Echter Wahlparteitag bei der SPD

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Maja Lasic setzt sich durch und tritt im Wahlkreis 7 an - Foto Andrei Schnell
Maja Lasic setzt sich durch und tritt im Wahl­kreis 7 an – Foto And­rei Schnell

Die SPD-Mit­te hat ihre Kan­di­da­ten für die Ber­lin-Wahl 2016 auf­ge­stellt. Im Wed­ding tre­ten in den Wahl­krei­sen 5, 6 und 7 an: Bruni Wil­den­hein-Lau­ter­bach, Ralf Wie­land und Maja Lasiç.  Maja Lasiç setz­te sich deut­lich in einer Kampf­ab­stim­mung gegen Alev Deniz durch.

Als eine der letz­ten Par­tei­en im Wed­ding und ber­lin­weit nicht unbe­dingt als ers­ter als Kreis­ver­band inner­halb der SPD hat am 5. Dezem­ber auch die SPD-Mit­te ihre Direkt­kan­di­da­ten für Ber­lin-Wahl 2016 auf­ge­stellt. Der Wett­be­werb der Direkt­kan­di­da­ten kann damit ab Janu­ar Fahrt aufnehmen.

Statt eines juris­ti­schen Aktes wie bei den Grü­nen und der CDU sahen die Genos­sen in der Auf­stel­lung ihrer Kan­di­da­ten einen ech­ten Wahl­tag. Um für die Wahl­krei­se 1, 4 und 7 auf­ge­stellt zu wer­den, tra­ten jeweils meh­re­re Bewer­ber an. Und die­se Sicht auf einen Wahl­par­tei­tag ist nachahmenswert.

Bruni Wildenhein Lauterbach hat die Herzen der SPD-Mitte erobert - Foto Andrei Schnell
Bruni Wil­den­hein-Lau­ter­bach hat die Her­zen der SPD-Mit­te erobert – Foto And­rei Schnell

SPD-Kan­di­da­ten im Wedding
Der Wed­din­ger Wahl­kreis 7 war umkämpft. Sie­ge­rin Maja Lasiç trat kämp­fe­risch und selbst­be­wusst auf. „Ich will den Wahl­kreis für die SPD direkt gewin­nen!“, rief sie unter Applaus.

Für die ande­ren zwei Wahl­krei­se im Wed­ding gab es jeweils nur einen Kan­di­da­ten. Hier schick­te die SPD ihre Stars als Direkt­kan­di­da­ten ins Ren­nen. Für Bruni Wil­den­hein-Lau­ter­bach (121 von 128 Stim­men), die den Wahl­kreis zum drit­ten Mal erobern will, gab es Jubel­ru­fe. Und das sogar schon vor ihrer Bewer­bungs­re­de. Ralf Wie­land (119 von 126), Prä­si­dent des Abge­ord­ne­ten­hau­ses, gab sich sou­ve­rän, man könn­te fast sagen: staatsmännisch.

Kampf um die Wahl­krei­se 7 sowie 1 und 4
“Dies ist die schwie­rigs­te Ent­schei­dung heu­te“, hieß es in einer Unter­stüt­zungs­re­de. Im Wahl­kreis 7 (Brun­nen­vier­tel und drum her­um) unter­lag Alev Deniz gegen Maja Lasiç. Alev Deniz warb damit, den Kiez als ehe­ma­li­ge Quar­tiers­ma­na­ge­rin gut zu ken­nen. In ihrer ruhi­gen, pro­fes­sio­nel­len Rede wies auch dar­auf hin, im Minis­te­ri­um zu arbei­ten. Vor allem spra­chen ihre Erfah­run­gen in der Bezirks­po­li­tik für sie. Maja  Lasiç über­zeug­te die Dele­gier­ten mit ihrem Schwung und ihrer leben­di­gen, kon­kre­ten Rede.

