Das Bezirksamt und der zuständige Stadtrat haben gestern in einer Pressemitteilung über eine „Zukunft der Fischerpinte am Plötzensee“ informiert. Einerseits wolle man das Grundstück erhalten, brauche noch Zeit wegen der Erbfolge, sagt beim Thema Bootsverleih klar Nein und sieht den Ort in der Zukunft als besseren Aussichtspunkt. Also genau das, worum es den meisten Weddingern und Moabitern gar nicht geht.
Gesamte Pressemitteilung:
Unser Autor kann sich das alles nicht vorstellen, hier seine Meinung dazu:
Neben Lob und Beileid lese ich vor allem heraus, dass die Interessen von möglicherweise Hunderttausenden Weddingern und Moabitern schlicht ignoriert werden. Korrekt ist, solange die Sache mit der Erbfolge nicht geklärt ist, wird Zeit vergehen. Fristen müssen eingehalten werden. Ob sich jemand findet, der die Rückbaupflichten erben möchte, sei dahingestellt, ob das Amt bewusst unklar formuliert, ebenfalls.
Am Ende muss man aber auch benennen, was es ist: Das elitäre Denken einzelner, die im laufenden Betrieb offenbar nie vor Ort waren. Ein Amt, das sagt, wenn wir 90% des Ortes abreißen, dann ist es doch gar kein Abriss. Doch, das ist es. Möglicherweise nicht in Amtssprache, aber für die Wählerinnen und Wähler wird es das sein.
Das Amt möchte einen Aussichtspunkt. Praktisch ist das am Ende ein vorgelagerte Steingarten, wie es ihn schon gibt. Wie soll dieser Ort noch derselbe sein, wenn Menschen dort mit ihrem selbst mitgebrachten Getränk hinkommen sollen? Welcher Fahrradfahrer hat nach einer langen Radtour ein kaltes Getränk, welche Spaziergängerin noch einen Kartoffelsalat im Rucksack und wie viele Kilometer weit weg ist überhaupt der nächste Späti?
Am vergangenen Mittwoch war eine Vertreterin der Seniorenvertretung Mitte im Ausschuss für Umwelt/Natur. Auch sie fragte, was mit der Fischerpinte sei. Sie sei doch ein Treffpunkt vieler alter Menschen – was wieder gegen das Vorurteil spricht, die Pinte wäre ein Ort für einige wenige. Die Vorstellung, dass sich eine Seniorengruppe dort ihren Kaffee auf dem Gaskocher aufbrüht, weil die Fischerpinte nur noch eine Aussichtsplattform ist, funktioniert nicht. Beinahe weltfremd mutet es an. Ortsfremd zumindest.

Keine Boote mehr: Begründet wird das nun einfach mit „ist halt so“ – immerhin ohne das alte Argument, die Boote würden angeblich regelmäßig die Ufer anfahren. Dass auch diese ein Anziehungsfaktor der Pinte waren, dazu macht das Amt keinen Kommentar. Abriss ist nun mal nicht gleich Abriss.
Das Schweigen der anderen
Fragt man bei einzelnen Bündnisgrünen nach, hört man entweder nichts – keine Zuständigkeit. Oder aber, man würde sich freuen, irgendwann dort wieder Boot fahren zu können. Nur: Das unterscheidet sich grundlegend von dem, was diese Pressemitteilung des Stadtrats schildert. Nach außen schweigt die Partei. Vielleicht weil bald Wahlen sind, man sich nicht intern noch mehr zerstreiten will, als man es bereits getan hat, oder weil niemand den Mumm hat, Entscheidungen aus den eigenen Reihen in Frage zu stellen. Danke für „sehr wenig“. Oder es ist am Ende doch die Haltung der Grünen als Ganzes?
Die SPD dagegen ist theoretisch pro Fischerpinte. Praktisch dagegen hat die Partei gerade so viel mit sich selbst zu tun, dass sie wie gelähmt wirken, oder ebenfalls nicht antwortet. Danke für „sehr wenig“.

Und so bleibt am Ende das komische Fazit: die einzig „stabilen“ momentan sind nach außen die CDU und die LINKE gleichzeitig. Die CDU hat bereits letzte Woche eine Pressemitteilung zum Erhalt rausgegeben; ob sie auch aktiv wird hinter den Kulissen, ist noch eine andere Frage. Die LINKE dagegen veranstaltete letzten Freitag eine Infoveranstaltung am Ort des Geschehens, war 2011 und auch 2022 direkt am Thema dran und sammelt momentan Unterschriften. Der Rest schweigt. Und das im Wahljahr.
