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Triftstraße und Gerichtstraße:
Dieses Mal soll es mit der Fahrradstraße klappen

18. Oktober 2022
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Ist der Wedding überhaupt für Fahrradstraßen geeignet? Das fragen nicht grundsätzliche Kritiker, sondern enttäuschte Befürworter der Radstraßen, wenn sie auf die Kameruner und die Antwerpener Straße blicken. Dort klappt der Vorrang für Zweiräder nur bedingt. Nun will es der Bezirk mit der Trift- und Gerichtstraße besser machen. Helfen soll, dass die künftige Fahrradstraße für Kfz zur Einbahnstraße wird.

Trift- und Gerichtsstraße werden Fahrradstraße, Bauarbeiten für zwei Wochen ab 17. Oktober. Foto: Andrei Schnell

Zum Baustart gestern (Montag, 17. Oktober) sperrte der Bezirk die Gerichtsstraße in Höhe des Max-Josef-Metzger-Platzes und die Triftstraße zwischen Genter- und Willdenowstraße. „Zuerst wird der Asphalt an verschiedenen Stellen saniert“, heißt es in einer Mitteilung des Bezirks. Je zwei Wochen werden diese Arbeiten dauern.

Gegenläufige Einbahnstraße

Die Straße wird aber nicht für die Autofahrer geglättet, die aus der Luxemburger Straße kommend die Kreuzung mit der Müllerstraße meiden wollen. Der Asphalt dient dem Fahrradverkehr. PKW-Fahrern wird die Abkürzung über die Genter Straße in Richtung B96 und Chausseestraße nach dem Umbau der Triftstraße versperrt. Es „gelten dann gegenläufige Einbahnstraßenregelungen, die das Durchfahren der Straße ohne Anliegen verhindern“, heißt es in der Mitteilung des Bezirks. So will das Amt erreichen, dass die Triftstraße und der nördliche Zipfel der Gerichtstraße wirklich nur mit einem Anliegen genutzt wird.

Um die neue Fahrradstraße zu kennzeichnen, hängt der Bezirk nicht bloß Schilder auf. Es handelt sich tatsächlich um einen Baustart. Nach den Asphaltarbeiten werden die Straßenarbeiter grüne Markierungen auf der Fahrbahn aufbringen. Markiert werden auch Fahrradparkplätze, Motorradparkplätze und Lieferzonen. Und „an den Kreuzungen werden einfache Überquerungsmöglichkeiten geschaffen“, so die Mitteilung. Zeichnungen, die Gehwegvorstreckungen und Markierungen zeigen, „werden veröffentlicht, sobald sie final angeordnet sind“, sagt Laura Sander von der Pressestelle des Bezirks. Die künftige Fahrradstraße erstreckt sich von der Gerichtstraße in Höhe Max-Josef-Metzger-Platz bis kurz vor dem Ende der Triftstraße in Höhe der Hausnummer 41. An dieser Stelle knickt die Triftstraße ab und führt unter einem Gebäude (Studentenwohnhaus) hindurch auf die Luxemburger Straße.

Parkplätze für Autos fallen weg, Parkplätze für Zweiräder kommen

Wo vor dem Umbau rechnerisch 60 bis 70 PKW parken konnten, wird der Bezirk zehn Parkplätze für Motorräder, 30 Bügel für Lastenräder, sechs Parkplätze für E-Scooter und 240 Stellplätze für Fahrräder bauen. Das passt zum Ziel, an das Stadtrat Ephraim Gothe vor kurzem erinnerte: die rot-grüne Zählgemeinschaft hat sich Mitte vorgenommen, 25 Prozent aller Parkplätze aufzulösen. „Mit der Vorstellung, in den darauf folgenden fünf Jahren einer Legislatur mit noch einmal 25 Prozent weiterzumachen“, so Ephraim Gothe bei einem Kiezspaziergang.

Übrigens: Aufmerksame Weddinger haben das Kommen der neuen Fahrradstraße schon vorab erkannt. Der Bezirk hatte ein paar kleine, rote Schilder an Laternenmasten angebracht. Auf diesen steht „Mit Sicherheit Radfahren in Mitte“. Und es ist ein QR-Code aufgedruckt, der einen Link zu einer Webseite des Bezirks enthält, die sich mit dem Radverkehr in Mitte beschäftigt.

Zielnetz für Fahrradstraßen unveröffentlicht

Stadträtin Almut Neumann sagt zum Baustart in Trift- und Gerichtstraße: „Wir rollen in Mitte Stück für Stück das Fahrradnetz aus.“ Bereits jetzt eingerichtet sind abgepollerte Radstreifen auf Teilen der Müllerstraße und demnächst auf einer Seite der Amrumer Straße. Als Fahrradstraße eingerichtet sind bereits die Antwerpener, die Togo- und die Kameruner Straße.

