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Spannende Lokalpolitik im Wedding:
Antragsflut zur Fischerpinte

20. Mai 2026
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Sieben Mal Fischerpinte auf einen Streich: Die Parteien der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte haben für die Sitzung am Donnerstag ihre Anträge und Anfragen eingebracht. Es könnte spannend werden. Außerdem ist eine Diskussionsrunde im Juni geplant.

Fischerpinte Plötzensee

Nachdem das Bezirksamt die Bemühungen um die Fischerpinte erst hat einschlafen lassen – oder die Dynamik des Themas zumindest unterschätzt hat – , steht man nun also da, ohne irgendetwas. Die Parteien positionieren sich derweil für die Sitzung der BVV. In diesem Beitrag versuche ich zu analysieren, welche Anträge von FDP, CDU, Linke und Grüne eingebracht wurden und was diese möglicherweise für die Fischerpinte bedeuten.

Rettet die Fischerpinte titelt die FDP.
Neben der Verhinderung eines Abrisses und der Forderung, den Beschluss aus 2022 nicht zu ignorieren, merkt die FDP an, der Verlust der Fischerpinte sei „politisch nicht vermittelbar“ und würde „das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Bezirks erschüttern“. Außerdem müsse sich Bestandsschutz auf den Ort, nicht auf den Pächter, beziehen. Zum Thema Boote und Uferschutz argumentiert man, dass Boote hier kein ausschlaggebender Faktor sein können, außerdem gebe es technische Lösungen.

Meine Einschätzung: Da ist endlich mal die Technologie-Offenheit der FDP, die man erwartet, sofern es denn das Bezirksamt (BA) interessiert. Das Argument, dass es politisch nicht vermittelbar sei, den Ort zu schließen, klingt im ersten Moment vielleicht sehr groß gedacht, wenn man aber bedenkt, wie groß das negative Feedback bisher war, haben sie da einen guten Punkt.

Die Fischerpinte muss bleiben! titelt die CDU.
Dabei wird nicht nur auf die bisherigen Beschlüsse verwiesen, sondern auch explizit erwähnt, dass „eine Fortführung von Gastronomie und Bootsverleih zu ermöglichen“ sowie „zeitnah Gespräche mit potenziellen Betreibern aufzunehmen“ seien. Des Weiteren fordern sie, Maßnahmen gegen Vandalismus und Beschädigungen zu erarbeiten. Und das BA solle der BVV ein Konzept vorlegen, wie die Belange von Naturschutz, Naherholung und gastronomischer Nutzung in Einklang gebracht werden können.

Meine Einschätzung: Der Vandalismuspunkt wurde gegenüber dem BA immer wieder angemerkt. Sehr gut, dass die CDU dies noch einmal explizit aufnimmt. Gastro und Imbiss – all das soll ebenso erhalten bleiben. Statt dass nur die Öffentlichkeit sich Konzepte erträumt, fordert die CDU, dass das Bezirksamt etwas vorlegt. Erfrischend anders.

Runden Tisch zur Zukunft und zum Erhalt der Fischerpinte am Plötzensee einrichten titelt die Linke.
Noch vor der Sommerpause und damit vor den Wahlen soll es einen Runden Tisch mit Initiativen und Akteuren sowie dem BA geben. Verwiesen wird auch auf den Verein Fischerpinte Plötzensee, bestehend aus Anwohnern, die sich für eine Rettung der Fischerpinte einsetzen. Begründet wird dies auch mit dem Einwohnerantrag Abriss verwerfen, den Ort mit allen Mitteln bewahren, für den in kürzester Zeit weit mehr als die erforderlichen 1.000 Unterschriften gesammelt wurden, die zum Einbringen des Antrages nötig sind.

Meine Einschätzung: Neben dem erwähnten Antrag (der sich noch in der Auszählungsphase befindet und somit noch nicht eingebracht werden kann), welcher sich zur Rettung der Pinte positioniert und Imbiss, Bootsverleih und Umweltbildung unter einen Hut bringen möchte, wäre eine öffentliche Diskussion angebracht. Siehe auch Bedenken der FDP.