Am Ende wünschen sich der Wedding und Moabit doch nur einen Ort, der in seiner Urigkeit und Unaufgeregtheit weitgehend erhalten bleibt. Unperfekt und mit Seele. Dazu gerne noch ein stärkerer Fokus auf Umweltaufklärung. Und dass sich bestimmte Dinge im Jahr 2026 ändern müssen, stellt niemand in Frage. Einen Ort aber nahezu plattzumachen und zu sagen, es sei dann immer noch die Fischerpinte, erscheint mir weltfremd. Nicht zu verstehen, dass die Menschen dahin kamen, weil der Ort war, wie er war – ebenfalls. Weltfremd gegenüber den Moabitern, Weddingern, Kindern, Senioren, Zugezogenen und Alteingesessenen. In einer Zeit, in der die Stadt nicht nur heißer wird, sondern für viele auch der Urlaub unerschwinglich. Kurz: Weit weg vom Wählerwillen.



Da wir ja nur einen Plötzensee haben: Wie wäre es mit einem Entwicklungsplan für den ganzen See? Statt Fischerpinte gegen Strandbad und das Strandbad gegen die Partymeile am Ostufer und so weiter auszuspielen, einfach mal alle an einen Tisch und die Frage gestellt: Wie kann der See für uns alle erhalten bleiben?
Gute Idee! Mal alle Akteure zusammenbringen – Steingarten-Nutzende, Strandbad, Fischerpinte e.V., Bezirk – hat jemand einen Terminvorschlag? 😉
Danke, dass ihr diese hohle Pressemitteilung nicht einfach nachgebetet habt so wie andere der Pressestelle des Bezirks nahestehende Kiezmedien. Denn letztlich legt sich der Stadtrat auf nichts fest, will erst einmal die Antwort des Nachlassgerichts abwarten und hoffen, dass das Thema im Sande verläuft.
Wie wäre denn mal eine Weddingweiser Umfrage wer die Fischerpinte je mochte um die Aussage zu unterfüttern.
Ich persönlich fand es dort unangenehm und finde nicht schlimm, wenn sie weg ist.
Ich war einmal da, fand es ungemütlich, moderig und verraucht. Hin bin ich danach nicht mehr.
Aber ich bin auch nicht alle Leute. Wenn es keinen Schaden gibt und es sich wirtschaftlich hält, kann es doch bleiben.
Aufklärung über den Plötzensee und Uferschutz wäre jedenfalls dringend nötig.
Ob ein neuer Betreiber dann das alte oder ein neues Publikum angesprochen hätte, wer weiß.
Am Radweg der Uferpromenade am Jagdhaus Spandau gelegen, befindet sich direkt daneben die Waldschule Spandau. Vielleicht wäre eine solche Waldschule eine mögliche zukünftige und sinnstiftende Weiternutzungsoption für das Areal der ehemaligen Fischerpinte.
Die Grünen in Mitte sind ja irgendwie Alleinherrscher. Und am Plötzensee sehen wir die Menschenfeindlichkeit dieser Partei. Jeder Grashalm ist wichtiger als Menschen und ihr Erholungsbedurfnis. Das haben sie schon mit dem hässlichen Zaun um den See demonstriert und dem Abräumen der Saunalandschaft im FKK Bereich des Schwimmbades. Und mit der Genehmigungsverweigerung für einen Wohnmobilstellplatz im Schwimmbad und jetzt zerstören sie den urigsten Ort am Plötzensee. Genehmigungsfähig ist dafür der hässliche Club Heideglühen in der Seestraße 1.
Die Grünen waren mal meine Heimat.Davon ist nichts mehr übrig
Schade. Mit Ihren ersten beiden Sätzen möchten Sie gleich schon deutlich machen nicht ernstgenommen werden zu wollen und an keinen kritisch-konstruktiven Austausch interessiert zu sein.
Und einer Partei bzw. einem Stadtrat, die wie kein anderer Berliner Bezirk in eine für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen deutlich sicherere Infrastruktur investieren, „Menschenfeindlichkeit“ (meine Güte, ist das absurd!) vorzuwerfen, entbehrt, freundlich gesagt, jedweder seriösen Diskussionsgrundlage.
Und was ist eigentlich am Club Heideglühen auszusetzen? Ein Stück Clubkultur inmitten einer eigentlich komplett unwirtlichen Verkehrs“wüste“. Es ehrt diese Leute eher, ausgerechnet dort einen wie es scheint erfolgreichen Club realisiert zu haben. Niemand, wirklich niemand, bis auf Radpendler*innen, hat dieses wenig attraktive Stück Stadtraum vorher aufgesucht. Auch heute ist die Uferböschung hinter dem Club komplett unattraktiv. Bis auf ein Obdachlosencamp ist dort rein gar nichts.
Ich empfinde einige Sätze in diesem Artikel als irritierend und etwas ärgerlich. @Flori schrieb es schon richtig!
Auf welcher Faktengrundlage fallen Aussagen wie die folgende?
„Also genau das, worum es den meisten Weddingern und Moabitern gar nicht geht.“
Ich persönlich begrüße alle bisher getätigten Naturschutzmaßnahmen rund um den Plötzensee ausdrücklich.