Astrid Hollmann gewinnt ohne Idee für "subventionslosen sozialen Wohnungsbau" - Foto Andrei Schnell
Astrid Hol­lmann will gegen Pop und Hen­kel den Wahl­kreis 1 (Alt-Mit­te) gewin­nen – Foto And­rei Schnell

Für den Wahl­kreis 1 (Alt-Mit­te) war Her­aus­for­de­rer Tho­mas Mix gegen Astrid Hol­lmann zwar chan­cen­los, brach­te dafür aber das The­ma alter­na­ti­ver Model­le des sozia­len Woh­nungs­baus ein. Als „Pro­jekt­ent­wick­ler für Sozi­al­im­mo­bi­li­en“ warb er für einen sozia­len Woh­nungs­bau „ohne Subventionen“.

Im Wahl­kreis 4 (Moa­bit, Brüs­se­ler Kiez, Spren­gel­kiez) tra­ten Hans Jörg Horst­mei­er, Ilkin Özışık und Andre­as Wie­der­mann gegen­ein­an­der an. Hans Jörg Horst­mei­er trat mit dem The­ma Alters­ar­mut an, Ilkin Özışık mit dem The­ma Schul­bil­dung und Andre­as Wie­der­mann mit dem The­ma Miet­ver­drän­gung. Klar gewon­nen klar hat ihn Andre­as Wie­der­mann mit 88 von 126 Stimmen.

Atmo­sphä­ri­sches auf dem Parteitag
Der Par­tei­tag der SPD in der Men­sa der Ernst-Reu­ter-Ober­schu­le im Brun­nen­vier­tel war so gut besucht, dass die Stüh­le für Zuschau­er nicht reich­ten. Anders als bei den Grü­nen, waren die Wort­mel­dun­gen Unter­stüt­zungs­re­den. Unter­stüt­zung war wich­ti­ger als Kri­tik; es war im Saal zu hören wie manch gewähl­ter Kan­di­dat sicht­lich erleich­tert war: „Die Par­tei ist doch unberechenbar.“

Ralf Wieland mit souveränem Auftritt - Foto Andrei Schnell
Ralf Wie­land mit sou­ve­rä­nem Auf­tritt – Foto And­rei Schnell

Die SPD liebt schwie­ri­ge Wor­te. Sie wählt ihre Kan­di­da­ten nicht, son­dern sie nomi­niert sie. Sie macht kei­nen Kreis­par­tei­tag, son­dern eine Kreis­de­le­gier­ten­ver­samm­lung. Und sie liebt auch zeit­auf­wän­di­ge Ver­fah­ren, statt acht Wahl­ka­bi­nen wie bei der CDU stellt sie nur zwei Kabi­nen auf.

Fazit aus drei Parteitagen
Zum ers­ten fällt auf, dass Rhe­to­rik nicht nur ein­fach so ein Ding „der“ Poli­ti­ker ist. Wer gut reden kann, der kann tat­säch­lich mit Humor und Schlag­fer­tig­keit die Sym­pa­thien im Saal auf sich zie­hen und auch auf lang andau­ern­den Par­tei­ta­gen für Kurz­wei­lig­keit sorgen.
Einst for­der­ten die Pira­ten, jede Sit­zung und jedes Tref­fen zu fil­men. Dahin­ter stand die Furcht, Poli­tik wäre Geheim­di­plo­ma­tie. In Wahr­heit ist es ein­fach so, dass Poli­tik einen lan­gen Atem erfor­dert. Die Beob­ach­tung von Kreis­par­tei­ta­gen von Grü­nen, CDU und SPD ergibt, dass der Kampf um Lis­ten­plät­ze bereits frü­her statt­fin­det, bei den Tou­ren durch die klei­ne Orts­ver­ei­ne, wo die Kan­di­da­ten Unter­stüt­zer sam­meln. Und lan­ger Atem heißt auch, dass der par­tei­in­ter­ne Wahl­kampf lan­ge vor den Par­tei­ta­gen stattfindet.

