Rui Fang hat eine chinesischsprachige Karte für den Leopoldplatz gestaltet. Sie soll den vielen chinesischen Studierenden in der Nachbarschaft Orientierung bieten und Ihnen zugleich die Angst vor dem als gefährlich geltenden Platz nehmen. „Ich selbst hätte mir eine solche Karte gewünscht, als ich nach Berlin kam“, sagt er.

Du hast eine chinesischsprachige Karte für den Leopoldplatz erstellt. Warum denkst du, dass es Bedarf gibt für so eine Karte?
Ich habe gemerkt, dass viele chinesischsprachige Menschen in Berlin leben,
aber kaum wissen, was direkt vor ihrer Haustür passiert.
Rund um den Leopoldplatz wohnen viele chinesische Studierende,
doch ihre Informationsquellen sind fast nur chinesische Social-Media-Kanäle.
In Berlin gab es bisher nichts, das speziell für diese Community gemacht wurde. Die Karte soll eine kleine Brücke sein.
Du hast erzählt, dass sich chinesische Besucher am Leopoldplatz unsicher fühlen. Warum?
Hier sieht man Menschen, die trinken, Drogen nehmen oder auf der Straße schlafen, und der Platz ist nicht immer sauber. Für viele, die gerade aus China kommen, wirkt das fremd.
Aber das hat weniger mit echter Gefahr zu tun, sondern mit kultureller Distanz. Wenn man den Wedding besser kennt, spürt man: Hier ist auch Alltag und Nachbarschaft.
Was erhoffst du dir von diesem Projekt?
Ich wünsche mir, dass mehr chinesischsprachige Menschen den Wedding als Teil ihres Lebens in Berlin sehen. Und auch, dass Berliner:innen neugierig werden, wie vielfältig die chinesische Community ist. Ich sehe die Karte als eine kleine kulturelle Übersetzung. Es geht um Begegnung: leise, aber sichtbar.
Auf was habt ihr beim Design der Karte besonders geachtet?
Uns war wichtig, dass die Karte nicht touristisch wirkt,
sondern persönlich und handgemacht – mit warmen Farben und Details aus dem Alltag.
Sie ist zweisprachig: Texte auf Chinesisch, eine englische Einführung, und die Ortsnamen bleiben auf Deutsch. Wir wollten, dass man beim Aufklappen spürt: Das ist eine Einladung, die Stadt ein Stück näher zu erkunden, ganz langsam, mit unseren Füßen.
Hättest du dir so eine Karte gewünscht, als du nach Berlin kamst?
Ja, auf jeden Fall. Als ich kam, war alles spannend, aber auch überfordernd. Ich bin ein neugieriger Mensch, und vieles, was heute auf der Karte steht, habe ich über Jahre beim Gehen und Beobachten gesammelt.
Gerade für den Wedding gab es keine Karte, die das Viertel so vollständig aus chinesischer Sicht zeigt. So eine Karte hätte mir geholfen, mich schneller zu orientieren – nicht nur räumlich, sondern auch emotional.
Du veranstaltest Kieztouren durch den gesamten Wedding. Was für ein Bild haben die Chinesen kiezübergreifend?
Viele sehen den Wedding als laut, unsicher oder einfach auch als günstig.
Das Bild bleibt oft bei der Müllerstraße stehen, also bei türkischen Läden und Imbissen.
Aber tatsächlich leben heute 500–600 chinesischsprachige Studierende in der Nachbarschaft, es gibt fünf chinesische Restaurants und eine chinesische Buchhandlung.
Der Wedding wird langsam zu einem neuen Bezugspunkt für die chinesische Community in Berlin. Ich hoffe, die Karte zeigt diesen Wandel.
Welche Ecke würdest du noch gerne kartieren?
Ich mag besonders den südwestlichen Teil des Weddings, rund um den Sprengelkiez. Zum Beispiel Hansis Brot, UUU, Mimi Ferments oder Dilekerei, kleine Orte, die echt und lebendig sind. Wenn man dort sitzt, hört man drei, vier Sprachen gleichzeitig – das ist Berlin. Bisher haben wir fünf Bereiche des Weddings kartiert, und wir möchten weitermachen: andere Stadtteile, eine Karte der chinesischen Restaurants und vielleicht eine LGBT-Karte auf Chinesisch. Es soll eine Reihe werden: Berlin unter unseren Füßen.
Wissen Chinesen eigentlich über die kolonialgeschichtlichen Straßennamen im Wedding Bescheid?
Die meisten wissen kaum etwas darüber. Der Pekinger Platz und die Kiautschoustraße im Wedding erinnern an die deutsche Kolonialzeit in China. Aber auch in Dahlem gibt es Straßen mit solchen Bezügen. Ich plane im Dezember einen Vortrag auf Chinesisch, um diese Geschichte bekannter zu machen und über die Dekolonisierungsarbeit in Berlin zu sprechen. Ich hoffe, dass wir als chinesische Community künftig auch in solchen Debatten eine Stimme haben werden.


Am Sonntag, den 9.11. von 10-12 Uhr, wird die Karte in der KAWA Rösterei in der Triftstr. 2 präsentiert.



Mahlzeit an Alle, auch an die,
die nicht gegrüßt werden wollen.
Munter wird es mitunter,
wenn Worte werden genutzt nie drunter,
denn solche ziehen Menschen und Launen nur runter,
hält man Aufmunterungen ehrlich hoch wird es fūr Alle: Heller und bunter!
Gute Besserung und Gesund werden, bleiben.
Morjen
kann man diese Karte ooch als oller Weddinger in die Finger bekommen?
Grüße
Ja, morgen zwischen 10 und 12 Uhr bei KAWA, Triftstraße 2
Hallo
ja mit der Antwort habe ich gerechnet… aber würde ich meine Frage stellen, wenn ich dort hingehen würde? Nein! Ergo frage ich deswegen weil ich dort morgen nicht hingehe… also daher meine Frage wo bekommt man die Karte her
Scharfsinniges WE
Scharfsinnig betrachtet war ja deine ursprüngliche Frage nicht korrekt gestellt, denn sie hätte eigentlich gleich lauten sollen: „Wo bekommt man die Karte her, wenn man nicht morgen dabei sein kann?“ Besonders, wenn du mit der (für dich) unzureichenden Antwort gerechnet hast. Aber vielleicht wolltest du auch mal ein bissel Dampf ablassen, weil du nicht ins Kawa kommen kannst. Schönes Wochenende auch meinerseits.
Morjen Erika S.
Danke für die aufmunternden Worte, wenn ich gesundheitlich fitter wäre nach meiner Krebserkrankung wäre ich gerne ins KAWA gekommen
Grüße
Lieber Reinhard, ich habe gefragt, ob wir die Karte online stellen können. Es gibt sie aber nur in Papierform und wird heute noch bei KAWA und in der KlaMotte (Nazarethk./Malplaquetstr.) ausliegen.
Hallo
Danke für den Hinweis