Ein Jahr Leo, ein Jahr Wedding

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IMG_8184War­um aus­ge­rech­net in den Wed­ding? Die­se Fra­ge war schon der ers­te Kul­tur­schock, als ich vor einem Jahr von Mün­chen nach Ber­lin zog. In Mün­chen galt für die meis­ten, die ich kann­te: Haupt­sa­che eini­ger­ma­ßen zen­tral, eini­ger­ma­ßen hübsch und gera­de noch bezahl­bar. Sich auch noch einen Stadt­teil aus­zu­su­chen war bei Münch­ner Prei­sen eher nicht drin.

Das ist in Ber­lin anders. Ja, viel­mehr: Für vie­le Ber­li­ner, die ich traf, ist es ziem­lich wich­tig, in wel­chem Stadt­teil sie woh­nen. Sie reden auf Par­tys end­los dar­über, ob die­ser und jener Kiez ange­sagt ist, die­ser und jener nicht mehr oder ob wie­der ein ande­rer gera­de „kommt“. Letz­te­res heißt es ja über den Wed­ding schon ziem­lich lang, wie ich inzwi­schen weiß. So lang, dass kei­ner mehr dar­an glaub­te, dass es tat­säch­lich passiert

Mir war das wäh­rend der Woh­nungs­su­che egal. Ich habe mir in allen mög­li­chen Stadt­tei­len von Ber­lin Woh­nun­gen ange­schaut. “Das tat schon ein biss­chen weh zu sehen”, gestand mir neu­lich erst eine Urber­li­ne­rin. Wie kann jemand gleich­zei­tig in Fried­richs­hain, Prenz­lau­er Berg und Neu­kölln woh­nen wol­len? Es wur­de dann der Wed­ding. Mir gefiel die Alt­bau-Woh­nung mit Blick auf den Leo­pold­platz, in der mein Mann und ich heu­te woh­nen, von der ers­ten Minu­te an. Auf dem Weg zur Besich­ti­gung sah ich net­te Cafés, Knei­pen und Döner­lä­den, ein paar Spiel­ca­si­nos und auf dem Leo eine bun­te Mischung aus ein biss­chen zu gut geklei­de­ten Stu­den­ten, jun­gen Fami­li­en und… naja, der „Sze­ne“ halt.

Ist das schon Gentrifizierung?

Und nach einem Jahr gefällt es mir immer noch. Ich gehe jog­gen im Volks­park Reh­ber­ge, ein­kau­fen in den tür­ki­schen Super­märk­ten auf der Mül­ler­stra­ße. Ich koche inzwi­schen häu­fi­ger Lamm als Schwein. Immer noch nicht abge­wöh­nen konn­te ich mir den Dorf­mäd­chen-Reflex, jedes Mal das Fens­ter auf­zu­rei­ßen und raus zu gucken, wenn drau­ßen Geschrei ist. Oder Musik. Oder es ein­fach nur knallt. Vor allem im Som­mer, wenn auf dem Leo die gan­ze Nacht Par­ty ist, habe ich ziem­lich viel aus dem Fens­ter geguckt. Wie sehr ich mich aber trotz­dem schon an die neue Nach­bar­schaft gewöhnt habe, merk­te ich erst, als ich im Juli mal wie­der nach Mün­chen fuhr. Um halb elf Uhr abends zog ich dort mei­nen Kof­fer durch toten­stil­le Stra­ßen – obwohl mei­ne Freun­din, bei der ich über­nach­te­te, in einem ziem­lich ange­sag­ten Stadt­teil wohnt.