Eine Zukunft für die Fischerpinte titeln die Grünen.
Ihr Antrag spricht von einem „öffentlichen Beteiligungsprozess gemeinsam mit eventuell vorhandenen und zukünftigen Pächtern, engagierten Akteur*innen aus der Zivilgesellschaft“ und einer „besseren Einpassung an die Anforderungen einer Grünanlage“. In der weiteren Begründung heißt es: „Viele Menschen wünschen sich einen Ort wie die Fischerpinte. Er ist ein fester Teil des Weddinger Freizeitangebotes. Ein gut aufgesetzter Partizipationsprozess eröffnet die Chance, diesen einzigartigen Ort wieder einer zeitgemäßen Nutzung zuzuführen“.

Meine Einschätzung: Super, ach nee: Der Antrag zeigt das Problem der Grünen… Während es Leute in der Partei gibt, die dort gerne wieder Boote fahren würden, hat das der grüne Stadtrat in der Pressemitteilung abgelehnt. Und ob eine Aussichtsplattform (Wortlaut der Pressemitteilung) übersetzt „zeitgemäße Nutzung“ bedeutet? Wer weiß. Ebenso wurde im Interview mit dem RBB gesagt, man möchte dort kein Gewerbe und vielleicht kommen deshalb die Worte Imbiss und Boote im Antrag auch gar nicht erst vor. So plätschert der Antrag leider in vagen Formulierungen. Intern will man sich wohl nicht verkrachen.



Des Weiteren gibt es noch Anfragen (nicht Anträge) von der SPD Wie weiter mit der Fischerpinte und dem Bootsverleih?, der CDU Was hat das Bezirksamt gegen die Fischerpinte? und der FDP Klarheit zur rechtlichen Situation der Fischerpinte, welche ebenso spannend sind und Erleuchtung bringen könnten.

Rechtlich kompliziert

Denn eine Sache muss man den Verantwortlichen in all dem Unklaren zu Gute halten: die rechtliche Situation ist nicht einfach. Das Gelände selbst gehört zwar dem Senat und wird vom Bezirk verwaltet, die Steganlage und Hütte dagegen waren im Besitz des verstorbenen Pächters, also Privateigentum. Einfach auf das Gelände oder in die Hütte darf man nicht. Das gehört zur Wahrheit dazu und ist nicht wegdiskutierbar. Ob das Amtsgericht versucht hat, einen Erben zu finden, der die Rückbauverpflichtung übernimmt, oder wann die Suche abgebrochen wird und wie es dann rechtlich weitergeht, das klärt sich hoffentlich irgendwann.

Sitzung des Bezirksparlaments

Die gesamte Tagesordnung der BVV für den 21.05.2026
öffentliche Sitzung BVV Mitte von Berlin
heute, Do, 21.05.2026 / Status: öffentlich /
Uhrzeit: 17:30 Uhr

Gesprächstermin am 12.6.

Am Freitag, dem 12. Juni um 18:30 Uhr findet ein moderiertes BürgerInnengespräch in der Kapernaumkirche in der Seestraße 35 statt. Der amtierende Stadtrat Christopher Schriner, Initiativen, der Verein Fischerpinte Plötzensee und die gesamte Öffentlichkeit sind eingeladen, um sich in einem moderierten Rahmen über eine Zukunft der Fischerpinte mit dem Bezirksamt auszutauschen.

Transparenzhinweis: Der Autor dieses Artikels ist Mitglied beim Verein Fischerpinte Plötzensee und hat (parteilos) beim Sammeln der Unterschriften mitgeholfen.

BVV-Sitzung – Livestream oder

im Saal des Rathauses Mitte (1. Etage),
Karl-Marx-Allee 31, 10178 Berlin

Zur Webseite des Vereins Fischerpinte Plötzensee

Unsere bisherigen Beiträge: Abriss der Fischerpinte, Aussichtsplattform statt Fischerpinte?

