attrak­ti­ver macht?
    🙂

    Die Musik wird hier von der real esta­te Unter­neh­men und den soge­nann­ten “deve­lo­p­per” gespielt, sie­he e.j. auch den sehr gut recher­chier­ten Arti­kel von Andrej Schnell, hier im Weddingweiser:

    https://weddingweiser.de/2015/10/27/sind-das-uberhaupt-noch-wohnungen/

    Dass e.j. sol­che Fusio­nen wie Deut­sche Woh­nen und Von­no­via (von der Poli­tik !!) zuge­las­sen werden:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/vonovia-verkuendet-vor-deutsche-wohnen-uebernahme-gewinnsprung-a-1060805.html

    ist doch ein­deu­tig ein Armuts­zeug­nis ” dei­ner Poli­tik ” (wer immer dass auch ist) dass hier der Arti­kel 14 Absatz 2 im Grundgesetz:
    http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_14.html

    doch nur noch eine Fei­gen­blatt Funk­ti­on hat.

    Lei­der gibt es in .de nur noch sehr wenig den “inves­ti­ga­ti­ven Jour­na­lis­mus” der sich dem The­ma Eigen­tum und Immo­bi­li­en annimmt.

    Auch bei der SZ sinkt zuneh­mend der Anteil des inves­ti­ga­ti­ven Journalismus.

    • Ach, lie­ber Moritz Ber­ger! Wer behaup­tet denn hier, dass es das Pro­blem nicht gibt? Es ist halt nur ein wenig kom­ple­xer als es manch einer wahr­ha­ben will. Aber wie schön muss das sein, wenn sich für einen alles so leicht dar­stellt: böse Poli­tik, böse Spe­ku­lan­ten, böse Gen­tri­fi­zie­rung, böse Medien.

    • Lie­be Susan­ne Haun,
      trotz Herz­klin­gel ..hast Du als Künst­le­rin noch nicht mit­be­kom­men, dass Dei­ne Kol­le­gIn­nen zuneh­mend aus dem Wed­ding wegen der stei­gen­den Mie­ten abwandern?

      • Lie­ber Moritz,
        ich gebe zu beden­ken, dass auch Gebäu­de / Archi­tek­tu­ren respekt­voll behan­delt wer­den möch­ten. Dazu gehört auch Pfle­ge der Gebäu­de, ohne gleich in Luxus aus­zu­ar­ten. In den 80ziger Jah­ren ver­fie­len die schö­nen Alt­bau­ten immer mehr, bei man­chen Gebäu­den ver­hin­der­ten Haus­be­set­zer den siche­ren Abriss wie zum Bei­spiel in der Gro­nin­ger Str. 55, wie hier berich­tet wurde.
        Zudem möch­ten heu­te die wenigs­tens Men­schen mit Ofen­hei­zung leben, die zen­tra­le Hei­zung und war­me Räu­me sind ein Stan­dard gewor­den. Trotz­dem gibt es in der Mal­plaquet­stras­se noch grö­ße­re Woh­nun­gen um die 80 qm für 300 Euro mit Ofen­hei­zung. Ich den­ke fast, dass da noch eini­ges frei ist.
        Ich bin sehr froh, dass der Leo­pold­platz unter Milieu­schutz gestellt wer­den soll. Ich hof­fe, dass trotz die­ses Schut­zes das Cafe Leo wei­ter blei­ben darf, ich habe die­sen Bericht mit Inter­es­se hier gelesen.
        Mei­ne Eltern bezahl­ten in der Mal­plaquet­stras­se vor 50 Jah­ren 70 DM Mie­te für 80 qm, ich zahl­te für die gleich Woh­nung in den 80zigern 185 DM Mie­te. Anfang der 90iger habe ich 5€/qm für mein Ate­lier bezahlt.
        Die Zei­ten und die Gehäl­ter wan­deln sich, ohne dass es gleich zum Luxus wird. Es gibt im Wed­ding zum Glück noch viel geför­der­ten Wohnraum.
        Es wird weni­ger – sicher. Und ich habe mit Bedau­ern wahr­ge­nom­men, dass Ate­lier­häu­ser, wie das Stadt­badt geschlos­sen wur­den. Aber auch hier müs­sen die Bau­auf­la­gen beach­tet wer­den, nicht dass nach­her Ver­un­glück­te zu bekla­gen sind.
        Ich freue mich über die vie­len neu­en Kaf­fees und unter­schied­li­chen Restau­rants aus so vie­len Natio­nen, die hier im Wed­ding­wei­ser bespro­chen wer­den und die ich sehr ger­ne ausprobiere.

        Wohin meinst du Moritz wan­dern die Künst­ler ab? Wo gibt es preis­wer­te­re Mie­ten und von der Lage güns­ti­ge­re Ate­liers als im Wed­ding? Ich sehe sovie­le Läden, die leer ste­hen und die sicher sehr gut als Ate­lier genutzt wer­den kön­nen. Sind das schon alles Spekulationsobjekte?

