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Aber der Friede könnte auch trügerisch sein:
Der Leopoldplatz blüht auf

11. Juni 2026
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„Es ist auf jeden Fall besser geworden auf dem Leopoldplatz“, so fasste eine Anwohnerin die Stimmung in der Nachbarschaft zusammen: „aber gut ist es noch lange nicht!“ Der Runde Tisch Leopoldplatz hatte am 15. April zum Frühlingsspaziergang über den zentralen Stadtplatz des Wedding geladen. Es waren etwa 30 Teilnehmende erschienen – deutlich weniger, als man es von den Runden Tischen der letzten Jahre gewohnt ist.

Fotos: Sebastian Wischmann

In der Frühlingssonne machte der Leo auf den ersten Blick definitiv nicht den Eindruck einer gesamtstädtischen Problemzone. Auf den frisch reparierten Bänken um den Marktbereich vor der Alten Nazarethkirche sonnten sich gut gelaunte Menschen. Der sogenannte „Aufenthaltsbereich“ hinter der Schinkelkirche dagegen war von vielleicht einem Dutzend Leuten besucht – und nicht von mehr als hundert, wie noch vor zwei Jahren. Und hinten auf dem Maxplatz tobten die Kinder und mit ihnen das pralle Leben. Der Maxplatz hat sich nach seiner Neugestaltung zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt. Der aufblühende „Bürger:innengarten“, wie der Nachbarschaftsgarten des Maxplatzes in etwas sprödem Amtsdeutsch benannt ist, zeigt, dass es gelungen ist, nachbarschaftliche Initiative für den Leo zu mobilisieren. Davon konnte man sich beim Rundgang auch am neuen Garten hinter der Alten Nazarethkirche überzeugen, der gleichfalls ehrenamtlich gepflegt wird.

Blick auf eine Kirche hinter einem Park

Auch die früher stets zugemüllten Sträucher um den kleinen Spielplatz an der Nazarethkirchstraße herum waren diesmal sauber. Der gesamte Leo machte trotz der enormen Frühlingsbelebung einen ungewohnt properen Eindruck. Dafür sorgt das neue Projekt „Kiezhelfer:innen“ des Maßnahmeträgers Wendepunkt gGmbH (u.a. Café Leo). Dem (und der Initiative WirAmLeo) ist es offenbar gelungen, das frisch zusammengewürfelte ABM-Team hervorragend zu motivieren. Offenbar ist das Frühjahr die ideale Jahreszeit, um so ein Projekt zu starten.

Allerdings trauten die meisten Teilnehmenden des Runden Tisches diesem Frieden noch nicht. Vermutlich zu Recht: Die Crack-Szene trifft sich nämlich immer noch auf dem Leo, wie uns erzählt wurde. Nur verweilt sie eben nicht mehr den ganzen Tag auf dem Platz, sondern sucht sich nach der morgendlichen „Versorgung“ durch ihre Dealer andere Orte: das alte Parkhaus in der Triftstraße zum Beispiel, die Grünanlagen hinter dem U-Bahnhof Osloer Straße, den Martha-Ndumbe-Platz (ehem. Nettelbeckplatz) oder den Kleinen Tiergarten in Moabit etwa. Wenn der Kontrolldruck der Polizei auf dem Leopoldplatz jetzt nachließe, wäre also der Zustand von vor zwei Jahren vermutlich schnell wieder da. Dann würden die schwer Suchtkranken wieder am zentralen Platz des Wedding verweilen und dadurch den ganzen Ortsteil prägen.

Das weiß auch die Polizei und die Stadtpolitik. Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger hatte zwar diesmal auf ihre Teilnahme am Runden Tisch verzichtet, fährt deshalb aber noch lange nicht ihre Unterstützung für den Leopoldplatz zurück. Die Finanzierung der meisten Projekte jedenfalls ist für dieses und fürs nächste Jahr gesichert.

Und im Juni findet erneut ein Runder Tisch Leopoldplatz statt: am 17. Juni um 18 Uhr, diesmal wieder am gewohnten Standort im ehemaligen BVV-Saal Wedding am Jobcenter Leopoldplatz.

Autor: Christof Schaffelder

Dieser Text erschien zuerst in der Zeitschrift Ecke Müllerstraße

Gastautor

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1 Comment Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Christof, lieber Weddingweiser, danke für den Artikel zum Leo, ich bin da auch oft und es macht etwas aus, die Anwohnenden hier mit einzubinden. Sicherlich gut auch die Träger im Grünenbereich. Sehr gut, die Information, wo sich die Menschen, die hier vorher Aufenthalt suchten mit den Suchtproblematiken, nun hinbewegen. Das hat mich auch bewegt: es findet doch eher eine Verlagerung des Problems statt. Aber welche Institution fühlt sich zuständig für die Obdachlosen und Süchtigen? Könntest Du liebes Team Weddingweiser, dazu etwas schreiben? Wie kommen wir in Mitte von den Bildern los – heute morgen: U-Rosenthaler Platz, zwei Schlafsäcke mit hoffentlich lebenden Menschen darin direkt am Ausgang. Da müssen die Beratungseinrichtungen und Behörden etwas tun – nicht Verlagern sondern Bearbeiten: mit Unterkünften, gesunder Verpflegung und medizinischer Versorgung …

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