Aber kommt der Wed­ding nun wirk­lich? In dem Jahr, in dem ich hier woh­ne, gab es schon gewis­se Anzei­chen: neue Knei­pen und Cafés eröff­nen, die New York Times berich­te­te über das Wed­din­ger Nacht­le­ben. Ich kam die ers­ten Mona­te kaum aus dem Wed­ding her­aus, weil alle mei­ne Freun­de ger­ne mal vor­bei­kom­men und gucken woll­ten, wie der Wed­ding so ist. Das alles weck­te auch bei mir Befürch­tun­gen, dass die Gen­tri­fi­zie­rung in vol­lem Gang ist – mit all ihren Fol­gen: teu­re Bio­lä­den statt tür­ki­schen Super­märk­ten, Cafés mit Chai Lat­te für fünf Euro anstel­le von Stadt­teil­treffs, Kern­sa­nie­rung, Luxus­im­mo­bi­li­en, Ver­drän­gung. Und schuld sind Leu­te wie ich, weil die sind der Anfang der Mise­re. Weil ich Jour­na­lis­tin bin und Jour­na­lis­ten ganz gern ihre eige­nen Befind­lich­kei­ten für die Arbeit aus­schlach­ten, schrieb ich einen Arti­kel über mei­ne Befürchtungen.

Wäh­rend der Recher­che lern­te ich, dass die Hin­ter­grün­de der Gen­tri­fi­zie­rungs­de­bat­te gar nicht so sim­pel sind, wie es auf den ers­ten Blick scheint. Gen­tri­fi­zie­rung ist mehr als nur böse Ver­drän­gung – dafür ist der Wed­ding ein gutes Bei­spiel. Hier gibt es immer noch vie­le Leu­te, die sich wün­schen, dass mehr Men­schen wie ich in den Kiez zie­hen, „die sozia­le Mischung bes­ser wird“, wie es Stadt­so­zio­lo­gen nen­nen. Sozi­al­ar­bei­ter zum Bei­spiel, oder Leh­rer, die nichts gegen ein paar Aka­de­mi­ker­kin­der in ihren Grund­schul­klas­sen haben. Wenn ein Ort wie der Leo­pold­platz sau­be­rer wird, dann freut das nicht nur die Zuge­zo­gen, son­dern auch die, die schon län­ger hier sind. Dazu kommt: Der Wed­ding ist rie­sig, und ein paar Stra­ßen vom Leo ent­fernt immer noch so vol­ler Spiel­ca­si­nos und Eck­knei­pen, dass sich manch ein Bewoh­ner ein biss­chen Gen­tri­fi­zie­rung wünscht.

Der beste aller Kieze!

Die Poli­tik macht sich offen­bar ganz ähn­li­che Gedan­ken. Was ist die rich­ti­ge Mischung für die Gegend? So prüft gera­de der Bezirk Mit­te, den in der Tat ziem­lich begehr­ten Leo­pold­platz und sei­ne Umge­bung zum Milieu­schutz­ge­biet zu erklä­ren – gegen Luxus­sa­nie­run­gen und Ver­drän­gung! Und auf der ande­ren Sei­te ver­sucht die Poli­tik wei­ter­hin, Tei­le des Wed­ding mit Hil­fe von Quar­tiers­ma­nage­ment attrak­ti­ver zu machen. Zuletzt kam das Gebiet nörd­lich des S‑Bahnhofs Gesund­brun­nen dazu.

Ob der Wed­ding nun kommt oder nicht, ob das gut ist oder schlecht – auf die­se Fra­ge habe ich in mei­nem ers­ten Jahr kei­ne Ant­wort gefun­den. Ich habe mich dafür mit der Ber­li­ner Kiez­ver­ses­sen­heit ange­steckt. Wäh­rend ich in Mün­chen immer Lieb­lings­knei­pen und ‑Cafés in der gan­zen Stadt hat­te, bin ich in Ber­lin selt­sam auf den Wed­ding fixiert, freue mich über jeden neu­en Laden, der auf­macht und bewei­ne jeden, der zumacht. Ich unter­hal­te mich mit „mei­nem“ Spä­ti-Besit­zer über die Fami­lie und das Leben im All­ge­mei­nen, habe einen Lieb­lings-Döner, einen Lieb­lings-Hallo­u­mi-Laden, einen Lieb­lings-Chi­ne­sen und einen Lieb­lings-Ita­lie­ner. Und ich dozie­re auf Par­tys lang und breit, war­um der Wed­ding eh der bes­te aller Kieze ist – und Kreuz­berg und Neu­kölln total ein­pa­cken kön­nen. Obwohl ich dort kaum war im ver­gan­ge­nen Jahr, weil sie­he oben.

