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Was Monopoly mit dem Wedding zu tun hat:
Badstraße statt Schloßallee

1. März 2026
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Wer den Berliner Immobilienmarkt manchmal wie ein überdimensioniertes Monopoly-Spiel empfindet, liegt gar nicht so falsch. Schon die deutsche Variante des Brettspielklassikers hat sich bei der Benennung ihrer Straßen großzügig am real existierenden Berliner Stadtplan bedient. Die ersten Versionen aus den Jahren 1936 und 1953 griffen dabei vor allem auf bekannte Straßennamen der damaligen Hauptstadt zurück – und der Wedding ist mittendrin, statt nur dabei. Dabei zeigt sich ganz nebenbei, welchen Wert man den Arbeiterstadtteilen zumaß.

Am unteren Ende der Preisskala, dort wo man im Spiel noch halbwegs entspannt ein Häuschen errichten kann, finden sich vertraute Namen: Badstraße, Chausseestraße, Seestraße. Auch die Moabiter Turmstraße ist ganz unten in der Skala. Keine Fantasieprodukte, sondern echte, gewachsene Verkehrsadern im Norden Berlins. Dass sie im Spiel zu den günstigeren Lagen zählen, passt erstaunlich gut zum Image, das der Wedding lange hatte – bodenständig, alltagsnah, ohne großen Zierrat. Wer hier landet, zahlt Miete, aber wird nicht sofort ruiniert. Hach, das war einmal!

Ganz in der Nähe lauern allerdings schon die teureren Versuchungen: Parkstraße und Schloßallee, im Spiel fest im oberen Preissegment verankert. Diese Straßen liegen – wenig überraschend – nicht im proletarischen Wedding, sondern im bürgerlich geprägten Pankow. Dazwischen tummeln sich jene Allerweltsnamen, die man in fast jedem Berliner Bezirk findet: Bahnhofstraße, Hauptstraße, Berliner Straße. Sie bilden so etwas wie das verbindende Gewebe zwischen den Spielbrettern der Stadt.

Auch die Sonderfelder lassen sich erstaunlich gut in der Realität verorten. Ein klassischer Rathausplatz? Lässt sich im Wedding am Elise-und-Otto-Hampel-Weg improvisieren. Eine „Theaterstraße“ ebenfalls: Die Burgsdorfstraße, direkt vor dem Prime-Time-Theater, wäre ein heißer Kandidat. Einen Opernplatz sucht man hier natürlich vergeblich – was im Wedding konsequent ist.

Dafür punktet der Wedding mit handfester Infrastruktur. Ein echtes Wasserwerk steht in der Bellermannstraße, gleich mehrere Anlagen übernehmen die Stromversorgung, etwa das Abspannwerk Scharnhorst oder das Umspannwerk Christiania. Auch an Orte für Zusatzabgaben ist gedacht: Das Finanzamt ist nicht weit. „Frei parken“ wiederum ist im Wedding fast überall illusorisch. Und wer auf dem Spielbrett ins Gefängnis muss, landet praktischerweise gleich nebenan: Die Justizvollzugsanstalt Moabit liegt nur einen Steinwurf entfernt.

Zwei Bahnhöfe – Nordbahnhof und Hauptbahnhof – befinden sich ebenfalls in unmittelbarer Nachbarschaft. Für ein Spielfeld, das auf Bewegung, Zufall und schnelle Ortswechsel setzt, ist der Wedding damit erstaunlich gut ausgestattet.

Häuser und Hotels? Davon gibt es mehr als genug. Spielfiguren auch: Mieterinnen und Mieter in allen Varianten, Generationen und Lebenslagen. Die Ereigniskarten ließen sich ohne Mühe neu formulieren: „Rücke vor bis zur Seestraße. Wenn du über Los kommst, ziehe 4000 ein.“ Oder: „Gehe in das Gefängnis. Begib dich direkt dorthin. Gehe nicht über Los. Ziehe nicht 4000 ein.“ Und für die Investoren mit dickem Konto: „Bank-Irrtum zu deinen Gunsten. Ziehe 4000 ein.“

So betrachtet wirkt der Wedding weniger wie eine Randerscheinung, sondern eher wie ein zentrales Spielfeld mit viel Bewegung, überraschenden Wendungen und wechselnden Besitzverhältnissen. Spekulanten aller Länder: Das Spiel läuft bereits – nur leider ohne Würfelpause.

Joachim Faust

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

1 Comment Schreibe einen Kommentar

  1. Das Monopoly wird in 2026 85 Jahre alt und hat über 4.000 Varianten hervorgebracht.
    Damals als Kind um 1960 habe ich das Spiel kennengelernt, als ich beim Grossvater am Waldrand noch gar nicht wusste, was Straßennamen, Bahnhöfe und Gefängnisse sind.
    Heute wuensche ich mir ein „Oekopoly“ mit nachhaltigen ETFs und Genossenschaftsbanken.
    Gibt es das nicht schon?

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