Meinung Ein verkohltes Dach, defekte Technik, 300.000 Euro Schaden – das ist ärgerlich, ohne Frage. Aber dass seit über einem Monat die Ringbahn am S-Bahnhof Wedding einfach durchrauscht, als gäbe es diesen wichtigen Umsteigepunkt nicht, ist mehr als nur ein Kollateralschaden des Brands in der Silvesternacht. Es ist ein verkehrspolitisches Armutszeugnis.

Tausende Pendler:innen stehen seither vor einer simplen Wahrheit: Der wichtigste Umsteigeknoten zwischen U6 und Ringbahn ist weg. Kein Halt, kein Übergang, seit 15. Januar au ch kein Ersatzverkehr mehr. Wer kann, quetscht sich in den Bus 247 Richtung Gesundbrunnen oder fährt Umwege mit der U9 über Westhafen. Alle anderen verlieren Zeit, Geduld und Anschluss.
Natürlich braucht eine Ermittlung wegen Vandalismus Zeit, genau so wie auch die Grundinstandsetzung. Aber hier geht es nicht um Marmorböden oder Designerleuchten, sondern um ein Dach, um Technik, um die elementare Frage: Können Züge an einem provisorisch freigegebenen Haltepunkt betrieben werden oder nicht? Wenn die S-Bahnen S41 und S42 seit Wochen wieder durchfahren, dann muss es möglich sein, wenigstens einen Teilbetrieb herzustellen. Ein Bahnsteig, ein Zugang, ein provisorisches Dach – irgendetwas, das diesen Knoten wieder nutzbar macht.
Dass nun die Weddinger SPD-Abgeordneten Maja Lasic und Mathias Schulz Druck machen, ist richtig und überfällig. Gut so. Denn was hier fehlt, ist nicht nur Baufortschritt, sondern Prioritätensetzung. Der Bahnhof Wedding ist kein Dorfbahnhof, sondern eine der wichtigsten Schnittstellen im Norden Berlins. Wer hier wochenlang keinen Halt ermöglicht, signalisiert: Der Alltag der Pendler:innen ist zweitrangig.

Vandalismus kann man nicht planen. Aber Krisenmanagement schon. Und dazu gehört, in Ausnahmesituationen schneller, pragmatischer und sichtbarer zu handeln. Ein Monat Stillstand an einem zentralen Umsteigebahnhof ist kein Naturereignis – es ist eine Frage des Willens.
Der Wedding wartet nicht auf perfekte Lösungen. Aber auf ein bisschen guten Willen schon.