Es fehlt nicht mehr viel, und ich wür­de bei der Woh­nungs­su­che auf Immoscout nicht mehr wild alle Stadt­vier­tel Ankommen im Weddingankreu­zen, von denen ich schon­mal gehört habe. Son­dern wie eine ech­te Ber­li­ne­rin in „mei­nem“ Kiez blei­ben wol­len. Dazu wird es aller­dings nicht so schnell kom­men – denn dort, wo ich gera­de bin, will ich erst­mal nicht wie­der weg.

 

Autorin: Han­nah Beitzer

14 Comments

  1. Für jeden Wed­din­ger ist es das Zen­trum der Welt – so glau­ben Sie jeden­falls und soll­ten sich eine AB Fahr­kar­te kaufen

  2. Lie­be Han­nah Beitzer,
    die­sen Satz von mir bit­te streichen:

    und die­sen ebenfalls:
    >Und wenn das ” Pro­blem ” so weni­ger kom­plex ist, dei­ner Auf­fas­sung nach, dann schil­dern uns doch ein­mal dei­ne Lösungs­an­sät­ze und ver­su­che ein­mal prag­ma­tisch an die Din­ge her­an­zu­ge­hen und mein Kom­men­tar hier lächer­lich zu machen<

    Ich habe das ” weni­ger ” über­se­hen, mea culpa 🙂

    In dei­nem sehr guten Arti­kel in der SZ beschreibst Du die Komplexität:
    http://www.sueddeutsche.de/leben/gentrifizierung-in-grossstaedten-erst-komme-ich-dann-kommt-der-wedding‑1.2518287
    ausführlich.
    War­um Du aller­dings mei­nen Kom­men­tar in die ” böse Ecke ” schiebst ist mir aller­dings nicht verständlich??
    Und ist der Arti­kel 14 im GG so komplex???

  3. Ach lie­be Han­nah Beitzer,

    >wie schön muss das sein, wenn sich für einen alles so leicht dar­stellt: böse Poli­tik, böse Spe­ku­lan­ten, böse
    Gen­tri­fi­zie­rung, böse Medien<

    dass hast D u geschrie­ben nicht i c h 

    Es geht nicht um “böse” son­dern um die Rea­li­tät und die sieht e.j. im Medi­en­be­reich so aus, dass immer weni­ger Jour­na­lis­tin­nen fes­te Arbeits­ver­trä­ge bekom­men , dass wur­de mir von Freun­den bestä­tigt, die seit Jah­ren als ” freie Mit­ar­bei­ter ” tätig sind.
    Und der inves­ti­ga­ti­ve Jour­na­lis­mus, der sich e.j. ein­mal mit dem Immo­bi­li­en­mo­no­po­len in Deutsch­land, bzw. in Euro­pa beschäf­tigt ist lei­der nicht vorhanden.

    Und wenn angeb­lich alles wenig kom­plex ist, war­um gibt es sol­che Initia­ti­ven wie
    http://wem-gehoert-moabit.de/
    ??

    Da Du aus Mün­chen kommst, kennst Du doch sehr gut die dor­ti­gen Immobilienverhältnisse
    Wel­che Kran­ken­schwes­ter, wel­cher ein­fa­cher Poli­zist wohnt noch in Mün­chen, bzw. kann sich als Zuge­reis­ter eine Woh­nung im Stadt­ge­biet leisten.
    Sie­he auch:
    http://m.immobilien-zeitung.de/1000028365/wohnkosten-freiburg-weiter-knapp-vor-muenchen
    Wir haben zwar in .de noch nicht die Situa­ti­on wie in Lon­don oder Paris wo man der­zeit für eine 15 m² gro­ße Woh­nung 1200 Euro zahlt, aber.….

