Im Winter zeigt sich das 1980 eröffnete Kombibad Seestraße von einer ungewöhnlichen Seite. Während draußen Frost und Eis den Alltag bestimmen, spannt sich über zwei Außenbecken eine riesige weiße Kuppel. Die Traglufthalle macht seit 2019 aus dem Sommerbad im Außenbereich einen wetterunabhängigen Schwimmort – mit konstanten 28 Grad Lufttemperatur und leicht erhöhtem Luftdruck.
Der Weg in die Halle führt durch eine Schleuse. Kaum ist sie passiert, verändert sich die Atmosphäre spürbar: gedämpftes Licht, warme Luft, ein Hauch von Tropen. Der erhöhte Innendruck hält die Konstruktion stabil und verleiht der Halle ihre charakteristische Form. Technisch unspektakulär im Erscheinungsbild, funktional aber hochwirksam.
4.000 Quadratmeter Wintergewinn

Mit der Traglufthalle wächst das Bad in der kalten Jahreszeit deutlich. Mehr als 4.000 Quadratmeter zusätzliche Wasser- und Bewegungsfläche stehen dann zur Verfügung. Der Aufbau der Konstruktion dauert rund zwei Wochen, genutzt wird sie ausschließlich im Winter. Danach verschwindet die Kuppel wieder, und das Kombibad kehrt in seinen Sommermodus zurück.
Nach Angaben der Berliner Bäder-Betriebe handelt es sich um die größte Traglufthalle dieser Art in Deutschland. Sie ist ein zentraler Grund dafür, dass das Kombibad auch in den Wintermonaten stark frequentiert ist – von der Öffentlichkeit ebenso wie von Schulen, Vereinen und im Therapiebereich.
Ein Bad für viele Nutzergruppen
Über das Jahr teilen sich bis zu 20 Schulen, mehrere Dutzend Vereine und der öffentliche Badebetrieb die Becken. Besonders das Therapiebecken zieht Menschen aus ganz Berlin an. Die Vielzahl an Nutzungskonzepten ist im Bad sichtbar: Lagerflächen, Materialkäfige und getrennte Zeitfenster strukturieren den Betrieb.


Technik unter der Oberfläche
Was die Traglufthalle ermöglicht, wird im Hintergrund abgesichert. Große Anlagen zur Wasseraufbereitung arbeiten kontinuierlich, nach jedem Badegast wird Frischwasser nachgeführt. Vieles davon bleibt für Besucher unsichtbar, ist aber Voraussetzung für den durchgehenden Betrieb – gerade in den Wintermonaten mit hoher Auslastung.
Ein Sonderfall im Berliner Bädernetz
Als einziges Hallenbad im Wedding nimmt das Kombibad Seestraße eine besondere Stellung ein. Mit der Traglufthalle verbindet es Freibad- und Hallenbadlogik zu einem saisonal wandelbaren Ort. Im Zusammenspiel aus alter Bausubstanz, moderner Technik und temporärer Architektur entsteht so ein Bad, das im Berliner Bäderbetrieb eine Ausnahme darstellt.

Seestr. 80


Augen auf beim Rückenschwimmen: Junge Füchse tollen manchmal oben auf der Kuppel der Traglufthalle oder halten dort ein Schläfchen. Ist ja auch schön warm.
Ich habe es für mich entdeckt, da meine Schwimmhalle in Charlottenburg seit einiger Zeit unwiderruflich kaputt und grundlegend sanierungsbedürftig ist. Diese Kombi im Winter mit der grandiosen Traglufthalkw ist sehr teuer, aber ein Gewinn.
Tolles Foto. Da flimmert es vor den Augen.
Tut mir leid, ich wohne in der näheren Umgebung und habe es aufgegeben dorthin zu gehen.
Was da, gerade im Sommer, dort abläuft, nee Danke.
Ich hoffe auf eine Parkraumbewirtschaftung, denn wer da wohnt, kann im Sommer aus seinem Auto nur die Luft rauslassen und es mit in die Wohnung nehmen. Dabei hält die Strassenbahn fast vor der Tür. Vom unterirdischen Krach mal abgesehen.
Wozu diese beendruckende Technik gut ist:
Das Kombibad ersetzt seit vielen Jahren das Reinickendorfer Paracelsus-Bad, dessen Bauarbeiten sich endlos hinziehen. Das Kombibad war bereits vorher durch die Weddinger gut ausgelastet und jetzt kommen noch die Reinickendorfer dazu.