Hier wird im Wedding neu gebaut

An seit Jahrzehnten brachliegende Baulücken drehen sich Baukräne, auch Grundstücke an Bahntrassen sind nicht mehr vor Neubau sicher, und selbst oberflächlichen Beobachtern wird klar: Berlin platzt aus allen Nähten. Doch was wird gerade im Wedding gebaut und lohnt sich das wenigstens im Hinblick auf die Behebung der Wohnungsnot?

1. Altes wird neu

An der Ecke Müllerstr./Ostender Straße baut die AOK ihr neues Ärztehaus, das Centrum für Gesundheit. Das benachbarte Bestandsgebäude wird dann nach der Fertigstellung des Neubaus im Sommer 2020 umziehen. Die Grundsteinlegung soll noch im April erfolgen.

Für Kinder passiert auch etwas: An der Ecke Tegeler / Luxemburger Straße wird für den Abenteuerspielplatz TELUX ein festes Gebäude gebaut. Der Spielplatz bleibt während der Bauzeit geöffnet.

In der Baulücke Malplaquetstr. 19 ist noch ein historisches Fassadenteil mit Torbogen, die einstige Einfahrt in die Osramhöfe, erhalten. Das Portal wird gerade in einen Neubau integriert, in dem vor allem große Wohnungen entstehen. Auf der Website der Architekten wird das Projekt erläutert.

2. Baulücken verschwinden

An der Amrumer Straße hat die Gewobag zwei Studentenwohnheime hochgezogen. Haus Norderoog befindet sich an der Ecke Seestraße, Haus Süderoog an der Ecke Ostender Straße. Insgesamt 88 Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen sowie Einheiten für Wohngemeinschaften für insgesamt 195 Studenten sind entstanden. Die außergewöhnlichen Profilglasfassaden mit wenig Fenstern sind ein Entwurf der Architektin Silvia Carpaneto, stoßen aber auf wenig Zuspruch bei den Weddingern.

Weitere Baulücken werden an der Grüntaler Straße 42/43 und an der Freienwalder Straße 34/35 im Soldiner Kiez geschlossen. Auch hier entstehen Wohnungen. Und im Englischen Viertel in der Glasgower Straße 28 verschwindet eine Baulücke, ein Wohnhaus entsteht. Das Gleiche passiert gerade auch in der Genter Straße – ein schönes Wandbild musste dafür verschwinden.

3. Ganz neue Nachbarschaften

Die neuesten Straßen in Gesundbrunnen sind der Lichtburgring und der Bärbel-Bohley-Ring. Dafür wurden brachliegende Flächen nördlich des Mauerparks bebaut. Direkt vor dem Gleimtunnel ist ein Kreisverkehr entstanden, von dem der Lichtburgring abzweigt. Dieses Gebiet aus lauter neuen Wohngebäuden (Miet- und Eigentumswohnungen gemischt) kehrt dem Wedding aber den Rücken zu. Dass es fast nach allen Seiten eingezäunt ist, trägt dazu bei, dass es sich nach einem „Wohnghetto“ anfühlt.

4. Am Bahndamm zeigt sich das ganze Spektrum

An der Müllerstraße Ecke Lindower Straße am Bahnhof Wedding sind die Nachkriegsprovisorien verschwunden und die riesige, 20.000 Quadratmeter große Fläche wird gerade für ein neues Geschäftshaus geräumt, das an der Spitze zehn Stockwerke hoch sein wird. Reguläre Mietwohnungen soll es an dieser zentralen Stelle nicht geben.

Das Holzhaus Lynarstraße kurz vor der Fertigstellung. Foto: Hensel
Das Holzhaus Lynarstraße kurz vor der Fertigstellung. Foto: Hensel

Ganz in der Nähe, am Bahndamm an der Lynarstraße zeigen zwei Projekte, die unterschiedlicher nicht sein könnten, welche Bandbreite Wohnungsneubau im Wedding inzwischen haben kann. An der Hausnummer 38/39 wurde ein Haus aus Holz gebaut, preiswerte Wohnungen werden durch teurere Wohnungen querfinanziert und es gibt gemeinschaftlich genutzte Einrichtungen. Doch schon an der nächsten Ecke Lynarstraße/Tegeler Straße entstehen 80 Eigentumswohnungen, die bis zu 800.000 Euro kosten, unter dem wohlklingenden Namen herz.BERLIN. Den überhitzten Mietwohnungsmarkt dürfte das Projekt im Schatten der Ringbahn sicher nicht entspannen.

Einen guten Überblick über die Neubauprojekte im Wedding gibt die Seite https://www.architektur-urbanistik.berlin/index.php?tags/wedding/

Dort werden alle öffentlich einsehbaren Informationen zu Baustellensichtungen zusammengetragen.

 


1 Kommentar
  1. Wird ja allet schick im Wedding. Aus Schmuddelecken werden Studentenwohnheime mit Bio-Laden und aus öden Plätzen städtische Erlebniszonen. Ich zahle jetzt schon 12 Euro kalt pro Quadratmeter, also kann ich dem allem entspannt zusehen.

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