    Und was die ” böse Poli­tik ” und die “bösen Spe­ku­lan­ten” betrifft:
    War­um steht an der Utrech­ter Str. Ecke Mül­ler­str. seit meh­re­ren Jah­ren ein Miets­haus leer (Platz für 20 Familien/und oder Flüchtlinge)??
    Es gibt den Arti­kel 14 im Grund­ge­setz Eigen­tum verpflichtet
    Oder gilt dies nur für Otto Normalverbraucher

    Und wenn das ” Pro­blem ” so weni­ger kom­plex ist, dei­ner Auf­fas­sung nach, dann schil­dern uns doch ein­mal dei­ne Lösungs­an­sät­ze und ver­su­che ein­mal prag­ma­tisch an die Din­ge her­an­zu­ge­hen und mein Kom­men­tar hier lächer­lich zu machen

    Wenn Du Dich mit Andrej Holm beschäf­tigst hast, dann weißt Du doch sicher­lich wo die Lösungs­an­sät­ze lie­gen oder?

    Und ob die erwähn­te Milieu­schutz­sat­zung tat­säch­lich funktioniert??

    Wenn schon die Miet­preis­brem­se nicht funktioniert:
    Sie­he Dei­ne Heimatzeitung:
    http://www.sueddeutsche.de/news/wirtschaft/wohnen-mietspiegel-fehlt-oft-uneffektive-mietpreisbremse-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101–151103-99–06004

    dann habe ich ein ungu­tes Gefühl 🙂

  4. Lie­be Han­nah Beitzer,
    Du kennst sicher­lich die Situa­ti­on in München 🙂
    Und ganz banal Der Wed­ding ist Teil von Berlin-Mitte !!

    Das heißt konkret:

    Die Immo­bi­li­en­prei­se wer­den stei­gen ej. in der Gerichts­str. wer­den Eigen­tums­woh­nung der­zeit mit m2 Prei­sen von > 4000 Euro ange­bo­ten (Alle Woh­nun­gen sind bereits verkauft.
    http://thegreenview.de/
    Und wenn die Immo­bi­li­en­prei­se stei­gen auch die Mieten.
    Und wenn ich mir anschaue, wer sich Mie­ten von 10 Euro/m2 leis­ten kann, wer­den wir sehr rasch hier ein Abwan­de­rung der Nied­ri­ge­in­kom­mens­grup­pen erleben.
    Was die­sen Satz von Dir betrifft:

    “Und auf der ande­ren Sei­te ver­sucht die Poli­tik wei­ter­hin, Tei­le des Wed­ding mit Hil­fe von Quar­tiers­ma­nage­ment attrak­ti­ver zu machen. Zuletzt kam das Gebiet nörd­lich des S‑Bahnhofs Gesund­brun­nen dazu.”

    Bis Du als Jour­na­lis­tin tat­säch­lich so naiv, dass die Poli­tik den Wed­ding attrak­ti­ver macht?
    🙂

    Die Musik wird hier von der real esta­te Unter­neh­men und den soge­nann­ten “deve­lo­p­per” gespielt, sie­he e.j. auch den sehr gut recher­chier­ten Arti­kel von Andrej Schnell, hier im Weddingweiser:

    https://weddingweiser.de/2015/10/27/sind-das-uberhaupt-noch-wohnungen/

    Dass e.j. sol­che Fusio­nen wie Deut­sche Woh­nen und Von­no­via (von der Poli­tik !!) zuge­las­sen werden:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/vonovia-verkuendet-vor-deutsche-wohnen-uebernahme-gewinnsprung-a-1060805.html

    ist doch ein­deu­tig ein Armuts­zeug­nis ” dei­ner Poli­tik ” (wer immer dass auch ist) dass hier der Arti­kel 14 Absatz 2 im Grundgesetz:
    http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_14.html

    doch nur noch eine Fei­gen­blatt Funk­ti­on hat.

    Lei­der gibt es in .de nur noch sehr wenig den “inves­ti­ga­ti­ven Jour­na­lis­mus” der sich dem The­ma Eigen­tum und Immo­bi­li­en annimmt.

    Auch bei der SZ sinkt zuneh­mend der Anteil des inves­ti­ga­ti­ven Journalismus.