Andaras Hahn

Andaras Hahn

Schreibt assoziativ, weiß aber nicht, was das heißt und ob das gut ist. Macht manchmal Fotos: @siehs_mal
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16 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo an Alle, auch an die, die nicht gegrüßt werden wollen.
    Ich erlaube mir, zur Versachlichung im Kommentar Forum, etwas Satire und Wortspiel beizutragen,
    “Ick wees zwar nich worum dit jeht, ick bin aba ooch dajegen. Klara Fall und dit mit Nachdruck und Konsequenzen”.
    Wo ist die denn unsere Weddinger Gelassenheit und Toleranz geblieben? Steht uns Allen gut!
    Geselligen und friedvollen Feierabend.

  2. Das mit der Beteiligung sieht je nach Stadtteil offenbar recht unterschiedlich aus. In Mitte-Ost war das ganze Verfahren leider eine Farce, weshalb ich bei meiner Kritik bleibe.

    Ansonsten stimme ich Ihnen zu, der Prozess um den Plötzensee sollte sachlich und va. mit klarem Blick auf soziale & ökologische Belange geführt werden.

  3. Es wäre schrecklich, wenn die Fischerpinte, anstatt rasch eine Lösung zu finden, im Klein-Klein parteipolitischer Auseinandersetzungen versinken und dadurch dem Verfall preisgegeben würde.

  4. Leute, Leute es ist Wahlkampf und mit viel Tamtam und Information steigt wieder unser Ferienprogramm, unser Ferienprogramm (Anleihe beim ZDF).

    In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass es am anderen Eingang zum Plötzensee (neben den Tennisplätzen, am Eingang zur Gartenkolonie und zum Radweg) auch mal einen gemütlichen Biergarten gab, der zum Verweilen einlud und der zeitweise ganz gut lief. Inzwischen bietet sich leider nur ein ziemlich trauriger Anblick auf das Gelände.
    Der Möglichkeiten gibt es viele.

    • Ja, um den Biergarten ist’s wirklich schade. Das war ebenso so ein Ort für alle, auch mit kleinem Geldbeutel und unabhängig von der Herkunft.

  5. Wo der ‚Sprengelkiezler‘ so kundig über die Klientele der heutigen Grünen redet – die folgende Frage interessiert mich seit langem:
    Für welches Klientel hat die grüne Stadrätin Almut Neumann, die Vorgängerin des Herrn Schriner, den perfiden demogogischen „Hai Alarm“ in die Welt gesetzt? Vermutlich war sie Nichtschwimmerin, denn wer sonst käme auf die Idee, dass Naturschwimmer Schwanennester angreifen und Schwäne ermorden? Ein Naturschutzkonzept fehlt bis heute.
    Für welches Klientel setzte sie ihre Hasskampagne gegen die Weddinger Schwimmer in die Welt? Ist es das privatisierte Strandbad und sein Geschäftsmodell mit dem auswärtigen saturierten Party- und Drogenvolk, weswegen es den Schwimm- und Bademeisterbetrieb am liebsten ganz einstellen würde? Oder ist es ein gehobenes Bürgertum, das den Blick auf den Plötzensee frei von schwimmenden Weddingern und Moabitern genießen möchte?
    Wenn der Nachfolger, Herr Schriner, aus der verfeindeten Lage am Plötzensee herauskommen will, wäre eine Entschuldigung ein angemessenes Signal des Neuanfangs!

    • Eines muss man Ihnen ja lassen. Sie machen aus Ihrem puren Grünen-Hass gar keinen Hehl. Sie verwenden im Zusammenhang mit den Grünen regelmäßig Begrifflichkeiten wie „Hasskampagne“ oder „Menschenfeindlichkeit“, die jegliche Diskussion mit Ihnen ad absurdum führen. Ihnen möchte ich als Wahlkämpfer auf der Straße ungern begegnen. Aus Worten werden in unserer Gesellschaft immer öfter Taten. Auch oder besonders gegenüber politisch aktiven Menschen.