Jan Stöß, der Landesvorsitzende tritt nicht im umkämpften Wahlkreis 1 gegen Henkel und Pop an - Foto Andrei Schnell
Jan Stöß, der Lan­des­vor­sit­zen­de, tritt nicht im umkämpf­ten Wahl­kreis 1 gegen Hen­kel und Pop an – Foto And­rei Schnell

Die Beob­ach­tung drei­er Par­tei­ta­ge ergibt zudem, dass die Par­tei­en von Ame­ri­ka ler­nen könn­ten. Ein Par­tei­tag wie bei der SPD, wo es Kampf­ab­stim­mun­gen gibt, kann für Außen­ste­hen­de und latent an Poli­tik inter­es­sier­te Men­schen durch­aus inter­es­sant sein. Die SPD ist anders als Grü­ne und CDU gut auf­ge­stellt, um in fünf Jah­ren für die Wahl 2021 ihren Par­tei­tag für alle neu­gie­ri­gen Men­schen zu öffnen.

LINKS
Die aktu­el­le Zuschnit­te der Wahl­krei­se in Mitte
Wed­ding­wei­ser über Par­tei­tag der CDU-Mitte
Wed­ding­wei­ser über Par­tei­tag der Grünen-Mitte

Autor und Fotos: And­rei Schnell

Andrei Schnell

Man hat mir versichert, es gäbe keine Vorschrift zu gendern und ich sei in dieser Frage frei, nicht wahr? Mein Hintergrund ist ostdeutsch, das beruht auf Erlebnissen. Politik sehe ich mir an wie den Sport. Wenn ich ein Buch lese, möchte ich es gleich besprechen. Ich mag Geschichten und Geschichte. Mister Gum möchte ich noch erwähnen.

5 Comments

  1. Dan­ke für den Arti­kel. Scha­de, dass Andre­as Wie­der­mann nur so kurz vor­kommt, immer­hin ist er ein gebür­ti­ger Weddinger 😉

  2. Mich erreicht eine Mail:

    Lie­be Weddingweiser,

    ich fin­de Eure Sei­te ganz toll! Ein Hin­weis zum SPD Arti­kel von Herrn Schnell: Wahl­kreis 4 für den Andre­as Wie­der­mann für die SPD antritt, beinhal­tet auch den Brüs­se­ler Kiez im Wed­ding sowie den Teil des Spren­gel­kiezes zwi­schen Luxem­bur­ger und Trift­stra­ße. Viel­leicht möch­ten Sie dies noch ergänzen.

    Bes­te Grüße
    B.S.

  3. Infor­ma­ti­ver Ver­gleich der Par­tei­en. Inter­es­siert hät­te mich noch, war­um Stöß nicht im WK 1 antritt, er taucht im Bild, aber nicht im Text auf. Was nicht pas­sie­ren darf: “Ame­ri­ka” als Syn­onym für die USA zu ver­wen­den. War­um es da aller­dings ver­wen­det wur­de, ist unklar: Zum US-Wahl- oder Par­tei­en­sys­tem steht da gar nichts.

    • Hal­lo Petra, dan­ke für den Hin­weis, dass der Ver­gleich fehlt. Ich ging davon aus, dass klar ist, was die “ame­ri­ka­ni­sche” Art des Wahl­kampfs ist. Aber fehlt im Text.
      War­um nicht Ame­ri­ka als Syn­onym für die USA ver­wen­den – was wird da unverständlich?
      War­um Stöß nicht im WK1 antritt, hät­te ich nach­fra­gen kön­nen, mache ich nächs­tes Mal – guter Hin­weis. Er taucht im Bild auf, weil aus mei­ner Sicht einer der weni­gen SPD-Kan­di­da­ten ist, die Bekannt­heit genie­ßen. Und da ist es ja schon inter­es­sant, dass er im Wahl­be­zirk 1 – zu dem die 7 bespro­che­nen Wahl­krei­se und auch der Wed­ding gehört – antritt.

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