    • Ach, lie­ber Moritz Ber­ger! Wer behaup­tet denn hier, dass es das Pro­blem nicht gibt? Es ist halt nur ein wenig kom­ple­xer als es manch einer wahr­ha­ben will. Aber wie schön muss das sein, wenn sich für einen alles so leicht dar­stellt: böse Poli­tik, böse Spe­ku­lan­ten, böse Gen­tri­fi­zie­rung, böse Medien.

    • Lie­be Susan­ne Haun,
      trotz Herz­klin­gel ..hast Du als Künst­le­rin noch nicht mit­be­kom­men, dass Dei­ne Kol­le­gIn­nen zuneh­mend aus dem Wed­ding wegen der stei­gen­den Mie­ten abwandern?

      • Lie­ber Moritz,
        ich gebe zu beden­ken, dass auch Gebäu­de / Archi­tek­tu­ren respekt­voll behan­delt wer­den möch­ten. Dazu gehört auch Pfle­ge der Gebäu­de, ohne gleich in Luxus aus­zu­ar­ten. In den 80ziger Jah­ren ver­fie­len die schö­nen Alt­bau­ten immer mehr, bei man­chen Gebäu­den ver­hin­der­ten Haus­be­set­zer den siche­ren Abriss wie zum Bei­spiel in der Gro­nin­ger Str. 55, wie hier berich­tet wurde.
        Zudem möch­ten heu­te die wenigs­tens Men­schen mit Ofen­hei­zung leben, die zen­tra­le Hei­zung und war­me Räu­me sind ein Stan­dard gewor­den. Trotz­dem gibt es in der Mal­plaquet­stras­se noch grö­ße­re Woh­nun­gen um die 80 qm für 300 Euro mit Ofen­hei­zung. Ich den­ke fast, dass da noch eini­ges frei ist.
        Ich bin sehr froh, dass der Leo­pold­platz unter Milieu­schutz gestellt wer­den soll. Ich hof­fe, dass trotz die­ses Schut­zes das Cafe Leo wei­ter blei­ben darf, ich habe die­sen Bericht mit Inter­es­se hier gelesen.
        Mei­ne Eltern bezahl­ten in der Mal­plaquet­stras­se vor 50 Jah­ren 70 DM Mie­te für 80 qm, ich zahl­te für die gleich Woh­nung in den 80zigern 185 DM Mie­te. Anfang der 90iger habe ich 5€/qm für mein Ate­lier bezahlt.
        Die Zei­ten und die Gehäl­ter wan­deln sich, ohne dass es gleich zum Luxus wird. Es gibt im Wed­ding zum Glück noch viel geför­der­ten Wohnraum.
        Es wird weni­ger – sicher. Und ich habe mit Bedau­ern wahr­ge­nom­men, dass Ate­lier­häu­ser, wie das Stadt­badt geschlos­sen wur­den. Aber auch hier müs­sen die Bau­auf­la­gen beach­tet wer­den, nicht dass nach­her Ver­un­glück­te zu bekla­gen sind.
        Ich freue mich über die vie­len neu­en Kaf­fees und unter­schied­li­chen Restau­rants aus so vie­len Natio­nen, die hier im Wed­ding­wei­ser bespro­chen wer­den und die ich sehr ger­ne ausprobiere.

        Wohin meinst du Moritz wan­dern die Künst­ler ab? Wo gibt es preis­wer­te­re Mie­ten und von der Lage güns­ti­ge­re Ate­liers als im Wed­ding? Ich sehe sovie­le Läden, die leer ste­hen und die sicher sehr gut als Ate­lier genutzt wer­den kön­nen. Sind das schon alles Spekulationsobjekte?

    • Lie­be Susanne,

      ein neu­er Stand­ort für Künst­ler ist Marzahn-Hellersdorf,

      Was die leer­ste­hen­den Läden im Wed­ding betrifft, ver­mu­te ich , dass die Immo­bi­li­en­be­sit­zer wie bereits in meh­re­ren Fäl­len, die­se Läden (wenn sie sich nicht an Haupt­ver­kehrs­ach­sen befin­den) zu bar­rie­re­frei­en Erd­ge­schoss­woh­nun­gen umwandeln.