  6. Guten Morgen.
    Herr Hahn hier mal mit nicht ganz so harschen Worten gegenüber den Grünen. Sieh an. Das Framing „Grüne — Probleme“ darf aber auch hier leider nicht fehlen. Warum sollte innerhalb der Grünen Mitte dieselbe Meinung herrschen? Wir Grünen vereinen in der Partei wohl ein so weites Spektrum an Meinungen und Strömungen wie kaum eine andere Partei. Von teils fast linker als die Linkspartei, bis gutbürgerliche Milieus. In Mitte sind derzeit Realos am Ruder. Und Herr Schriner?? Ist ein ganz hervorragender Stadtrat! Mit dem man sich übrigens ganz wunderbar unterhalten kann, Herr Hahn. Der Mann kann übrigens auch sehr viel Kritik einstecken. Das gehört zu seinem „Alltagsgeschäft“ im Umgang mit stets unterschiedlichen bzw. gegensätzlichen Meinungen der Bürger*innen Hinsicht unzähliger Maßnahmen im Bezirk mit Bürger*innenbeteiligung.

    Für die Fischerpinte wird Herr Schriner im Austausch mit allen hier genannten Parteien, wie auch vieien zivilgesellschaftlichen Akteuren, die bestmögliche Zukunftslösung für die tolle und für den Stadtteil identätsstiftende Fischerpinte finden.

    • Leider geht’s offensichtlich auch bei Grünens nicht ohne die üblichen Polit-Floskeln. Ihr „hervorragender Stadtrat“ und seine so genannten Prozesse der Bürger/innen-Beteiligung sind bisher bei Licht betrachtet Ergebnis der Arbeit lautstarker Lobbygruppen, die sich in der Regel nicht um die Belange von Anwohner/innen scheren. So mangelt es etwa bei der Verpollerung von Plätzen und Straßen vielerorts tatsächlich an der Beteiligung der vor Ort betroffenen Menschen. Deshalb auch sollten wir uns fürchten vor einer „bestmöglichen Zukunftslösung“ aus dem Hause Schriner.

      Ich hoffe sehr, dass die von der Basis ausgehende Initiative zur Zukunft der Fischerpinte, wo nicht die üblichen Verdächtigen um den Stadtrat den Ton angeben, Erfolg beschieden ist.

        • Nun, es wäre schön, wenn Sie mit Kritik aus der Anwohnerschaft sachlich umgängen. Aber OK, danke für nichts!

          Einst standen die Grünen tatsächlich an erster Stelle auf meinem Wahlzettel. Aber die Zeiten von fachlich und sachlich gut aufgestellten Leuten wie Künast und Ströbele oder Andrea Fischer und Werner Schulz, die integer und auch unbequem waren, erinnern in Berlin nur noch die Älteren. Die stromlinienförmigen Nachwuchskräfte von Berufspolitikern, wo niemand mehr weiß, wofür sie stehen oder brennen, ermüden und langweilen.

          Haben Sie überhaupt verstanden, dass es hier um so etwas essentielles wie Bürgerinnenrechte geht?

          • „Haben Sie überhaupt verstanden, dass es hier um so etwas essentielles wie Bürgerinnenrechte geht?“

            Habe ich verstanden. Und Herr Faust hat hierzu bereits die richtigen Worte gefunden.

          • Primär sehe ich den Schutz des Sees und seiner Ufer. Um beides zu schützen bedarf es eines hohen Zaunes im Bereich der öffentlich zugänglich ist, leider. Die Zukunft der sog. Fischerpinte ist mir egal.

      • Hallo Frau Sprenger, die Verkehrsberuhigung ist kein gutes Beispiel für mangelnde Bürgerbeteiligung. Die Initiativen kommen in der Regel aus der Zivilgesellschaft im Kiez und die Maßnahmen werden von Bürgerbeteiligungsformaten und Beteiligungsspaziergängen begleitet.
        Was den Plötzensee angeht, kann man den Mangel an Dialog und Bürgernähe durchaus beklagen, und daher rate ich, hier bei der Sache zu bleiben, um die es geht.

        • Das stimmt, die anwohnenden Laubenpieper am Charles-Corcelle-Ring haben jahrelang zivilgesellschaftlich dafür gekämpft, endlich aus der schrecklich viel befahrenen Straße eine verkehrsberuhigte Fahrradstraße zu machen. Die Grünen haben sie erhört und ohne Kompromisse den langjährigen Wunsch umgesetzt. Danke für so viel Bürgernähe, liebe Weddinger Grüne. *Ironie Off*

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