Ich kann von meiner Wohnung in der Lindower Straße den S-Bahnhof Wedding komplett überblicken. Nachdem ich so feststellen konnte, dass außer ersten Aufräumarbeiten und einer Begehung ein paar Tage später keinerlei Instandsetzungsarbeiten durchgeführt wurden habe ich mich an
– S-Bahn Berlin,
– Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt,
-den Regierende Bürgermeister von Berlin
gewandt.
Ich erhielt von allen Antworten. Diese waren aber sehr allgemein gehalten (S-Bahn) bzw. verwiesen auf Nichtzuständigkeit (die anderen beiden). Bei der Senatsverwaltung und dem Bürgermeister hatte ich eher erwartet, dass meine Mitteilung als Anlass genommen wurde, Druck auf die S-Bahn auszuüben, hier die nötigen Mittel einzusetzen, anstatt abzuwiegeln.
Auch in den Wochen danach gab es lediglich sehr vereinzelte Aufräumarbeiten (an zwei Tagen?) bevor vorgestern weitere Arbeiten begonnen haben.
Ich wundere mich vor allem darüber
– dass so wenig Arbeitszeit investiert wurde
– dass keine konkreten Zieldaten kommuniziert wurden
– dass einfach umzusetzende, partielle Öffnungsmöglichkeiten nicht umgesetzt wurden
– dass ein mehr als einmonatiger Stillstand nach einem eher übersichtlichen Schaden von Verwaltung / Regierung als scheinbar normal eingestuft wird
– dass keiner mehr die Motivation zu haben scheint, das Bild von Berlin als Stadt des Nichtfunktionierens zu revidieren
Grundsätzlich stimme ich dem Artikel inhaltlich voll zu! Das einzige, was mir als ehemaliges Landei sauer aufgestoßen ist, war dieser Satz hier: „Der Bahnhof Wedding ist kein Dorfbahnhof, sondern eine der wichtigsten Schnittstellen im Norden Berlins.“ Das ist mal wieder die typisch großkotzige Haltung des Städters. Der S-Bahnhof Wedding ist eine wichtige Schnittstelle, keine Frage! Aber er kann umfahren werden, mit ein paar Minuten zusätzlicher Fahrzeit. Der Dorfbahnhof hingegen ist (wenn er überhaupt noch existiert) der einzige Haltepunkt auf dem Land – die einzige Möglichkeit, mal sein Kuhkaff zu verlassen und Stadtluft zu schnuppern! Wenn also die Reparatur des Weddings hintenanstehen würde, weil zuerst mal irgendwo in Posemuckel der letzte ÖPNV-Halt vor Ort repatiert werden würde, dann fände das sogar meine Zustimmung. Danke für die Aufmerksamkeit.
Grüße: ein Landei
Ist das euer Ernst nicht genug auslastung im ersatzverkehr, da platzt mir fast der Kragen 1. Der Ersatz Verkehr wurde nicht an den Haltestellen kommuniziert 2.die Busse kamen zum Teil überhaupt nicht.. Ich mußte an mehreren Tagen über 1 Stunde mit anderen Fahrgästen in der Kälte stehen.. Null Informationen. Es war ein lottospiel kommt der Bus oder nicht. Mal hielt er am s Bahnhof humboldhain mal nicht, mal gegenüber vom Bahnhof Gesundbrunnen mal direkt davor… Organisation sieht anders aus.
So sieht es aus.
Dieser Ersatzverkehr war ein totaler Witz. Und als er nicht mehr fuhr, wurde man erst nach 30 min. warten an der Haltestelle darüber informiert, weil die DB Mitarbeiter die darüber informieren sollten am Eingang der S-Bahn Station standen (wo natürlich niemand hingeht weil sie nicht fährt), und nicht an der Station des Ersatzverkehrs. Das hat mich so wütend gemacht.
Noch so als Nachtrag die DB heinis waren auch nicht immer da.. Hab sie ehr selten bis garnicht gesehn und wen dann waren sie mit sich selbst beschäftigt statt zu helfen. Oder auch Infos zu geben
Im Web unter sbahn.berlin/aktuelles/artikel findet sich u. a. der Hinweis, dass die Reparatur des Aufsichtshäuschens auf dem S-Wedding bis ins Frühjahr 2027 hinein andauern kann. Dort wird die Aufgabe des Bus-Ersatzverkehrs zum 15.1.26 mit geringer Auslastung begründet. Kein Wunder bei einer für Berliner eher umständlichen Strecke.
Was ich nicht verstehe, dass es in kälteren Wintern Tramverkehr gab. Bisher hatten wir in der City in 2025/26 noch keine Minus 15 Grad, oder täusche ich mich?
Am Bahnhof wird seit Sylvester nicht mehr gehalten, das ist fast ein Monat und nicht über!
Ganz richtig: ein verkehrspolitisches Armutszeugnis!
Ließe der CDU-Senat (und sein Hilfs-SPD) das auch zu, wenn es nicht um den Wedding ginge, sondern um einen Umsteigebahnhof im Berliner Süden?
Sehr viel Lebenszeit habe ich am Gesundbrunnen nach dem Mauerfall verbraucht (täglich 1 Stunde Mehraufwand als Berufspendler über mehrere Jahre), weil dort „die gesamten Bahnanlagen konzeptionell umgeplant“, bundesweit ausgeschrieben und umfassend neu errichtet werden mussten (1990 bis 2002), als hätte ausgerechnet dort der Verkehr neu erfunden werden müssen?! Während der Diepgen-Senat gleichzeitig im Berliner Süden für seine Stammwähler die S-Bahn-Stationen hochschick und zeitnah sanierte.
Und auch heute wieder können die CDU und ihr SPD-Hilfskonstrukt es mit dem Wedding machen?!
Richtig…. Und wann kann man wieder ab Wedding fahren????
Diese Frage hätte ich gern beantwortet!!!!!
dass es dazu seit Mitte Januar keine Meldungen mehr gibt, find ich auch mies! Anfang Februar wurde gesagt, der ist quasi jetzt.
Ich hab keine Ahnung wie ich am Montag ohne U-Bahn, Tram und Bus mit dem immernoch gesperrten S Wedding irgendwohin kommen soll. 🤷🏻♀️