      Der bis­lang hohe Anteil der Ein­zel­miets­haus­be­sit­zer im Wed­ding, nimmt immer mehr abnimmt und sehr gro­ße Inves­to­ren, wie z.B. die Schwe­den (Aki­lei­os ?) immer mehr dominieren.
      Da die­se Inves­to­ren oft­mals nur eine Fremd­fi­nan­zie­rung betrei­ben, sind sie gewis­ser­ma­ßen ” gezwun­gen ” hohe Ren­di­ten zu erwirt­schaf­ten (bis zu 10%)

      Oft­mals gehen die Invest­ment­ge­sell­schaf­ten fol­gen­der­ma­ßen vor:

      1. Schritt: Über­prü­fen ob die Miet­hö­he bereits bis an die gesetz­li­che Höhe laut Miet­spie­gel aus­ge­reizt ist.
      2. Umwand­lung der Miet­woh­nun­gen in Eigen­tums­woh­nun­gen (zuerst in Pake­ten für klei­ne­re Inves­to­ren, dann die Ver­mark­tung an ein­zel­nen Personen
      3. Der nicht ” ver­wert­ba­re Rest ” wird mit­tels Grün­dung einer AG an die Bör­se gebracht.

      So gesche­hen beim Kauf des Ber­li­ner Woh­nungs­ta­fel­sil­bers unter Sar­ra­zin (70.000 Wohnungen)

      Über gute Infor­ma­ti­on gene­rell zum Immo­bi­li­en­sek­tor ver­fügt die Initia­ti­ve ” wem gehört ” Moa­bit, die mitt­ler­wei­le eine Kar­tie­rung der Wohn­ge­bie­te (noch in den Anfän­gen) nach Invest­ment­grup­pen erarbeiten.
      Für den Wed­ding exis­tiert m.E. so etwas noch nicht.

      • Lie­ber Moritz,
        herz­li­chen Dank für dei­ne aus­führ­li­che Ant­wort und dei­ne Hinweise.
        Ja, ich habe dun­kel in Erin­ne­rung, schon davon gehört zu haben, dass Mar­zahn-Hel­lers­dorf der neue Stand­ort für Künst­ler ist. Ich möch­te nicht nach Mar­zahn-Hel­lers­dorf zie­hen, aber wenn ich dar­über nach­den­ke, ist es viel­leicht nicht schlecht, dass Künst­ler in Mar­zahn-Hel­lers­dorf arbei­ten und dort womög­lich eine Durch­mi­schung der poli­ti­schen Mei­nun­gen bewerk­stel­li­gen und die­sen zum Teil so unge­lieb­ten Bezirk ein neu­es Gesicht geben.
        Pro­ble­ma­tisch an Wed­din­ger Läden ist das Licht, sprich die dunk­len Räu­me, die sich nicht zum Malen, Bild­hau­ern etc. eig­nen und meis­tens sind die Läden auch nach dem Reno­vie­ren feucht und die Far­be brö­ckelt … die Heiz­kos­ten sind recht hoch in den Läden. Ich hat­te mein Ate­lier vor eini­gen Jah­ren in einem Laden in der Mar­tin-Opitz-Str. und spre­che da aus Erfahrung!
        Fremd­in­ves­to­ren sind natür­lich, egal in wel­chem Bezirk, nicht gut für eine Stadt!
        Einen schö­nen Tag wünscht dir
        Susanne

      • In ande­ren Stadtei­len Ateliers…klar die Monats­kar­te kos­tet ja nur…und ich möch­te nachts wenn ich irgend­wo dort lang gehe
        oder BVG fah­re auf kei­nen Fall Nazis, Skinheads…begegnen… abge­se­hen kann das über­all pas­sie­ren aber sol­che Stadteile
        sind für mich abso­lu­te Nogoareas.

        • Nazis in Ber­li­ner plat­ten­bau­vier­teln… in wel­chem 90er-Kli­schee Lebst du denn noch? Wann warst du das letz­te mal da? Ich bin seit Jah­ren hier. Die drei hel­lers­dor­fer idio­ten hast du über­all anders­wo auch.

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