Die Grünen, hier Herr Schriner, tun hier primär das wofür ich die Grünen auch(!) wähle.
Bevor hier jedoch Schnappatmung mir gegenüber einsetzt: auch ich spreche mich für den bestmöglichen Erhalt der Fischerpinte aus.
Ich durfte Herrn Schriner und sein SGA persönlich kennenlernen, führte mit ihm unter vier Augen auch ein paar sehr sympathische Sätze. Ich bin auch nicht mit allem einverstanden was er als Stadtrat veranlasst. Zum Beispiel hätte ich mir hinsichtlich der Fahhradstraße durch die bekannte Gartenkolonie aufgrund der dort etwas mobilitätseingeschränkten, älteren Gartenpächter*innen mehr Fingerspitzengefühl hinsichtlich der Parkplatzsituation gewünscht.
Ansonsten möchte ich ganz nüchtern den Blick auf die kommenden Wahlen in Berlin (auch BVV-Wahlen) lenken. Dort wird such zeigen, ob Mitte weiter grün-regiert wird oder ob die Grünen „abgestraft“ werden.
Irgendwie hat man den den Eindruck, dass bei den kommenden Wahlen alle abgestraft werden sollen!
Die Grünen, wg. der Fischerpinte (und – extra von mir – wg. der Polleritis),
Die CDU wg. Tennisspielen v. Bürgermeister,
Die Linken wg. Vergesellschaftung der Immos,
Die SPD wg. der undifferenzierten Haltung zu allem und jedem
Die AfD sowieso…
Und die FDP is nicht mehr…
Wen soll man jetzt wählen???
„die Interessen von möglicherweise Hunderttausenden Weddingern und Moabitern“ werden ignoriert? Wohl kaum. Geht mir wie Flori: der Laden interessiert mich nicht, hat er noch nie. Das sollte alles Naturschutzgebiet sein.
Naturschutzgebiet ist es nicht, es ist Landschafttschutzgebiet. Den Unterschie bitte bedenken
Bisschen schade, dass es hier nur recht aktivistische Berichterstattung gibt. Mir war – seit 15 Jahren im Einzugsgebiet wohnend – die Pinte egal und für mich ist kein Verlust, wenn sie rückgebaut wird. Boote fand ich immer nervig auf dem See, zu viele betrunkene Halbstarke. Würde es begrüßen, wenn etwas ganz anderes draus wird, bisschen Wandel hat ja auch etwas Belebendes. Und gab es mit der Pinte nicht auch Probleme mit den Leitungen, sodass einiges Abwasser in den See gelangt ist?
Pro-Contra Artikel sind immer willkommen.
Den belebenden Wandel soll es ja geben. Ob ein Rückbau ein Wandel oder eher eine Zerstörung des Ortes ist muss dann jeder selbst entscheiden.
Und mal angenommen es gibt oder gab Probleme mit den Leitungen, dann repariert man so etwas.
Das dürfte ja nun keine Argument sein einen Ort abzuschaffen.
Beim nochmaligen Nachdenken empfinde ich die „belebende“ Entwicklung gerade mit dem Strandbad als extrem ärgerlich; es war früher so ein schöner, naturbelassener, etwas verfallener Ort und jetzt eine vollgerümpelte und das überteure Party-Location – das ist auch kein belebender Wandel, den ich gut fände. Vielleicht bin ich da einfach noch ein Stück konservativer, und wünsche mir auch dort einen Rückbau von Containern und Infrastruktur – bis auf das ikonische Gebäude-Emsemble. Freie Seezugänge und ein bisschen Kiosk-Betrieb, klar abgegrenzte Schutzbereiche, keine Bootsvermietung oder Plastik auf dem Wasser … dafür braucht es die Pinte in ihrer jetzigen Form auch nicht, finde ich; wenn man daraus etwas zurückgenommen ein Naturkundezentrum mit Snack-Anschluss machen würde, wäre das nett; vielleicht sind wir da gar nicht so weit auseinander.
„Also genau das, worum es den meisten Weddingern und Moabitern gar nicht geht.“
Ist diese Aussage auch neutral belegbar? Mich interessiert die Fischerpinte nicht und hat sie auch noch nie. Wenn man natürlich krawallig auf „früher war alles besser“ geht, dann bekommt man vielleicht Zuspruch. Und die Radikalen auch, weil das deren Kernthema ist.
Bisher war in allen Gesprächen mit Menschen die am Tor der Pinte standen der Tenor: dass es Ihnen genau um die Atmosphäre des Ortes ging wie er war. Deshalb waren sie vor Ort. Das hat dann nichts zwangsläufig mit früher war alles besser zu tun. Sondern mit der Frage: muss ein Ort von Heute auf Morgen verschwinden. Das ist ja kein Prozess und in 20 Jahren würde man sagen….ach guck. Der Ort hat sich geändert, schade. Sondern ein harter Cut.