    • Lie­be Susanne,

      ein neu­er Stand­ort für Künst­ler ist Marzahn-Hellersdorf,

      Was die leer­ste­hen­den Läden im Wed­ding betrifft, ver­mu­te ich , dass die Immo­bi­li­en­be­sit­zer wie bereits in meh­re­ren Fäl­len, die­se Läden (wenn sie sich nicht an Haupt­ver­kehrs­ach­sen befin­den) zu bar­rie­re­frei­en Erd­ge­schoss­woh­nun­gen umwandeln.

      Der bis­lang hohe Anteil der Ein­zel­miets­haus­be­sit­zer im Wed­ding, nimmt immer mehr abnimmt und sehr gro­ße Inves­to­ren, wie z.B. die Schwe­den (Aki­lei­os ?) immer mehr dominieren.
      Da die­se Inves­to­ren oft­mals nur eine Fremd­fi­nan­zie­rung betrei­ben, sind sie gewis­ser­ma­ßen ” gezwun­gen ” hohe Ren­di­ten zu erwirt­schaf­ten (bis zu 10%)

      Oft­mals gehen die Invest­ment­ge­sell­schaf­ten fol­gen­der­ma­ßen vor:

      1. Schritt: Über­prü­fen ob die Miet­hö­he bereits bis an die gesetz­li­che Höhe laut Miet­spie­gel aus­ge­reizt ist.
      2. Umwand­lung der Miet­woh­nun­gen in Eigen­tums­woh­nun­gen (zuerst in Pake­ten für klei­ne­re Inves­to­ren, dann die Ver­mark­tung an ein­zel­nen Personen
      3. Der nicht ” ver­wert­ba­re Rest ” wird mit­tels Grün­dung einer AG an die Bör­se gebracht.

      So gesche­hen beim Kauf des Ber­li­ner Woh­nungs­ta­fel­sil­bers unter Sar­ra­zin (70.000 Wohnungen)

      Über gute Infor­ma­ti­on gene­rell zum Immo­bi­li­en­sek­tor ver­fügt die Initia­ti­ve ” wem gehört ” Moa­bit, die mitt­ler­wei­le eine Kar­tie­rung der Wohn­ge­bie­te (noch in den Anfän­gen) nach Invest­ment­grup­pen erarbeiten.
      Für den Wed­ding exis­tiert m.E. so etwas noch nicht.

      • Lie­ber Moritz,
        herz­li­chen Dank für dei­ne aus­führ­li­che Ant­wort und dei­ne Hinweise.
        Ja, ich habe dun­kel in Erin­ne­rung, schon davon gehört zu haben, dass Mar­zahn-Hel­lers­dorf der neue Stand­ort für Künst­ler ist. Ich möch­te nicht nach Mar­zahn-Hel­lers­dorf zie­hen, aber wenn ich dar­über nach­den­ke, ist es viel­leicht nicht schlecht, dass Künst­ler in Mar­zahn-Hel­lers­dorf arbei­ten und dort womög­lich eine Durch­mi­schung der poli­ti­schen Mei­nun­gen bewerk­stel­li­gen und die­sen zum Teil so unge­lieb­ten Bezirk ein neu­es Gesicht geben.
        Pro­ble­ma­tisch an Wed­din­ger Läden ist das Licht, sprich die dunk­len Räu­me, die sich nicht zum Malen, Bild­hau­ern etc. eig­nen und meis­tens sind die Läden auch nach dem Reno­vie­ren feucht und die Far­be brö­ckelt … die Heiz­kos­ten sind recht hoch in den Läden. Ich hat­te mein Ate­lier vor eini­gen Jah­ren in einem Laden in der Mar­tin-Opitz-Str. und spre­che da aus Erfahrung!
        Fremd­in­ves­to­ren sind natür­lich, egal in wel­chem Bezirk, nicht gut für eine Stadt!
        Einen schö­nen Tag wünscht dir
        Susanne

      • In ande­ren Stadtei­len Ateliers…klar die Monats­kar­te kos­tet ja nur…und ich möch­te nachts wenn ich irgend­wo dort lang gehe
        oder BVG fah­re auf kei­nen Fall Nazis, Skinheads…begegnen… abge­se­hen kann das über­all pas­sie­ren aber sol­che Stadteile
        sind für mich abso­lu­te Nogoareas.

        • Nazis in Ber­li­ner plat­ten­bau­vier­teln… in wel­chem 90er-Kli­schee Lebst du denn noch? Wann warst du das letz­te mal da? Ich bin seit Jah­ren hier. Die drei hel­lers­dor­fer idio­ten hast du über­all anders­wo auch.

Schreibe einen Kommentar zu Moritz Berger Antworten abbrechen

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.