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Modenschau im Wedding:
RE/ CLAIMED: Kann Mode ein Werkzeug für Widerstand, Bewusstsein und Veränderung sein?

12. Februar 2026

Die interdisziplinäre Modenschau RE/CLAIMED, die am 22. Januar im Studio dB in den Uferhallen im Wedding stattfand, sucht Antworten jenseits klassischer Laufstegformate. Konzipiert von Eric Vincent, Alicia „Cleo“ Staufenbiel und Déborah-Loïs Séry versteht sich das Projekt als künstlerische Intervention – und als Einladung, Mode neu zu denken: als Raum für Bewusstsein, Widerstand und Transformation.

RE/CLAIMED verbindet Modenschau, Live-Performance, Klangkunst und visuelles Storytelling zu einem immersiven Gesamterlebnis. Im Zentrum steht nicht die Inszenierung von Konsum, sondern eine kritische Auseinandersetzung mit den sozialen und ökologischen Folgen der globalen Modeindustrie. Alle präsentierten Designs bestehen aus wiederverwerteten Materialien und machen sichtbar, was im Produktionskreislauf oft verborgen bleibt: Überproduktion, Verschwendung und Ausbeutung – aber auch Handlungsspielräume und Alternativen.

Strukturiert ist das Projekt entlang der Leitbegriffe OWN, DISRUPT, REINVENT. Sie stehen für Verantwortung gegenüber den realen Produktionsbedingungen, für die Kritik ausbeuterischer Systeme und für eine Neugestaltung von Mode als gemeinschaftlichen, fürsorglichen Raum. Die Entwürfe zeigen, dass nachhaltige Mode weder elitär noch ästhetisch begrenzt ist, sondern zugänglich, experimentell und begehrenswert sein kann.

Ein zentrales Element der Show ist eine Live-Upcycling-Performance. Während des Abends werden scheinbar ausgediente oder übersehene Kleidungsstücke durch einfache, bewusste Eingriffe transformiert. Der Akt des Umgestaltens wird selbst zur Botschaft: Veränderung erfordert nicht zwangsläufig technisches Expertenwissen, sondern Aufmerksamkeit, Kreativität und die Bereitschaft, Werte neu zu definieren. Upcycling erscheint hier nicht als Trend, sondern als Haltung – als Ausdruck von Verantwortung und Handlungsmacht.

Im Fokus stehen Arbeiten aus wiederverwerteten Materialien, darunter Designs von Andrea Bonfini (Fade Out Label), Lola Garcia (Sobrenegro), Emrah Polywka (The Future Club), Tim van der Loo (A New Kind of Blue), Alfonso Nava (Almana) sowie Genevieve The Label.

Auch der Sound trägt wesentlich zur Narration bei. Eine eigens für RE/CLAIMED entwickelte Klanglandschaft begleitet die Show: Industrielle Geräusche wie Nähmaschinen und mechanische Rhythmen verweisen zu Beginn auf textile Produktionsstätten. Im Verlauf entwickelt sich der Sound durch verschiedene emotionale Zustände, bis er in einem Moment kollektiver Öffnung und Aufbruchsstimmung mündet. Klang wird so zum Spiegel möglicher gesellschaftlicher Transformation – von Ausbeutung hin zu Bewusstsein und Veränderung.

RE/CLAIMED versteht sich nicht als abgeschlossene Inszenierung, sondern als Plattform für Dialog, Bildung und Empowerment. Ästhetik und Aktivismus greifen ineinander, Kunst und politisches Bewusstsein werden miteinander verknüpft. Unterstützt wird das Projekt von Engagement Global und Fashion Revolution Germany, zwei Organisationen, die sich für Transparenz, Verantwortung und globale Gerechtigkeit in der Modebranche einsetzen.

Instagram RE/CLAIMED

Fotos: Freya Øydis / Paul Winkler

Gastautor

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