Noch in diesem Jahr folgen soll die Lynarstraße zwischen Tegeler Straße und Müllerstraße. Auch sie wird Vorrangstraße für Radfahrer.

Eine Karte, die alle Fahrradstraßen zeigt, die Mitte in den nächsten Jahren einrichtet, gibt es nicht. Ein Zielnetz ist nicht veröffentlicht. Doch im August 2020 antwortete Mitte auf eine Anfrage des Bezirksverordneten Johannes Schneider (Bündnis 90/Grüne). In der Antwort hieß es, dass es „konkrete Planungen“ für Fahrradstraßen in der Ungarnstraße gebe. Die anderen konkreten Planungen wie die Togostraße hat die Verwaltung umgesetzt. Außerdem, so die Antwort vor zwei Jahren, gebe es Vorschläge für die Bellermannstraße, das Nordufer und die Rügener Straße. (Siehe Artikel „Neue Fahrradstraßen und Radspuren„)

Aktuell ist das Netz aller Radwege – von der exklusiven Fahrradstraße bis zum schmalen, ausgewiesenen Weg – in den Ortsteilen Wedding und Gesundbrunnen 61,9 Kilometer lang.

Straßenverkehrsordnung

Die Verkehrsregeln für eine Fahrradstraße besagen, dass Radfahrer die Geschwindigkeit vorgeben. Allerdings gilt auch für sie eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometer pro Stunde. Ein Tempo, dass Rennräder leicht erreichen. Außerdem gehört die gesamte Straßenbreite dem Radverkehr, Radler dürfen nebeneinander fahren. Es gilt für alle die Rechts-Vor-Links-Regel – diese Vorschrift kann dazu führen, dass auch Radfahrer Vorfahrt gewähren müssen. E-Scooter und E-Räder sind erlaubt. Einen eigenen Paragraphen für die Fahrradstraße enthält die StVO nicht. Die Regeln ergeben sich aus der Erklärung zu Zeichen 244.

Verkehrswende

Fahrradstraßen sind Teil der Verkehrswende, manchmal auch Mobilitätswende genannt. Radwege sollen ausgebaut werden, geschützte (abgepollerte) Radstreifen auf Straßen wie auf einem Teil der Müllerstraße, Radschnellverbindungen wie der geplante Panke-Trail, Fahrradparkhäuser und Leihradsysteme sollen das Radfahren attraktiver machen. Neben der Förderung des Radverkehrs gehören der Ausbau von Bus und Bahn sowie mehr Platz für Fußgänger zur Verkehrswende. „Die Menschen sollen auch ohne eigenes Auto sicher und komfortabel mobil sein können“, heißt es in einer Broschüre des Senats zur Mobilitätswende. Laut Wikipedia ist „Hauptmotivation für eine Verkehrswende die Reduzierung von verkehrsbedingten Umwelt- und Personenschäden“.

Andrei Schnell

Andrei Schnell

Meine Feinde besitzen ein Stück der Wahrheit, das mir fehlt.

5 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Toller Artikel. Nur eine Anmerkung zu den mittelfristigen Planungen: Das Zielnetz für den Wedding ergibt sich aus dem Radverkehrsplan (FIS Broker -> Radverkehrsnetz).

    Was davon in den nächsten Jahren umgesetzt werden soll, wurde im März im Mobilitätsrat vorgestellt. Hier die Folien dazu: https://www.berlin.de/ba-mitte/politik-und-verwaltung/aemter/strassen-und-gruenflaechenamt/planung-entwurf-neubau/pdf/220301-mobilitaetsrat-mitte-praesentation.pdf

    • Danke. Offenbar entfällt weitgehend die Unterscheidung zwischen Radnetz (Radweg auf dem Bürgersteig) und Fahrradstraßennetz.

  2. Guten Morgen

    Mensch Max du und deine Fragen :))) … sind echt die besten….!!!! Alle Einbahnstraßen führen nur in eine Richtung, deshalb heißen sie doch Einbahn…..

    sonnige Restwoche noch

    • Ich verstehe die Frage; denn wegen des Wortes gegenläufig ist interessant zu wissen, ob die beiden Einbahnstraßen aufeinander zulaufen werden oder von einander wegführen. Zum Beispiel, wenn die Kreuzung Genter Straße den Mittelpunkt bildet. Ich habe deshalb Zeichnungen angefragt, aber die Antwort erhalten, diese seien noch nicht final.

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