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Straßen im Wedding:
Bernauer Straße: Geschichte auf Schritt und Tritt

26. Februar 2025

Die Bernauer Straße ist mehr als ein Ort – sie ist ein Kapitel Berlins, ein lebendiges Mahnmal. Wer hier entlanggeht, spürt die Narben der Geschichte und erlebt zugleich eine Stadt, die sich immer wieder neu erfindet.

Historische Bilder aus dem Jahr 1989, Fotos: Ulrich Wicke

Wir beginnen unseren Spaziergang an der Gartenstraße, wo sich modernes Berlin zeigt. Menschen strömen aus dem S-Bahnhof Nordbahnhof, während die Bernauer Straße – eine stille Zeugin der Geschichte – vor uns liegt. Gleich zu Beginn befindet sich das mit rostigem Metall verkleidete Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer, das erste Anlaufstelle für Gäste ist. Hier erhalten Besucher einen Überblick über die Geschichte der Teilung, bevor sie sich auf den Weg entlang der historischen Straße machen.

Nur wenige Schritte weiter liegt die Diakoniestiftung Lazarus, ein Ort der Fürsorge mit langer Tradition. Ursprünglich als Einrichtung für Kranke gegründet, umfasst sie heute Pflegeeinrichtungen und eine Seniorenresidenz, eingebettet in das sich wandelnde Stadtbild.

Die Wunde der Teilung

Mit jedem Schritt spürt man die unsichtbare Grenze, die einst die Stadt durchschnitt. Hier verlief bis 1989 eine der brutalsten Trennlinien der Welt: Verzweifelte Menschen sprangen beim Mauerbau 1961 aus Fenstern in die Sprungtücher der Feuerwehr, um in den Westen zu gelangen. Markierungen auf dem Boden erinnern an ihre Schicksale.

Während wir die Straße entlanggehen, sind die Unterschiede zwischen Ost und West deutlich sichtbar: Links, im Wedding, Neubauten aus den 1960ern und 70ern, rechteckig und funktional. Rechts, in Mitte, sanierte Altbauten, elegant und teuer – ein Spiegel wirtschaftlicher Gegensätze.

Gedenken und Verstehen

Wir erreichen die Gedenkstätte Berliner Mauer, die sich entlang eines 1,4 Kilometer langen Abschnitts der Bernauer Straße erstreckt. Besonders eindrucksvoll ist ein Stück wiederaufgebauter Mauer, die in ihrer Originalhöhe und Struktur sichtbar macht, wie die Grenze einst das Stadtbild prägte. Stahlwände und die Hinterlandmauer umschließen den rekonstruierten Todesstreifen, sodass Besucher einen realistischen Eindruck der früheren Grenzanlagen erhalten. Ein originaler Wachturm verdeutlicht ebenfalls, wie rigoros die Überwachung war.

Gleich daneben befindet sich das Dokumentationszentrum Berliner Mauer, in dem Fotografien, Filme und Originaldokumente die Geschichte greifbar machen. Von der Aussichtsplattform aus kann man einen einzigartigen Blick auf die rekonstruierten Grenzanlagen werfen und sich intensiver mit den dramatischen Ereignissen der deutschen Teilung auseinandersetzen.

Die Kapelle der Versöhnung

Ein paar Schritte weiter steht die Kapelle der Versöhnung, ein schlichter Lehmziegelbau, von Holzstäben umgeben. Sie wurde anstelle der 1985 gesprengten Versöhnungskirche gebaut. Die Glocken der gesprengten Kirche sind übrigens gerettet worden und befinden sich neben der Kapelle.

Kapelle der Versöhnung

Wandel der Stadt

Die Straßenbahn M10 verbindet heute wieder die Ortsteile Gesundbrunnen und Alt-Mitte, die durch die Mauer getrennt waren. Aber vor allem an der Brunnenstraße zeigt sich der städtebauliche Bruch zwischen Ost und West: Während in Mitte viele historische Altbauten erhalten blieben, wurden im Wedding in den 1970er- und 1980er-Jahren fast alle Altbauten abgerissen und durch gesichtslose Betongebirge ersetzt. Die Gegensätze, vor allem auch durch die sehr unterschiedliche Bewohnerschaft auf beiden Seiten der Bernauer Straße, sind bis heute spürbar.

Denkmal für die Mauertoten

Fast am Ende unseres Spaziergangs erreichen wir den auf Westberliner Seite aufgestellten Findling an der Swinemünder Straße/Bernauer Straße, der als Denkmal für die Mauertoten dient. Es erinnert an jene, die ihr Leben verloren, als sie versuchten, die tödliche Grenze zu überwinden. Ein schlichter, eindrucksvoller Ort des Gedenkens.

Der Mauerpark – Leben kehrt zurück

Unser Spaziergang endet am Mauerpark, einst Todeszone, heute ein Symbol der Freiheit. Am Wochenende beleben Musiker, Flohmarktbesucher und Straßenkünstler den Park. Touristen fühlen sich ganz besonders angezogen, vielleicht weil an diesem geschichtlichen Ort so viel Raum für Berlin-Typisches ist.

Ein versöhnliches Ende für den Spaziergang entlang der Bernauer Straße, die wie keine andere für die Teilung und die Wiederauferstehung Berlins steht.

Hier kann man einkehren: Mauercafé, Bernauer Str. 117

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Die ehrenamtliche Redaktion besteht aus mehreren Mitgliedern. Wir als Weddingerinnen oder Weddinger schreiben für unseren Kiez.

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